Matter Glanz: Chancen und Risken bei Silber

Silber ist kein Gold, das muss man wissen. Die „Papiergeldskepsis“ hilft dem Silber zwar, aber es bleibt ein Industrierohstoff, kein Geld. Die (vermeintliche) Sicherheit von Gold bietet Silber nicht.

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APA/ROBERT JAEGER

Wien. „Goldene Zeiten“, der „Goldene Schnitt“, die „Goldmedaille“: Die tiefe Faszination der Menschen von dem gelb glänzenden Metall hat dem Gold nicht nur in der deutschen Sprache eine schier ewige Sonderstellung verschafft. Und Silber? Der „kleine Bruder“ kommt immer auf Platz zwei – nicht nur bei Sportveranstaltungen. Der Zweikampf um die Rolle des besseren „Geldmetalls“ ist längst entschieden. Und Gold hat gewonnen. Auch wenn man freilich nie ausschließen kann, dass „der Markt“ (also „die Menschen“) es sich plötzlich anders überlegt.

Nach heftigen Rückgängen der Gold- und Silberpreise wurden Metallhändler jedenfalls weltweit gestürmt. Von Südafrika bis Europa, von Amerika bis Australien, China und Dubai dasselbe Bild: Überall vermeldeten Händler den fünf- bis zwanzigfachen Umsatz. Silber spielt eine wichtige Rolle, sowohl die US Mint (Hersteller der „Silver Eagles“) als auch die Münze Österreich („Silber-Philharmoniker“) produzieren derzeit am Limit – es kommt zu Lieferschwierigkeiten. Die explodierende Nachfrage ist vor allem bemerkenswert, weil in Europa teils heftige Steuern beim Silberkauf anfallen. In Deutschland sind es bei Münzen (noch) 7,5 Prozent – in Österreich gar 20. Eigentlich sind derart stark besteuerte Metalle als physisches Investment eher ungeeignet. Auf Gold fallen keine Steuern an.

 

Industrie wichtigster Faktor

Die wahre „Gefahr“ beim Silber liegt aber in seinem Stiefkinddasein. In der Investmentwelt wird das Metall kaum beachtet, ein paar wenige einflussreiche Stimmen können daher den Preis bewegen. Viel zu oft wird Silber als das „Gold des kleinen Mannes“ angepriesen. Diese Sicht ist aber irreführend.

Silber ist ein Rohstoff– wie Öl oder Holz. Ein Rohstoff wird verbraucht. Gold wird kaum verbraucht, und jährlich werden mehr als 2000 Tonnen Gold aus industriellen Anwendungen zurückgewonnen (Recycling). Beim Silber zahlt sich Recycling (noch) nicht wirklich aus. Der mit Abstand größte Faktor für die Silbernachfrage ist die Industrie (rund 70 Prozent). Das ist keinesfalls ein Argument gegen Silber als Investment – der „kleine Bruder“ stellt aber keineswegs eine Alternative zum Gold im Sinne eines Schutzes vor Unsicherheiten im Geldsystem dar. Zumindest bisher. Theoretisch wäre es möglich, dass die Nachfrage nach Silbermünzen so stark steigt, dass aus dem „Industriemetall“ wieder „Geldmetall“ wird – vorausgesetzt, die Industrie findet Alternativen.

Zum aktuellen Zeitpunkt weist aber nichts auf eine Rückkehr des Silbers ins Geldsystem hin (anders als beim Gold, das in Wahrheit die letzten „stillen Reserven“ des überschuldeten Westens darstellt). Die Münznachfrage zieht seit 2008 zwar dramatisch an– und ein Ende dieses Trends im Fahrwasser von Gold ist nicht in Sicht. Die fundamentale Angebot-Nachfrage-Situation beim Silber wird aber weiterhin von der Industrie gelenkt.

Es gibt mehr als 10.000 verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Silber: in der Medizin, der Verteidigung (Raketen) und der Energieversorgung. So braucht die Herstellung von Fotovoltaik-Zellen viel Silber. Ebenso die Herstellung konventioneller Filme für Kameras. Beide Sektoren stehen aber vor großen Problemen: Die durch staatliche Subventionen aufgeblasene „Solar-Bubble“ ist gerade am Platzen, und der weltweite Siegeszug der Digitalkameras hat den klassischen Film weit verdrängt.

Zwei Dinge stehen außer Frage: Den hochtrabenden Versprechungen einiger „Experten“ von einem Silberpreis, der „50-mal so stark steigt wie Gold“, sollte man nicht auf den Leim gehen. Wer aber nach einem kleinen „Hedge-Zaun“ für seine Goldreserven sucht, kann freilich Silber physisch erwerben. Die (vermeintliche) Sicherheit, die Gold bietet– die bietet Silber nicht. Noch nicht einmal vermeintlich.

 

„Wetten“ kann man mit „Papier“

Aber: Eine „Wette“ auf Silber als Rohstoff ist auf der Basis guter Informationen sicherlich eine Möglichkeit. Und zwar in beide Preisrichtungen. In diesem Fall sind hoch besteuerte Münzen und Barren aber kein tauglicher Weg. Stattdessen kann man Silber wie Wertpapiere in Form von Terminkontrakten und ETFs handeln. Exchange Traded Funds bilden den Preis eines Rohstoffs ab und sind „leicht zugänglich“ – vom Tradingterminal am Hauscomputer (siehe obenstehende Tipps). [iStockphoto]

Was Sie beachten sollten bei... Investitionen in Silber

Tipp 1

Umsatzsteuer. Im Unterschied zum Goldhandel fällt beim Kauf von physischem Silber (also Münzen oder Barren) Umsatzsteuer an. Damit sich das Investment rechnet, muss man diese durch einen steigenden Silberpreis erst einmal wieder hineinbringen. Zum Zocken sind Münzen völlig ungeeignet – dazu muss man zu Silberderivaten wie etwa dem „SLV“-Fonds greifen, der den Preis von Silber für seine Investoren „verfolgt“.

Tipp 2

Kursschwankungen. Silber wird oft als „Gold mit Hebel“ bezeichnet. Das bedeutet, dass der Preis relativ stark mit dem von Gold korreliert (sieht man davon ab, dass Silber stärker konjunkturabhängig ist), dass die Ausschläge aber höher und tiefer ausfallen. Für sicherheitsorientierte Anleger mit schlechten Nerven ist Silber nicht geeignet. Das Metall findet auch stärkeren Einsatz in der Industrie als Gold: Seine Entwicklung ist daher konjunkturgetriebener.

Tipp 3

Lagerung. Wer Metalle in physischer Form und in größeren Mengen erwirbt, muss sich auch um die Lagerung kümmern. Das trifft auf Gold wie auf Silber zu. Um aber in Silber denselben Wert wie in Gold zu bunkern, muss man derzeit 60-mal mehr Silber kaufen. Wenn man größere Mengen erwirbt, sind Bankschließfächer und Heimtresore oft nicht groß genug. Einige Händler bieten Lagerung im Tresor an– verlangen dafür aber Gebühren.

Tipp 4

Papiersilber. Statt in physischer Form kann man sich Silber auch als Wertpapier zulegen. Infrage kommen ETFs, das sind börsengehandelte Fonds, die teilweise (nicht immer) mit Silber unterlegt sind. Zuletzt zeigte sich aber bei Gold-ETFs, dass sich deren Wert zeitweise von dem des physischen Investments abkoppeln kann. Eine andere Alternative sind Aktien von Silberminenkonzernen wie Silver Wheaton. Dabei trägt man aber ein Unternehmensrisiko.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2013)

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