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Liebe zum Bausparen schlägt Ärger über Niedrigzinsen

Liebe zum Bausparen schlägt Ärger über Niedrigzinsen / Bild: (c) Bilderbox 

Bausparen ist gemütlich. Wohl deswegen stecken die Österreicher ihr Geld noch immer gern in Bausparverträge. Das kommt sie derzeit aber teuer zu stehen. Denn Steuer, Kosten und Inflation fressen die Zinserträge auf.

 (Die Presse)

Wien/Ker. Bausparkassen scheinen es gut zu haben: Denn egal, was passiert, die Leute rennen ihnen die Tür ein. Ob die Bausparzinsen nun im Keller sind, die staatliche Bausparprämie beschnitten oder die jährliche Mindestverzinsung nach unten gedrückt wird, die Österreicher lieben sie ganz offensichtlich heiß, diese Bausparverträge. Bei den vier österreichischen Bausparkassen (Raiffeisen, Wüstenrot, S-Bausparkasse, ABV) wurden im ersten Halbjahr über 445.000 neue Verträge abgeschlossen. Das sind um fast 13 Prozent mehr als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Und das, obwohl die Konditionen derzeit alles andere als attraktiv sind.

Eines sei vorweggenommen: Bausparen ist volkswirtschaftlich sinnvoll. Sparer zahlen in einen „Bausparer“ ein. Ihr Geld wird in Form von Bausparkrediten anderen Menschen für den Wohnungsbau bereitgestellt. Wenn die Sparer selbst später ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen wollen, bekommen sie leichter ein Bauspardarlehen. Aber wie hoch ist der Preis den Bausparkunden bezahlen müssen? Was muss der Anleger opfern, damit er der Volkswirtschaft hilft und in der ungewissen Zukunft leicht einen Kredit bekommt? Oder anders formuliert: Ist Bausparen als reine Sparform sinnvoll? „Die Presse“ rechnet nach.


•Variable Verzinsung: Wenn der Anleger in den variablen Bausparer der S-Bausparkasse jährlich 1200 Euro einzahlt, bekommt er für das erste Jahr einen fixen Zinssatz von drei Prozent. Danach geht es steil bergab. Die Bausparzinsen für die folgenden fünf Jahre sind immer deutlich niedriger als die Marktzinsen. Und da Letztere ohnehin so tief notieren, sind die Bausparzinsen mickrig. Die Anleger bekommen daher im schlimmsten Fall nur die Mindestverzinsung – und die liegt nicht mehr bei einem Prozent pro Jahr wie früher, sondern nur noch bei 0,75 Prozent.

Ein Szenario, gewiss ein schlimmes: Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen langfristig tief, da die Konjunktur in der Eurozone nicht anspringt. Die Bausparer erhalten für fünf Jahre nur 0,75Prozent jährlich. Sie bekommen zusätzlich 108 Euro an staatlicher Prämie, der Staat zieht im Gegenzug aber die Steuer von der Bausparverzinsung ab (rund 55Euro), die Bausparkasse zieht rund 35 Euro an Kontoführungskosten ab. Was bleibt am Ende übrig? Nach sechs Jahren hat der Anleger rund 7440 Euro netto auf dem Konto, nachdem er zuvor 7200 Euro selbst eingezahlt hat. Somit ergibt sich eine jährliche Effektivrendite von unter einem Prozent.

Wenn die Inflation bei zwei Prozent pro Jahr liegt, dann häuft der Kunde während der Laufzeit einen realen Verlust von über sechs Prozent an. Das ist aber – wie gesagt – das schlimmste Szenario. Aber sicher sein kann man sich ja nie in Zeiten wie diesen. Wer mehr Sicherheit will, der muss einen Bausparvertrag mit fixer Verzinsung unterschreiben.

•Fixe Verzinsung: Bei der Fixzinsvariante haben die Kunden zumindest die Gewissheit, wie viel sie in den nächsten Jahren verdienen. Aber: Die Zinssätze sind hier freilich auch nicht berauschend. Bei Wüstenrot gibt es für sechs Jahre 1,5 Prozent jährlich. Die S-Bausparkasse bietet gar nur noch 1,25 Prozent. Da dürfen sich die Kunden keine großen Hoffnungen machen, dass sie ihr Geld vor einem Kaufkraftverlust schützen können.

In Zahlen: Bei einer jährlichen Verzinsung von 1,25 Prozent erzielt der Anleger in sechs Jahren einen Zinsertrag von etwas mehr als 320Euro. Hinzu kommen 108 Euro an staatlicher Prämie, abziehen muss er Steuer und 35Euro Kontoführungskosten. Unter dem Strich steht ein Ertrag von 315Euro. Oder anders formuliert: Die effektive Rendite liegt bei rund 1,2 Prozent jährlich. Auch hier wird die Inflation das Geld des Bausparkunden kräftig anknabbern. Bei Wüstenrot schaut es durch die höhere Jahresverzinsung ein bisschen besser aus (allerdings sind die jährlichen Kontoführungskosten etwas höher). Der Anleger erzielt mit dem Fixzins-Bausparvertrag eine effektive Jahresverzinsung von knapp 1,4 Prozent netto.

Ein Vergleich: Für ein Sparbuch mit sechsjähriger Laufzeit würde es bei der Vakifbank einen fixen Zinssatz von 2,5 Prozent p.a. geben. Wenn man die Steuer abzieht, bleiben 1,9 Prozent übrig. Das sieht deutlich besser aus. Aber es handelt sich hier nur um ein einfaches Sparbuch und nicht um einen Sparplan. Da ist ein Bausparvertrag mit den jährlichen Sparleistungen schon um einiges gemütlicher. Wohl deswegen ist der Zulauf zu den Bausparverträgen ungebrochen. Trotz der veritablen Zinsmisere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2013)

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11 Kommentare

ALLE SPARER

lassen sich freiwillig ENTEIGNEN.

Liebe presse

Und jetzt wären noch folgende Fakten interessant:

Wie hoch ist der Znssatz für Kreditnehmer bei Bausparkassen?

Wer ist Eigentümer etwa der Wüstenrot Versicherung? Und zwar am Ende der Kette - welche natürlichen Personen ?

Wie hoch sind deren Gewinne?

Ich empfehle der Presse die Eigentümerinformation zu jedem Artikel beizusteuern - ohne diese Informationen kann der Lesermsich keine fundierte Meinung bilden!

Auch die Info "die Eigentumsverhältnisse konnten trotz Nachfrage und Recherche nicht geklärt werden" wäre sehr viel wert!

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Re: Liebe presse

Wenn es Sie so interessiert, könnten Sie doch einfach google oder yahoo verwenden, anstatt von anderen zu fordern Mehrarbeit zu leisten.

Re: Re: Liebe presse

wenn ich eine zeitung lese soll ich also selber fertig recherchieren? was sind sie: journalist oder lehrer oder sowas??

Auch Soll-Zinsen im Keller

Die "Presse"-Redaktion "Mein Geld" sollte auch einmal die historisch einmalig niedrigen Zinsen für Finanzierungen recherchieren! Die "S-Bausparkasse" bietet 2,97 % - garantiert auf 10 Jahre. Ohne langfristiger Garantie gibt´s bei allen 4 Bausparkassen Finanzierungen bis 360.000 € noch viel billiger! Das wäre umfangreiche Recherchearbeit!

Gerhard MIKO
2351 Wiener Neudorf

5 3

Gibt

es sinnvolle Alternativen, denen auch ein Nicht-Fachmann vertrauen kann? Was sollen Eltern ihren Kindern empfehlen? Die Hedgefonds, Heuschreckenfonds etc.? Kaum sind die Kinder 18 Jahre stürzen sich die gierigen Investmentfonds-Pensionsfondsmakler mit Verträgen mit Laufzeiten von 50 Jahre auf sie.

Re: Gibt

interessant. aber wer mit 18 einen vertrag unterzeichnet, den er mit 68 ausbezahlt bekommt, dem ist eh nicht zu helfen. sowas will ich auch nicht vom staat reguliert haben, wenn selbständiges denken aberzogen wurde, kommt der eine oder andere eventuell durch die schule des lebens auf das eine oder andere drauf.

15 0

Re: Gibt

Investieren Sie in die Bildung Ihrer Kinder. Das sollte langfristig den grössten Ertrag abwerfen.

Re: Re: Gibt

korrekt

Eigentumswohnung und Bildung.

Re: Re: Gibt

Dann wird das Kind Kundenberater bei der Bank und schwatzt den Leuten Bausparer auf - ein Win-Win Geschäft tät die Fekter sagen ;-))

Re: Re: Re: Gibt

Es gibt noch immer sehr viele gut bewertete Aktien mit jährlichen Dividendenrenditen von rund 4,5% pA. Bei einem langfristigen Engagement in Blue Chips fallen auch kurzfristige Kursschwankungen nicht ins Gewicht.

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