"Genug Essen produziert, aber Verteilung ist mangelhaft"

Investieren in Nahrungsmittel und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch, meint Michael Landymore von Impax Asset Management. Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut und kohlensäurehaltigen Getränken meidet er nicht nur aus ethischen Gründen.

Schließen
(c) Impax Asset Management

Die Presse:Herr Landymore, das Thema Nahrung sorgt für Kontroversen, auch weil immer mehr Lebensmittel im Müll landen. Wo sehen Sie als Fondsmanager des Parvest Smart Food Fund die größten Herausforderungen?

Michael Landymore: Produziert wird genügend. Allerdings ist in vielen Schwellenländern die Verteilung mangelhaft, viel geht beim Transport verloren. In den entwickelten Märkten ist hingegen die Logistik sehr effizient. Dafür werden Konsumenten mit vielen Sonderangeboten dazu animiert, mehr zu kaufen, als sie konsumieren können. Somit landet vieles auf dem Müll. Man muss aber an der gesamten Wertschöpfungskette ansetzen.

 

Vor wenigen Tagen wurden in Äthiopien mehr als 100 Menschen unter einem Müllberg begraben. Gibt es nicht gerade in der Verpackungsindustrie noch viel zu tun?

Eine der größten Herausforderungen ist die Reduktion von Verpackungsmüll, auch bei den Nahrungsmitteln. Andererseits sind Verpackungsmaterialien wichtig, etwa wenn damit die Haltbarkeit von Lebensmitteln für weite Transportwege gewährleistet wird. Ein weiteres Thema ist die Verwendung von Chemikalien in der Landwirtschaft. Deren Einsatz ist bis zu einem gewissen Grad notwendig, sollte aber reduziert werden. Hier bietet der Fokus auf den biologischen Anbau interessante Lösungsansätze.

 

Wie können Anleger sich die Umsetzung im Fonds vorstellen? Wie passen da etwa Ihre Top-Positionen hinein?

Die niederländische Royal DSM stellt Nahrungsmittelergänzungen wie etwa Vitamine her, auch für Tiere. Dadurch erhöht sich deren Produktivität, und der Einsatz von Antibiotika kann reduziert werden. Sealed Air stellt wiederum Verpackungsmaterialien her. Für viele Bäckereien ist frisches Brot kurz vor Kassenschluss ein Thema. Hier bietet Aryzta mit tiefgefrorenem Brot eine passende Lösung. Es wird nur dann aufgebacken, wenn die Nachfrage gegeben ist.

 

Hersteller von gentechnischem Saatgut werden im Fonds ausgeschlossen. Sehen Sie hier keine sinnvollen Lösungsansätze?

Der Ausschluss ist nicht auf ethische Gründe zurückzuführen. Das stärkste Wachstum verzeichnen die Hersteller in Nord- und Lateinamerika. Hier sind die Märkte aber schon sehr saturiert. In Europa gibt es große regulatorische Einschränkungen. Und in China möchte man ein eigenes gentechnisch verändertes Saatgut entwickeln. Es wird also schwieriger für diese Unternehmen, weiteres Wachstum zu generieren.

 

Auch bei Getränkeherstellern gehen Sie streng vor. Stammt mehr als 20 Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf von kohlensäurehaltigen Limonaden, kommt das Unternehmen nicht in Frage. Was bringt diese Einschränkung?

Das ist für uns kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Allein in den vergangenen drei Jahren ist in den USA der Konsum zurückgegangen. Jüngere Generationen steigen auf gesündere Getränke um, die oftmals mit gesunden Zusätzen ergänzt werden. Das ist für die Limonadenhersteller ein großes Risiko.

Selbst Saatguthändler wie Bunge oder Archer Daniels Midland schließen Sie aus. Allerdings brauchen Landwirte doch Händler, denen sie ihre Ernte verkaufen können.

Die Unternehmen handeln aber nicht nur mit Landwirten, sondern auch aus spekulativen Gründen. Das führte vor der Finanzkrise von 2007 zu starken Preisschüben, somit auch zu schweren Ausschreitungen in einigen Schwellenländern. Deshalb wollen wir zuerst feststellen, wie hoch der Eigenhandel ist. Und das ist gar nicht so einfach, da wir keine genauen Antworten von den Unternehmen bekommen.

 

Wie passt da der heimische Naturfaserhersteller Lenzing in den Fonds hinein?

Der Konzern stellt hochqualitative Textilien mit Naturfasern, somit ohne Baumwolle her. Gerade der Anbau von Baumwolle verbraucht enorm viel Trinkwasser sowie Pestizide. Auch ersetzen die Lenzingfasern jene, die aus fossilen Energieträgern erzeugt werden, etwa Polyester. Der Konzern agiert also sehr nachhaltig.

ZUR PERSON

Michael Landymore
ist leitender Portfoliomanager bei der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Impax Asset Management und verwaltet den Parvest Smart Food Fund der BNP Paribas IP. Seit 1982 berät Landymore Investoren und Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche. [ Archiv ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    "Genug Essen produziert, aber Verteilung ist mangelhaft"

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.