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Wiener Börse: Kleiner Markt schwer abgestraft

17.11.2011 | 18:31 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Den heimischen Leitindex hat die europäische Schuldenkrise schwer getroffen. Die Hälfte aller ATX-Titel notiert derzeit unter ihrem Buchwert. Anfang Juli erreichte er einen Stand von 2800 Zählern.

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Wien. Anfang Juli erreichte der heimische Leitindex ATX einen Stand von 2800 Zählern. Die Schuldenkrise in den europäischen Staaten und die daraus resultierenden Turbulenzen an den Finanzmärkten haben auch im Wiener Leitindex ihre Spuren hinterlassen. Dieser Tage notiert der ATX gerade einmal bei einem Stand von rund 1800 Punkten – und damit auf dem Niveau von April 2009.

Allein heuer hat der Wiener ATX 38Prozent seines Werts verloren. Seine Performance ist damit weitaus schwächer als die anderer europäischer Marktplätze. Das hat auch mit der Zusammensetzung zu tun. Schließlich stellen Finanztitel rund ein Fünftel aller ATX-Werte dar. „Der Chart hat immer recht“, sagt Erste-Bank-Analyst Christoph Schultes. Die derzeitigen Kurse an der Börse würden die Meinungen der Marktteilnehmer widerspiegeln. Doch weil der Kurs der Aktien im Vergleich zum Vorjahr niedriger und die Unternehmen zum Teil unter ihrem Buchwert, also ihrem Substanzwert, notieren, sind viele Analysten der Ansicht, dass nun ein guter Zeitpunkt wäre, um Aktien zu kaufen.

Doch wann ist der ATX fair bewertet, wann erscheint er unter- und wann überbewertet?

„Wenn man in den kommenden Jahren von einer Stagnation ausgeht, kann man sagen, dass der ATX halbwegs fair bewertet scheint“, sagt Günther Schmitt, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management. Wenn die Gewinne in den kommenden drei Jahren sinken, dann wäre das heutige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des ATX auch noch zu hoch, sagt Schmitt. Der Fondsmanager sieht das KGV des ATX heuer bei knapp unter zehn. Das bedeutet, dass der Kurs rund zehn Mal so hoch ist wie die geschätzten Gewinne.

(c) DiePresse

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Gewinne wohl kleiner als erwartet

Erste-Bank-Analyst Schultes sieht das etwas anders: Er sieht das KGV des heurigen Jahres bei 16. Das bedeutet, dass der Kurs 16 Mal so hoch ist wie die geschätzten Gewinne. Dies lässt eine relativ teure Bewertung vermuten. Der langjährige Schnitt liegt nämlich bei zwölf.

Für 2012 dürfte das KGV einen Wert von knapp über sieben erreichen. Das hat laut Schultes damit zu tun, dass in den Gewinnen (beziehungsweise Verlusten) des Jahres 2011 zahlreiche negative Einmaleffekte vorhanden sind, die diese Kennzahl verzerren. Bezogen auf 2012 sei ein KGV von knapp unter sieben daher „ausgesprochen günstig“. Selbst die zu erwartenden negativen Gewinnrevisionen von Analysten würden an einer günstigen Bewertung nichts ändern. Für das Jahr 2012 errechnet sich daher umgekehrt eine Gewinnrendite von 14Prozent. Das wäre deutlich mehr, als Anleger auf dem Sparbuch bekommen.

Direktbanken bieten Sparern zwei Prozent Zinsen. Abzüglich der Inflation bedeutet das aber einen realen Kaufkraftverlust. Sieht man sich österreichische Staatsanleihen an, beträgt die Rendite derzeit zwar rund 3,5Prozent. Anleger, die ihre Anleihen nicht bis zum Ende halten und vorzeitig verkaufen, müssen derzeit häufig Kursverluste hinnehmen. Aber: Die Aktionäre bekommen die Verzinsung des ATX von 14Prozent nicht bar auf die Hand ausbezahlt, sondern nur die wesentlich geringere Dividende. Hinzu kommt das Risiko schwankender Aktienkurse, das man als Anleger derzeit über die Maßen in Kauf nehmen muss.

Neben dem Kurs-Gewinn-Verhältnis ist auch der Buchwert eine von Analysten gern genannte Kennzahl. Im Wiener Leitindex notieren derzeit beispielsweise zehn Titel unter ihrem Buchwert, sagt Schultes. Dazu zählen Immobilienpapiere, Bankaktien oder Baustofffirmen.

 

Unter Buchwert

„Langfristig hat sich gezeigt, dass ein Einstieg unter dem Buchwert durchaus sinnvoll ist“, sagt Schultes. „Kurzfristig muss man aber aufpassen.“ An den Börsen kann es nämlich noch weiter bergab gehen.

Das langjährige Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) liegt laut Fondsmanager Günther Schmitt zwischen 1,5 und zwei. Hier wird der Aktienkurs in Relation zum Buchwert der Papiere gesetzt. Eine faire Bewertung wäre wahrscheinlich dann erreicht, wenn der Buchwert in Richtung 1,5 kletterte, sagt Schmitt.

Was Sie beachten sollten bei... Aktien

Tipp 1

Investieren oder warten? Anleger sollten angesichts der hohen Volatilitäten an den Börsen mit dem Kauf von Aktien noch etwas zuwarten, bis sich die Lage auf den Märkten wieder beruhigt hat. Wer mutig ist, kann natürlich auch zocken und – im Glücksfall – schöne Gewinne einstreifen. Besonders jetzt, da die Börse zu starken Ausschlägen neigt.

Tipp 2

Limit. Wer Angst hat, dass die Kurse in den Keller fallen, kann sich mit sogenannten Stop-Loss-Orders schützen. Anleger haben dabei die Möglichkeit, eine automatische Verkaufsorder einzuziehen, wenn der Kurs unter einen bestimmten Wert fällt. Auch kann man auf diese Weise automatisch einsteigen, wenn der Kurs einen Grenzwert erreicht.

Tipp 3

Konjunktur. Wer der Ansicht ist, dass es an der Börsen in den kommenden Monaten noch weiter bergab geht, sollte eher zu defensiveren Titeln greifen. Sie sind in geringerem Ausmaß von der Konjunktur abhängig, steigen bei einem Wirtschaftsaufschwung dafür aber weniger stark an als zyklische Titel (Industriewerte).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2011)

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2 Kommentare
Gast: trader1
18.11.2011 11:50
0 0

nebenbei ..

.. wenn alle angst haben, und die papierln los werden wollen, hilft man ihnen halt und kauft sie ihnen ab ..
und wenn sie dann unbedingt wieder die gleichen papierln viel teurer wieder kaufen wollen als sie sie damals verkauft haben, dann verkauft man sie ihnen halt wieder ..

so ist eben allen geholfen

.. und weil die leute immer so freundlich sind... ein kleiner tip .. VERBUND
.. warum verbund ? .. weil kaprun nichts anderes wie eine batterie ist, und man solche grosse batterien halt nur in österreich und der schweiz bauen kann :-)

Gast: 1. Parteiloser
18.11.2011 08:32
0 0

Der ATX ist zum Teil doch nur eine Parteibonzenparade!

Von den 20 gelisteten Unternehmen sind folgende unter dem Einfluss der Parteibonzen und werden auch so geführt. So geführt, dass es einerseits den Parteieninteressen dient, andererseits auch den grausigen Posterl - und Amterlschacher dient.

Erste
EVN
Post
OMV
RBI
Strabag
Telekom
Verbund
VIG
Voest

Ja, auch die Voest irgendwie noch, wenn man sich die wesentlichen Eigentümer anschaut. Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (15%), Mitarbeiterbeteiligung (13.3%), Oberbank AG (5%).

Einige Unternehmen können überhaupt nur durch die Marktmacht überleben, welche das schlechte Wirtschaften kompensiert.

Es ist nicht nur der Börsenplatz, welcher für die schlechte Entwicklung verantwortlich ist, es sind vor allem die Unternehmen. Der Vergleich mit der Entwicklung des DAX macht das auch deutlich.

ATX 3 Monate:....-18%
ATX 1 Jahr:........-32%
ATX 5 Jahre:......-60%

DAX 3 Monate:.+2%
DAX 1 Jahre:...-13%
DAX 5 Jahre:...-10%

Die Ö Regierung macht dann dazu auch noch alles um die Wirtschaft in Ö zu schwächen, weil eben eine kranke Staatlichkeit finanziert werden muss. Wenn eine Staatlichkeit Ruhegenüsse bis über 100.000.- Euro pro Jahr unter Soziales bucht, die Finanzierung über Zwangsabgaben sicherstellt, dann muss die Staatlichkeit real erbrachte Leistungen bestrafen. Das geht doch gar nicht anders.

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