Wien/Ker. Auf den ersten Blick sieht das nach einem sehr attraktiven Angebot aus: 3,5 Prozent Zinsen für ein Sparbuch mit einer einjähriger Laufzeit. Wenn man 7000 Euro auf das Sparbuch legt, erhält man nach einem Jahr und dem Abzug der Kapitalertragsteuer rund 7180 Euro. Die Inflation könnte dann in diesem Jahr bei 2,6 Prozent gelegen sein, ohne dass sich der reale Wert der 7000 Euro verringert hätte.
Dieses Angebot gibt es derzeit bei der Erste Bank („sKapital Sparen Select“), und es übertrifft sogar die Offerte der Direktbanken deutlich. Dort bekommt der Anleger nur rund 2,75 Prozent Zinsen.
Die Sache hat aber einen kleinen Haken: Um dieses Sparbuch zu bekommen, müssen Anleger noch ein weiteres Produkt der Erste Bank kaufen. Neuerdings ist auch eine Kombination mit einem Bausparvertrag möglich. Das sieht dann so aus: Man kann in das 3,5-Prozent-Sparbuch nur so viel einzahlen, wie man auch bereit ist, für das Bausparen einzuzahlen.
Ein Beispiel: Ein Kunde will jährlich 1200 Euro auf das Bausparkonto einzahlen; nach sechs Jahren kommt er dann auf eine Sparleistung von 7200 Euro. Das heißt, er kann auch 7200 Euro auf das einjährige Sparbuch mit 3,5 Prozent Zinsen legen.
Keine Frage, das Sparbuch ist ein gutes Angebot. Aber zahlt sich der Bausparvertrag auch aus?
Im ersten Jahr bekommt man bei der sBausparkasse drei Prozent an Zinsen, einen Zinsbonus und die steuerfreie staatliche Prämie von derzeit drei Prozent oder maximal 36 Euro. Der Zinsertrag nach dem ersten Jahr macht satte 77Euro aus (nach Abzug von Steuern und Kontospesen). Auf dem Bausparkonto liegen somit 1277 Euro. Dieses Geld soll nun in den folgenden fünf Jahren weiter verzinst werden. Man zahlt also weiterhin jährlich 1200 Euro ein. Mit den Bausparzinsen schaut es in den Folgejahren aber nicht mehr so rosig aus. Sie hängen nämlich von bestimmten Marktzinsen ab.
Bausparer an Zinssätze gebunden
Variable Sparbücher oder Bausparer sind an bestimmte Zinssätze gebunden. Im Fall der sBausparkasse ist der variable Bausparvertrag („Plus Bausparen“) an den sogenannten „Euro-Zinsswap-Satz 3 Jahre“ gebunden. Das ist ein Zinssatz auf dem Geldmarkt, zu dem sich Banken untereinander Geld zu bestimmten Laufzeiten leihen. Im Sommer stürzte dieser Zinssatz deutlich ab und dümpelt seither auf einem Niveau von rund 1,6 Prozent.
Wie leitet sich nun der jährliche Zins für das Bausparkonto ab? An gewissen Tagen im August, September und Oktober zieht die sBausparkasse die jeweiligen Zinssätze heran, errechnet daraus den Durchschnitt und zieht davon 1,25 Prozentpunkte ab. Das führt nun dazu, dass die Verzinsung der Bausparer im nächsten Jahr bei nur einem Prozent liegen wird. Es könnte durchaus passieren, dass die Zinssätze auch zwei Jahre lang auf diesem Niveau bleiben.
Weiterhin niedrige Zinsen
In den angeführten Beispielen der Bank geht man allerdings davon aus, dass die Zinsen etwas steigen. Folglich würde man 2,5 Prozent und im letzten Jahr drei Prozent Zinsen erhalten. Am Ende der Laufzeit haben Anleger rund 7860 Euro auf dem Bausparkonto, bei 7200 Euro an Einzahlungen.
Fazit: Wenn man jedes Jahr 1200 Euro auf ein Sparbuch legt, müsste man jährlich rund 2,8 Prozent Zinsen erhalten, um auf den gleichen Betrag wie beim Bausparkonto zu kommen. Von solchen Zinsen ist man – vor allem bei den Filialbanken – derzeit aber weit entfernt. Dass die Europäische Zentralbank den Leitzinssatz noch weiter senkt, ist zum heutigen Zeitpunkt wahrscheinlich. Das heißt, Sparer werden sich auch in nächster Zeit mit geringen Zinssätzen begnügen müssen.
Allerdings sollten sich Sparer vergewissern, ob sie sich die jährlichen Beiträge für ihren Bausparvertrag auch leisten können. Einen Bausparvertrag zu kündigen ist ziemlich teuer: Die Zinsen werden rückwirkend halbiert. Außerdem gibt es eine „Strafgebühr“, die staatlichen Prämien fallen ebenso weg. Unter Umständen kann der Vertrag aber ruhend gestellt werden (etwa bei Karenz), ohne Strafgebühren bezahlen zu müssen.
Tipp 1
Zinsen. Bei einem Sparbuch der Erste Bank (ein Jahr gebunden) bekommt man 3,5 Prozent Zinsen. Die Inflation könnte im kommenden Jahr somit bei 2,6 liegen, ohne dass sich der reale Wert des Geldes nach Abzug der Steuer verringert. Aber: Dieses Sparbuch gibt es nur in Kombination, etwa mit einem Bausparvertrag.
Tipp 2
Bausparvertrag. Die Aussichten für Bausparverträge sind derzeit nicht gerade rosig. Zwar bekommt man im ersten Jahr einen hohen Fixzinssatz, danach ist die Verzinsung aber variabel. Der aktuelle Zinssatz beim Bausparen liegt bei nur einem Prozent jährlich. Das könnte auch weiterhin so bleiben.
Tipp 3
Profit. Beim sBausparen zahlt man in den nächsten sechs Jahren 1200 Euro ein, am Ende bekommt man (nach Steuer, staatlicher Prämie und Spesen) rund 7860 Euro. Wenn man jährlich 1200 Euro auf ein Sparbuch legt, müsste die Verzinsung rund 2,8 Prozent pro Jahr betragen, um so viel Geld wie beim Bausparen zu erhalten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2011)
MietübersichtAlle 23 Bezirke
Psychologie in der GeldanlageEXPERTENTIPP von von Andreas Lassner, Geschäftsführer der KEPLER-FONDS KAG
Geldanlage verständlich gemacht
SemperitNischenprodukte mit Potential

