Immoaktien: Große Firmen gefragt

27.03.2012 | 18:16 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Nach den Bank- und Industrietiteln geraten nun die Immobilienaktien ins Visier der Investoren. Anleger sollten sich aber nicht unbedingt nur in Österreich umsehen.

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Wien. Immobilienaktien zählen bis dato nicht gerade zu den Senkrechtstartern des Jahres. Während der heimische Leitindex ATX seit Jahresbeginn um 17 Prozent zugelegt hat, schaffte der Immobilien-ATX (er spiegelt die Wertentwicklung von Immofinanz, CA Immo, Conwert, S-Immo und Warimpex wider) nur ein Plus von acht Prozent. Doch im März hat sich die Lücke deutlich geschlossen. Während die allgemeinen Börsenindizes eher einen Seitwärtsgang einlegten, holten die Immobilienaktien auf. Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa.

Nachdem Bankaktien und Industrietitel (sogenannte „zyklische“ Werte) gut gelaufen sind, würden sich die Anleger nun nach einem neuen Ziel umsehen, stellt Alfred Reisenberger von der Wiener Privatbank fest. Und zu Immobilienaktien greifen.

Dafür spricht der noch relativ günstige Preis. Zum einen haben die Immopapiere gegenüber anderen Branchen Nachholbedarf, zum anderen kosten sie an der Börse meist deutlich weniger als den Nettovermögenswert (NAV), also ihren Vermögenswert abzüglich Schulden pro Aktie.

 

„Liquide“ Titel gefragt

Ob das eine Kaufempfehlung darstellt, ist umstritten: Einige Experten meinen, dass der niedrige Preis wegen der relativ geringen Eigenkapitalrendite der Immobilienfirmen angemessen ist. Reisenberger hält dem entgegen, dass auch der NAV häufig zu vorsichtig angesetzt sei– bei Verkäufen von Immobilien erhalten die Unternehmen oft einen deutlich höheren Preis.

In Österreich ist dieser „Rabatt“ besonders hoch. Das hat jedoch einen Grund: Die Anleger legten vor allem Wert auf eine hohe Liquidität (das bedeutet, dass die Papiere häufig gehandelt werden, was die Preise stabil hält). Die Investoren geben also großen Unternehmen den Vorzug.

Zweites Kriterium ist die Ausrichtung der Firmen: Solche, die sich auf Wohnungen oder Einzelhandel spezialisiert haben, sind gefragter als solche, die stark im Bürogeschäft tätig sind. „Büros sind momentan nicht so sexy“, sagt Reisenberger. Das Geschäft ist stärker von Konjunkturschwankungen abhängig als das Wohn- oder Einzelhandelsgeschäft. Das kann sich auch wieder ändern– kurzfristig sehe es aber nicht danach aus.

Am besten gefallen Reisenberger die Deutsche Wohnen (ISIN: DE000A0HN5C6), die Vastned (ein holländischer Einzelhandelsspezialist, NL0000288918), die Unibail-Rodamco (Einzelhandel, FR0000124711) und die TAG Immobilien (eine deutsche Firma, die in Wohn- und Gewerbeimmobilien investiert, DE0008303504). In Österreich betraf die Erholung vor allem die Aktie der Immofinanz. Diese legte seit Jahresbeginn um ein Fünftel zu. Erste-Analystin Martina Valenta sieht den Grund darin, dass es sich um den größten und liquidesten Wert handelt und dass das Papier auch die höchste Dividendenrendite unter den heimischen Immobilienaktien bietet.

 

Heimische Werte noch schwach

Noch stärker entwickelte sich nur das Papier des Hotelentwicklers Warimpex mit einem Plus von fast 30 Prozent– im Vorjahr war die Aktie aber steil abgestürzt.

Die restlichen Immobilienaktien erfreuen sich noch nicht so reger Nachfrage: Die auf Einzelhandelsflächen spezialisierte Atrium sowie die CA Immo schafften seit Jahresbeginn ein kleines Plus, S-Immo und Conwert liegen leicht im Minus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2012)

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2 Kommentare

von wegen - die immo-blase ist im deutschen sprachraum noch nicht geplatzt

saemtliche einfamilienhaeuser & gewerbe-immos sind derzeit massiv ueberteuert - in firmen zu investieren, die in immobilien investieren, ist ebenso toerricht wie fuer ein 2-schlafzimmer haus 1 million euro zu zahlen.
wenn die immo-blase platzt, gibts immofinanzaktien um 20 cent, nicht 2 euro (wieder einmal, ...)

Antworten Gast: cdo
28.03.2012 08:44
0 0

Re: von wegen - die immo-blase ist im deutschen sprachraum noch nicht geplatzt

ihrer meinung, die frage ist bloß ob die immopreise (auch real) nicht noch einige zeit ansteigen, bevor der euro entweder "gerettet" (sinnvolle gesetzliche grundlagen geschaffen sind) oder wir wieder eine nationale währung bekommen

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