Pharmaaktien, die Medizin fürs Depot

01.05.2012 | 18:34 |  von Nicole Stern (Die Presse)

Die Pharmabranche ist auf der Suche nach neuen Produkten. Einige Firmen haben bessere Aussichten auf Erfolgsmedikamente als die Konkurrenz. Erfolgreiche Forschung wird von den Aktionären belohnt.

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Wien. Die großen Pharmakonzerne haben dieser Tage nach und nach ihre Bilanzen für das erste Quartal gelegt. Die Ergebnisse fielen dabei durchaus gemischt aus. Während die britische GlaxoSmithKline ihren Umsatz zum Jahresauftakt lediglich um ein Prozent auf 6,6 Mrd. Pfund steigern konnte, legte der Erlös des Bayer-Konzerns um knapp sieben Prozent zu.

Wer in Pharmaaktien zu investieren gedenkt, muss sich vor Augen halten, dass die Titel zu den defensiven Werten zählen. Das heißt, dass die Firmen von Wirtschaftsabschwüngen weit weniger stark betroffen sind, aber dafür im Aufschwung weniger anziehen. Wer der Überzeugung ist, dass sich über den Kapitalmärkten ein Sturm zusammenbraut, könnte in diesem Sektor also gut aufgehoben sein. Dennoch gibt es Pharmaunternehmen, die auch ein Stück weit zyklisch agieren. Die Papiere von Bayer (ISIN: DE000BAY0017) zählen hier dazu. Die Aktie des Unternehmens hat in diesem Jahr zwar um rund zehn Prozent an Wert gewonnen, war jedoch starken Schwankungen unterworfen.

„Das Problem bei der Bayer-Aktie ist, dass sie auch in den Chemiebereich eingeordnet wird. Da das Segment stärker konjunkturabhängig ist, wirkt sich das auf den Kurs aus“, sagt Ulrich Huwald von Warburg Research. Im Pharmabereich – das Geschäftsfeld macht knapp die Hälfte des Bayer-Umsatzes aus– sei die Firma gut aufgestellt und verfüge über eine starke Pipeline. Produkte wie das Schlaganfallpräparat Xarelto hätten „Blockbusterpotenzial“. Das bedeutet, dass sie jährlich mehr als eine Mrd. Dollar einspielen können. Anders sehe die Sache bei der Darmstädter Merck (DE0006599905) aus, erklärt Huwald. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit einige Rückschläge in der Forschung zu verkraften – und ausreichend Nachschub fehlt. Für den Analysten ist das Papier daher relativ teuer. Den Kursanstieg sieht der Analyst in der Fantasie der Anleger begründet, die darauf hofften, dass die Restrukturierung des Konzerns klappt. „Auch sehen wir in der Aktie Vorschusslorbeeren an das neue Management eingepreist.“

 

Neue Produkte gesucht

Prinzipiell befindet sich die Branche seit Jahren im Umbruch, auch weil in der Vergangenheit zahlreiche Patente abgelaufen sind. Der Kostendruck in den Gesundheitssystemen führt zu niedrigen Preisen für Arzneimittel. Viele Firmen haben daher Übernahmen gestemmt, um an neue Produkte zu kommen. Auch Kosteneinsparungen wurden vielerorts durchgeführt. „Aber“, so Huwald, „man muss sich ansehen, woher das Wachstum bei Pharmaunternehmen kommt. Entweder aus Kosteneinsparungen oder durch neue Medikamente. Letzteres ist mir lieber.“

Dennoch: Pharmaaktien sind durchaus attraktiv, wie Norbert Janisch, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management, findet. Viele Firmen würden schöne Dividenden zahlen. Die Dividendenrendite liegt laut Harald Kober von der Erste Sparinvest bei großen Pharmaunternehmen zwischen deutlich über drei und 6,5 Prozent. Die Firmen würden zwar keine starken, dafür aber positive Wachstumsraten vorweisen.

Für Elmar Kraus von der DZ Bank sind derzeit einige Pharma-Aktien attraktiv. Roche (CH0012032048) habe beispielsweise eine herausragende Position im Bereich der Krebsmedizin eingenommen. Die Marktposition des Konzerns sei stark und dürfte auch in absehbarer Zeit nicht angegriffen werden. Dass der Schweizer Novartis-Konzern (CH0012005267) breit aufgestellt ist, sei ein Vorteil, sagt Kraus, zugleich aber auch eine Bürde. Lasse ein Bereich nach, könnten die anderen Segmente Rückgänge aber ausgleichen.

Bei der Aktie des britischen Konzerns Astra-Zeneca (GB0009895292) erwarte der Markt nicht viel, daher gehe von ihr Überraschungspotenzial aus. Der Konzern hat, wie viele andere auch, mit Patentabläufen zu kämpfen, könnte seine Pipeline mittel- bis längerfristig jedoch wieder mit neuen Medikamenten füllen. Die Aktie könne also durchaus „nach oben laufen“.

Wem die Pharmabranche zu „langweilig“ ist, der kann auch zu Biotech-Aktien greifen. Aber „Biotech ist nicht gleich Biotech“, sagt Noushin Irani von DWS-Investments. „Es gibt Firmen, die noch unprofitabel sind und sich auf die Entwicklung eines einzigen Pipeline-Produktes fokussieren, und andere etablierte Unternehmen mit sicheren Cashflows wie Gilead oder ehemals Genzyme.“ Der Anleger sollte in diesem Sektor aber eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen, sagt Irani.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2012)

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