Gold: Jetzt gegen den Markt wetten?

02.05.2012 | 18:13 |   (Die Presse)

Die Anteilscheine von Goldproduzenten sind mit dem Preis des Edelmetalls zuletzt stark unter Druck geraten. Für antizyklische Anleger ergibt das eine interessante Situation.

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Wien/Ker/Red. In den vergangenen Monaten ist es mit dem Goldpreis leicht bergab gegangen. Das soll aber nicht über die Erfolgsgeschichte von Gold hinwegtäuschen. Denn in den vergangenen zehn Jahren ist der Preis für das Edelmetall um rund 400 Prozent auf aktuell 1650 Dollar gestiegen. Seit 2007 hat sich Gold um 150 Prozent verteuert, während viele andere Anlageklassen seither im Minus liegen. Augenscheinlich ist aber auch, dass die Aktien von Goldproduzenten nicht so stark von der „Goldgräberstimmung“ profitieren konnten.

Das verdeutlicht etwa der wichtige „Philadelphia Gold und Silber Index“ (XAU-Index). Dieser bildet die Entwicklung von 16 wichtigen Gold- und Silberproduzenten (ISIN: US6933271081) ab. Der Index notiert heute auf fast dem gleichen Wert wie im Sommer 2008.

Der „NYSE Arca Gold BUGS Index“ (HUI-Index) spiegelt die Entwicklung von 15 der größten Goldproduktionsfirmen wider. Der Index (ISIN: XC0009699965) konnte in den vergangenen fünf Jahren zumindest um mehr als 25 Prozent zulegen. Im Vergleich zum Goldpreis ist das aber auch eher bescheiden.

Das ergibt nun folgende Konstellation: Der Goldpreis schoss in die Höhe, während die Goldminen-Aktien teilweise stagnierten. Werden die Goldaktien ansteigen? Und was, wenn der Goldpreis unter Druck gerät? Das konnte man in den vergangenen Monaten gut beobachten. Der Edelmetallpreis ging in den vergangenen zwei Monaten um sechs Prozent zurück. Zeitgleich fiel auch der XAU-Index um fast 20 Prozent ab.

 

Goldaktien sind unterbewertet

Soll man also strikt die Finger von Goldminen-Aktien lassen? Nicht, wenn man Antizykliker ist. Also ein Anleger, der gegen den Markt wettet. Denn für diese Anleger könnte die aktuelle Situation sehr attraktiv sein. Der Goldpreis ging zuletzt zurück. Wie gesagt verloren die Goldproduzenten noch viel deutlicher an Wert. In diesem Umfeld kommen auch die Gewinnspannen der Goldproduzenten unter Druck. Experten verweisen darauf, dass der Goldpreis deutlich weniger abnahm, als vorher befürchtet worden war. Die Goldminen könnten daher künftig ordentliche Gewinne liefern. Das sei in den Kursen der Goldaktien derzeit aber nicht eingepreist, sagt der Schweizer Starinvestor Marc Faber. Er glaubt, dass Goldaktien überverkauft seien.

Darauf setzen auch die antizyklischen Investoren. Fundamental gibt es ein gutes Argument für Goldaktien: Sie sind tatsächlich stark unterbewertet, zumindest relativ zum Goldpreis. Das zeigt etwa die Abweichung zwischen dem HUI-Index (der die größten Goldproduzenten misst) und dem Goldpreis. Zuletzt war die Differenz so groß wie zum Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008.

Eines ist aber auch klar: Ohne starke Impulse werden sich Goldaktien nicht signifikant nach oben bewegen. Diese Impulse könnte der Goldpreis liefern, wenn man auf historische Daten vertraut. Zuletzt hatten beim Gold die Pessimisten die Oberhand, wie der Bloomberg-Gold-Bulle/Bär-Indikator gemessen hat. Wenn so eine Konstellation in der Vergangenheit eintrat, ist der Goldpreis in den kommenden Wochen darauf prozentuell im Schnitt zweistellig gestiegen. Wenn das wieder eintrifft, könnten Goldaktien profitieren.

Für Anleger, die nicht auf Einzeltitel, wie jene von Newmont Mining, Yamana Gold oder Goldcorp Inc. setzen wollen, gibt es einfache Auswege. Etwa ein Zertifikat, dass den Index „NSYE-Arca-Gold-Bugs“ abbildet (ISIN: DE0006874803). Der Wert des Zertifikats hängt stark vom Goldpreis ab. Die im Zertifikat gelisteten Firmen verzichten auf Terminverkäufe ihrer Produktionen. Zuletzt ging der Wert des Zertifikats um 20 Prozent zurück. Vielleicht ist gerade das ein guter Einstiegszeitpunkt.

Was Sie beachten sollten bei... Goldminenaktien

Tipp 1

Antizyklisch. Die Aktienkurse der Goldproduzenten gingen viel deutlicher zurück als der Goldpreis. Experten glauben dennoch, dass Goldfirmen ordentliche Gewinne machen werden, die in den Kursen derzeit aber noch nicht abgebildet werden. Antizyklische Anleger wie Marc Faber setzen daher auf solche Aktien.

Tipp 2

Unterbewertet. Goldaktien sind derzeit stark unterbewertet, zumindest im Vergleich zum Goldpreis. Ein Indikator dafür: Die Differenz zwischen dem bekannten HUI-Index (bildet 15 der größten Goldproduktionsfirmen ab) und dem Goldpreis ist so groß wie zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 nicht mehr.

Tipp 3

Impulse. Zuletzt waren beim Gold die Pessimisten in der Überzahl. Das hat der „Bloomberg-Gold-Bulle/Bär-Indikator“ gemessen. Statistisch ist das ein guter Boden für eine künftige Goldrallye. In der Vergangenheit stieg der Goldpreis bei einer solchen Lage binnen Wochen im Durchschnitt prozentuell zweistellig an.

Tipp 4

Zertifikate. Wer nicht auf einzelne Goldaktien setzen will, kann mit Zertifikaten auf ganze Goldindizes setzen. Ein Zertifikat der Royal Bank of Scotland bildet den „NYSE Arca Gold Bugs Index“ (erfasst 15 der größten Goldproduzenten) ab. Zuletzt verlor das Zertifikat 20Prozent, da zeitgleich der Goldpreis zurückging.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2012)

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22 Kommentare
Gast: Tigerbaby
05.05.2012 19:01
0

Eines ist aber auch klar: Ohne starke Impulse werden sich Goldaktien nicht signifikant nach oben bewegen. Diese Impulse könnte der Goldpreis liefern

Dann doch gleich das Echte kaufen anstatt Indizes und Aktien.

Gast: homestake
03.05.2012 03:31
0

Antizykliker

Das ist ja keine Medienmeinung.
Die Presse bringt ja nur die Meinung von Marc Faber.
Goldminen sind schon rätselhaft?! Gut sie brauchen sehr viel Energie und der Ölpreis steigt.

Ich rate mal. In den 70er machten Goldminenaktien vielleicht zwischen 10-20% der weltweiten Gesamt-Aktienkapitalisierung aus.

Heute bringt man alle Welt-Goldminen (möglicherweise übertrieben) in einer einzigen Aktie (Apple) unter. Und da kann man die Chinesischen gleich mitnehmen. Die sind seit Neuestem der größte Goldproduzent.
Schon verrückt alles - wird jetzt aber zur Regel und das Normale zur Ausnahme.

Antworten Gast: Wanderer.
03.05.2012 10:01
0

Re: Antizykliker

Sind sie sich bewußt, was 10 -20% der weltweiten Aktienkapitaöisierung ausmachen?

Ich darf ihnen versichern, dass selbst 1-2% viel zu hoch gegriffen ist. Wenn es gut geht, waren und sind es 0,1-0,2 Promille.

wenn schon dann

greifbares gold, wer angst vor metallschwemme hat (oyu tolgoi mine mit 600 millionen tonnen reserve geht heuer in betrieb) baut numismatische komponente ein. nachfrage aus wachsendem asien ist solide, dort weiss man seit jahrtausenden wie man werte schuetzt. wer sichs nicht leisten kann kauft silber (physikalisch, nicht aktien), die spitzeninvestitionskategorie des letzten finanzjahrs.
es stimmt dass man gold nicht essen kann, doch man sollte nach zimbabwe sehen wo die menschen waehrend der hyperinflation goldreste aus den bergwerksabfaellen gekratzt haben fuer brot. daher bunkert man das, was man in einer krise nicht oder nur fuer viel gold bekommt schon jetzt, sowie munition gegen die zombies.

Antworten Gast: Halbwissen
03.05.2012 07:43
1

Re: wenn schon dann

Eine Spitzeninvestition waren im vergangenem Jahr Aktien von Faustfeuerwaffen wie Sturm&Ruger oder S&W ( 100 bis 150 Prozent )!
Mit Silber hat man doch Geld verloren ( minus 20 Prozent )!

Alle schreiben das man sein Eigentum beschützen muss, also brauchen diese Leute Waffen. Sollte doch logisch sein.

Antizykliker tun in der Regel das Gegenteil

was Medien wie z.B. die Presse, vorschlagen.

Die Stimmung bei diesen Aktien ist in der Tat so schlecht wie es seit mehr als 10 Jahren nicht mehr der Fall war. Ich vermisse den Presse- Artikel: "Verkauft all eure Goldminenaktien!"
Gut, wer hat schon solche Aktien? Ich kenne kaum jemanden.

Die Stimmung könnte also durchaus noch schlechter werden, bevor es wieder nach oben geht.


Antworten Gast: Halbwissen
03.05.2012 08:14
0

Re: Antizykliker tun in der Regel das Gegenteil

Ein Freund von mir hatte beim ersten Goldpreisanstieg ( so zirka vor 8 Jahren ) Aktien von Creosus Mining ( Australien ) erworben.
Da die Mine den Goldpreis den höheren Goldpreis in Folge abgesicherte, also nicht mit einem noch höheren Preis rechnete, ging sie in Konkurs.

nur gold & silber sind geld

der rest ist kredit

Antworten Gast: Halbwissen
02.05.2012 22:19
2

Re: nur gold & silber sind geld

Das sind Metallklumpen !

Einmal billig, ein anderes mal teuer.
Je nach Laune der Marktteilnehmer.

Re: Re: nur gold & silber sind geld

Naja, Sie vertrauen ausschließlich dem Papier- Fiat- Geld. Ich könnte da nicht so gut schlafen.

Schon mal etwas davon gehört, dass die Geldmengen immer stärker ausgeweitet werden, um die Schulden zu entwerten?
Nicht vergessen, dabei werden auch die Ersparnisse entwertet.


Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
03.05.2012 07:32
0

Re: Re: Re: nur gold & silber sind geld

Ich sehe Geld nicht als Wertaufbewahrungsmittel !

Geld ist nur ein Tauschmittel.
Höchstens wenn man die Zinsen selbst bestimmen kann, taugt es einigermaßen über kürzere Zeiträume als Sammelbox. Aber wer außer Buffett oder Carlos Slim kann das schon.


Re: Re: Re: Re: nur gold & silber sind geld

"wertaufbewahrung" ist eine grundfunktion des geldes.
sonst koennte man als reines tauschmittel auch aepfel und bananen verwenden. da waere ein schwundeffekt schon eingebaut, weil nach wenigen tagen bei bananen und wenigen wochen bei aepfel (kommt auf die lagerung an) werden diese aufgrund der natuerlichen reifung nicht mehr als tauschmittel akzeptiert werden.

der zins hat etwas zu tun mit der gegenwartspraeferenz. jeder ist dazu geneigt, die kaufkraft des ihm zur verfuegenstehenden geldes sofort zu "aktivieren". diese praeferenz "man moechte es lieber gleich" nennt man zeitpraeferenz. wenn jedoch ein entsprechender "incentive" zur verfuegung steht (zins) sind manche leute geneigt konsumverzicht zu ueben und ihr geld gegen zins jemand anderen zur verfuegung zu stellen.

leider wird dieser mechanismus (geldangebot & geldnachfrage) durch die zentralbanken manipuliert, die einen kuenstlich niedrigen zins (planwirtschaft) ueber den gesamten waehrungsraum festlegen (leitzins), der das gleichgewicht stoert.

in einem voellig freien markt, wuerde niemand geld herborgen zu einem zins von 2%, wenn die geldmaenge jaehrlich um 20% ausgeweitet wird und kein staat koennte sich um "nur" 5% zins verschulden, weil die marktteilnehmer einen wesentlich hoeheren zins fordern wuerden, um das risiko abzudecken, was die staatsverschuldung insgesamt unattraktiver machen wurde.

fazit:

zins = preis des kredits

geld ohne wertaufbewahrungsfunktion verliert hat seien existensberechtigung verloren

Antworten Antworten Antworten Gast: Mass Defect
03.05.2012 01:22
2

Re: Re: Re: nur gold & silber sind geld

Nur haben sich die von ihnen geschmähten Metallklumpen weit über 2000 Jahre gehalten, durch jedes zivilisierte Volk weltweit.

Ich bin aber sicher ein Finanzgenie wie sie vertraut voll auf Papiergeld und Banken und hat daher doch bestimmt keine Edelmetallreserven.

Re: Re: nur gold & silber sind geld

die metallklumpen werden seit jahrtausenden von menschen als geld eingesetzt

das ist aus mehreren gruenden der fall:
a) gold & silber ist nur begrenzt vorhanden und laesst sich nicht "drucken"
b) gold & silber ist universell akzeptiert und sie koennen es in jedem land der welt verwenden
c) es ist haltbar ueber jahrtausende
d) es ist anonym & leicht transportabel (zumindest bei gold, da die wertdicht relativ hoch ist)

im letzten jahrhundert hat es im deutschen sprachgebiet 6 waehrungsreformen gegeben -wissen sie, wieviel dabei das volk verloren hat? und zwar jedes mal!

wenn sie eine goldmuenze aus dem meer herausfischen, die 500 jahre alt ist, wird diese immer noch einen wert haben, wenn sie papiergeld herausfischen, ist diese bereits verrottet oder die waehrung gibt es nicht mehr.

fiat-geld ist bis jetzt immer gescheitert, weil es ein anbieter monopol gibt (ezb/fed) die damit ein "unbegrenztes" ausweiten der staatsschulden ermoeglichen.

bei einem goldstandard wird der staat auf natuerliche weise limitiert, wenn kein gold mehr zum verkauf vorhanden ist, muessen entweder die steuern erhoeht oder die ausgaben gesenkt werden. oder anleihen emittiert werden mit einem "marktkonformen" zins (zu 2% wuerde dem staat in einem freien markt niemals irgendwer geld borgen)

achja, habe noch was vergessen:
e) gold & silber kann nicht auf "kredit" geschaffen werden.

ich habe lieber meine elb-philharmonie zuhause anstelle von bunten papierfetzen

ein klumpenliebhaber

Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
03.05.2012 13:27
0

Re: Re: Re: nur gold & silber sind geld

Also wenn Ihr Gold transportabel ist, dann haben Sie nicht viel !
Dann brauchen Sie sich sowieso keine Sorgen über das Ganze machen, denn wenn Sie einmal ohne jegliches Einkommen sind werden Ihnen die paar Taler nicht alzu viel nützen.
Transportabel sind Diamanten, oder mit Abstrichen kleine Kunstwerke. Das ist aber schlecht handelbar.

Re: Re: Re: nur gold & silber sind geld

Ich denke, worauf Ihr Vorposter hinauswollte war nicht, dass Gold eine höhere Wertstabilität als Papiergeld hat. Das ist schon mittelfristig natürlich unbestritten.
Schon eher interessant ist der Gebrauchswert. Und da liegt Gold im Vergleich zu Papiergeld auch nicht so viel besser.
Alternativbeispiel: In einer Immobilie kann man auch wohnen.

Ich denke, das Wesentliche ist Diversifikation.

Re: Re: Re: Re: nur gold & silber sind geld

gold hat keinen "gebrauchswert"

ein hammer haette mehr gebrauchwert als gold, weil man damit naegel einschlagen kann um etwas zu bauen

es geht um die grund-definition, welche eigentschaften "geld" haen muss, um akzeptiert zu werden
wertaufbewahrung, tausch, universal einsetzbar, transportabel, anonym, etc.
geld an sich hat keinen gebrauchswert

Gast: Halbwissen
02.05.2012 20:32
2

Die Goldminenaktien sind unterbewertet, oder

das Gold überbewertet !

Die großen Spekulanten würden sich um die Minen reißen ( Contango ) wenn klar wäre das der Goldpreis weiter steigen würde.

Es kauft aber nur noch der kleine Mann der von Minen keine Ahnung hat; sonst würde er nicht von Gold sondern von Goldminen schwärmen da diese viel mehr Gewinn abwerfen würden.

Re: Die Goldminenaktien sind unterbewertet, oder

richtig, doch goldminen richtig zu bewerten (reserve, kosten, externe risiken) ist selbst fuer fachleute schwer.

Gast: nestbeschmutzer
02.05.2012 20:28
1

verkaufen

Jetzt verkaufen, den Gewinn mitnehmen, so viel Geld hat man noch nie für den Ramsch bekopmmen....

Re: verkaufen

richtig alles verkaufen und dann wirst du um eine 1/10 unze gekauft.*hahahahaha*für feldarbeit.

Gast: noch einer
02.05.2012 20:12
1

Manipulation

Der Goldpreis wird manipuliert .
Wo ist das österreichische Gold ?
Woher hat der IWF seine etwa
4000 tonnen Gold ?
Wird nur über den vielfach höheren Digitalgoldmarkt manipuliert
oder wird z.B. mit dem Gold des IWF
dem deutschen Gold in den USA ...
über Verkauf dieses Goldes manipuliert .

Lauter Spekulationen ,da die Hintergründe über den Goldverbleib und Goldhandel
im Dunklen gehalten werden .

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