Gold: Jetzt gegen den Markt wetten?

Die Anteilscheine von Goldproduzenten sind mit dem Preis des Edelmetalls zuletzt stark unter Druck geraten. Für antizyklische Anleger ergibt das eine interessante Situation.

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(c) REUTERS (YUSUF AHMAD)

Wien/Ker/Red. In den vergangenen Monaten ist es mit dem Goldpreis leicht bergab gegangen. Das soll aber nicht über die Erfolgsgeschichte von Gold hinwegtäuschen. Denn in den vergangenen zehn Jahren ist der Preis für das Edelmetall um rund 400 Prozent auf aktuell 1650 Dollar gestiegen. Seit 2007 hat sich Gold um 150 Prozent verteuert, während viele andere Anlageklassen seither im Minus liegen. Augenscheinlich ist aber auch, dass die Aktien von Goldproduzenten nicht so stark von der „Goldgräberstimmung“ profitieren konnten.

Das verdeutlicht etwa der wichtige „Philadelphia Gold und Silber Index“ (XAU-Index). Dieser bildet die Entwicklung von 16 wichtigen Gold- und Silberproduzenten (ISIN: US6933271081) ab. Der Index notiert heute auf fast dem gleichen Wert wie im Sommer 2008.

Der „NYSE Arca Gold BUGS Index“ (HUI-Index) spiegelt die Entwicklung von 15 der größten Goldproduktionsfirmen wider. Der Index (ISIN: XC0009699965) konnte in den vergangenen fünf Jahren zumindest um mehr als 25 Prozent zulegen. Im Vergleich zum Goldpreis ist das aber auch eher bescheiden.

Das ergibt nun folgende Konstellation: Der Goldpreis schoss in die Höhe, während die Goldminen-Aktien teilweise stagnierten. Werden die Goldaktien ansteigen? Und was, wenn der Goldpreis unter Druck gerät? Das konnte man in den vergangenen Monaten gut beobachten. Der Edelmetallpreis ging in den vergangenen zwei Monaten um sechs Prozent zurück. Zeitgleich fiel auch der XAU-Index um fast 20 Prozent ab.

 

Goldaktien sind unterbewertet

Soll man also strikt die Finger von Goldminen-Aktien lassen? Nicht, wenn man Antizykliker ist. Also ein Anleger, der gegen den Markt wettet. Denn für diese Anleger könnte die aktuelle Situation sehr attraktiv sein. Der Goldpreis ging zuletzt zurück. Wie gesagt verloren die Goldproduzenten noch viel deutlicher an Wert. In diesem Umfeld kommen auch die Gewinnspannen der Goldproduzenten unter Druck. Experten verweisen darauf, dass der Goldpreis deutlich weniger abnahm, als vorher befürchtet worden war. Die Goldminen könnten daher künftig ordentliche Gewinne liefern. Das sei in den Kursen der Goldaktien derzeit aber nicht eingepreist, sagt der Schweizer Starinvestor Marc Faber. Er glaubt, dass Goldaktien überverkauft seien.

Darauf setzen auch die antizyklischen Investoren. Fundamental gibt es ein gutes Argument für Goldaktien: Sie sind tatsächlich stark unterbewertet, zumindest relativ zum Goldpreis. Das zeigt etwa die Abweichung zwischen dem HUI-Index (der die größten Goldproduzenten misst) und dem Goldpreis. Zuletzt war die Differenz so groß wie zum Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008.

Eines ist aber auch klar: Ohne starke Impulse werden sich Goldaktien nicht signifikant nach oben bewegen. Diese Impulse könnte der Goldpreis liefern, wenn man auf historische Daten vertraut. Zuletzt hatten beim Gold die Pessimisten die Oberhand, wie der Bloomberg-Gold-Bulle/Bär-Indikator gemessen hat. Wenn so eine Konstellation in der Vergangenheit eintrat, ist der Goldpreis in den kommenden Wochen darauf prozentuell im Schnitt zweistellig gestiegen. Wenn das wieder eintrifft, könnten Goldaktien profitieren.

Für Anleger, die nicht auf Einzeltitel, wie jene von Newmont Mining, Yamana Gold oder Goldcorp Inc. setzen wollen, gibt es einfache Auswege. Etwa ein Zertifikat, dass den Index „NSYE-Arca-Gold-Bugs“ abbildet (ISIN: DE0006874803). Der Wert des Zertifikats hängt stark vom Goldpreis ab. Die im Zertifikat gelisteten Firmen verzichten auf Terminverkäufe ihrer Produktionen. Zuletzt ging der Wert des Zertifikats um 20 Prozent zurück. Vielleicht ist gerade das ein guter Einstiegszeitpunkt.

Was Sie beachten sollten bei... Goldminenaktien

Tipp 1

Antizyklisch. Die Aktienkurse der Goldproduzenten gingen viel deutlicher zurück als der Goldpreis. Experten glauben dennoch, dass Goldfirmen ordentliche Gewinne machen werden, die in den Kursen derzeit aber noch nicht abgebildet werden. Antizyklische Anleger wie Marc Faber setzen daher auf solche Aktien.

Tipp 2

Unterbewertet. Goldaktien sind derzeit stark unterbewertet, zumindest im Vergleich zum Goldpreis. Ein Indikator dafür: Die Differenz zwischen dem bekannten HUI-Index (bildet 15 der größten Goldproduktionsfirmen ab) und dem Goldpreis ist so groß wie zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 nicht mehr.

Tipp 3

Impulse. Zuletzt waren beim Gold die Pessimisten in der Überzahl. Das hat der „Bloomberg-Gold-Bulle/Bär-Indikator“ gemessen. Statistisch ist das ein guter Boden für eine künftige Goldrallye. In der Vergangenheit stieg der Goldpreis bei einer solchen Lage binnen Wochen im Durchschnitt prozentuell zweistellig an.

Tipp 4

Zertifikate. Wer nicht auf einzelne Goldaktien setzen will, kann mit Zertifikaten auf ganze Goldindizes setzen. Ein Zertifikat der Royal Bank of Scotland bildet den „NYSE Arca Gold Bugs Index“ (erfasst 15 der größten Goldproduzenten) ab. Zuletzt verlor das Zertifikat 20Prozent, da zeitgleich der Goldpreis zurückging.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2012)

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