22.05.2013 12:39 Merkliste 0

Hohe Zinsen? Bloß in der Werbung

31.05.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Banken bieten kombinierte Zinsprodukte an und werben dabei mit hohen Zinssätzen. Am Ende schaut dann aber gar nicht viel heraus. Einfache Sparbücher bringen oft mehr.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Ker. Die Ausgangslage für vorsichtige Anleger ist alles andere als gut. Für sichere Sparprodukte gibt es kaum Zinsen. Einige Banken wollen Kunden daher mit kombinierten Zinsprodukten locken. „Die Presse“ analysiert, was Berater in den Filialbanken ihren (potenziellen) Kunden empfehlen und was tatsächlich hinter diesen Produkten steckt:

Die Volksbank macht Werbung mit Ex-Skispringer Andreas Goldberger. Dementsprechend heißt es auch: „Goldenes Sprung-Sparbuch“ – mit bis zu vier Prozent p. a. Das funktioniert folgendermaßen: Man legt einen Geldbetrag einmalig auf dieses Sparbuch. Für das erste Jahr bekommt der Kunde 1,75 Prozent, für das zweite Jahr zwei Prozent, dann 2,25 Prozent und im vierten Jahr die versprochenen vier Prozent.

Was schaut dabei am Ende heraus? Die Beraterin der Filiale im sechsten Wiener Bezirk erklärt das auf Nachfrage so: Man legt das Geld auf das Sparkonto. Im ersten Jahr wird es mit 1,75 Prozent verzinst. Die gesamten Zinsen werden für das nächste Jahr mitgenommen (die Steuer werde noch nicht abgezogen). Dieser Betrag wird dann mit dem nächsthöheren Zinssatz verzinst. So geht das vier Jahre lang. Zum Schluss wird die Steuer auf den gesamten Zinsertrag abgezogen.

Ein Beispiel: Wenn der Kunde 10.000 Euro auf das Sparbuch legt und es vier Jahre lang liegen lässt, würde er (nach Steuern) einen Zinsertrag von rund 780 Euro erzielen. Der jährliche Nettozins liegt dann in den vier Jahren bei knapp 1,9 Prozent. Ist das gut?

Zum Vergleich: Wenn man das Geld auf ein vierjähriges Kapitalsparbuch einer Direktbank legt, bekommt man 3,4 Prozent jährlich. Nach Steuern liegt der Nettozinssatz bei jährlich über 2,5 Prozent. Also um über 0,6 Prozentpunkte höher als beim Sprung-Sparbuch der Volksbank.

 

Ist ein Bausparer besser?

Bei der Bawag kann man sogar bis zu fünf Prozent Zinsen bekommen. Und zwar mit dem sogenannten „Kletterzins-Sparbuch“, das im Grunde wie das Volksbank-Produkt funktioniert. Die Laufzeit beträgt hier sechs Jahre.

Im ersten Jahr bekommt man einen Zinssatz von einem Prozent; dann 1,25 Prozent; dann 2,5 Prozent; im vierten Jahr 3,25 Prozent; im fünften 3,5 Prozent und im sechsten Jahr die besagten fünf Prozent. Die Zinsen würden (im Gegensatz zum Volksbank-Produkt) jährlich abgezogen, erklärt die Beraterin in der Bawag-Filiale.

Ein Beispiel: Man legt 10.000 Euro auf das Kletterzins-Sparbuch und lässt es sechs Jahre lang liegen. Der Kunde erzielt damit einen Zinsertrag nach Steuern von knapp 1300 Euro. Das macht einen durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von rund 2,1 Prozent. Das ist auch nicht besonders viel. Die Beraterin in der Bank sagt daher, dass ein Wüstenrot-Bausparer mit fixer Verzinsung besser sei.

Was in der Praxis aber nicht stimmt, zumindest dann, wenn man 10.000 Euro als Einmalerlag auf einen Wüstenrot-Bausparer legt. Denn man bekommt jedes Jahr fix zwei Prozent auf nur 9000 Euro. Alle Beträge über 9000 Euro werden nur mit einem Prozent verzinst. Das heißt somit, dass der Zinseszinseffekt bei diesem Bausparer stark eingeschränkt ist.

In Zahlen: Wenn man 10.000 Euro in den Bausparer steckt, hat man (nach Abzug der Kosten und Steuern sowie mit einer jährlichen staatlichen Prämie von 18 Euro) nach sechs Jahren einen Ertrag von nur rund 950 Euro.

Fazit: Ein Bausparer mit einem Einmalerlag über 7200 Euro und fixer Verzinsung ist nicht sehr sinnvoll.

Zum Vergleich: Ein sechsjähriges Sparbuch bei einer Direktbank bringt 3,75 Prozent jährlich. Nach sechs Jahren bleiben netto mehr als 2,8 Prozent jährlich übrig. Das bringt also mehr als das Kletterzins-Sparbuch der Bawag oder der berechnete Fixzins-Bausparer der Wüstenrot.

Wer sein Geld auf einem Sparbuch für längere Zeit binden will, sollte das eher jetzt als in einigen Wochen bzw. Monaten tun. Die Zinsen sind im Fallen begriffen. Die Raiffeisen in Wien hat am Donnerstag ihre Zinsen bereits gesenkt. Für ein einjähriges Kapitalsparbuch gibt es nicht mehr 1,75 Prozent, sondern nur noch 1,25 Prozent. Bei zweijährigen Sparbüchern werden die Zinsen von 2,25 auf zwei Prozent gesenkt.

Was Sie beachten sollten bei... Lockangeboten aus der Werbung

Tipp 1

„Springende“ Zinsen. Die Volksbank bietet das „Goldene Sprung-Sparbuch“ an– mit bis zu vier Prozent Zinsen jährlich. Die Zinsen gibt es aber nur im letzten Jahr der Laufzeit. Davor sind die Zinssätze geringer. Schlussendlich beträgt die jährliche Nettoverzinsung knapp 1,9 Prozent.

Tipp 2

„Kletternde“ Zinsen. Bei der Bawag gibt es das „Kletterzins-Sparbuch“ – mit bis zu fünf Prozent Zinsen jährlich. Die gibt es aber auch nur im sechsten und letzten Jahr. Die durchschnittliche Verzinsung (nach Abzug der Steuer) macht in den sechs Jahren jährlich rund 2,1 Prozent aus.

Tipp 3

Fallende Zinsen. In nächster Zeit sollten sich Sparer auf fallende Zinsen einstellen. Die Raiffeisen in Wien hat diese Woche ihre Zinssätze reduziert. Für ein einjähriges Sparbuch gibt es nicht mehr 1,75 Prozent, sondern nur noch 1,25 Prozent – also gleich um einen halben Prozentpunkt weniger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

19 Kommentare
0 0

Seltsam

Die Banken haben die Kosten des Sparpakets sofort an die Kunden weitergegeben. Und die Regierung schaut zu, regiert nicht. Was kann man tun?: an einem bestimmten Tag muessten zB 10 Proz. der Sparer ihr Geld abheben.
-- Merke: die Sparer sind die _Arbeitgeber_ der Banken! Wo bleiben Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung?

Gast: kreditnehmer
01.06.2012 12:11
0 3

die sparzinsen sind zu hoch

ich hätte lieber noch niedrigere sparzinsen. ich bezahle für meinen kredit 2,5 %. jede senkung würde mir etwas bringen. lieber sparer, verschont uns mit eurem gejammere

Und du meinst

dass zwischen dem Kredit den du zurückzahlst und den Zinsen, welche ein Sparer bekommt auch nur der geringste Zusammenhang besteht?

Du bist wahrscheinlich einer von denen, welche meinen, dass eine Bank nur soviel Kredit vergeben kann, wie es Einlagen gibt.

Und die Bank lebt von der Differenz.

Leider glauben das immer noch 90% aller Österreicher.

Die Differenz erlaubt es den Banken gerade einmal ihren eigenen Verwaltungsaufwand abzudecken. Die Gehälter können damit nicht bezahlt werden.

Aber die Banken werden sich hüten, die Wahrheit zu erzählen.

Mit dem „Goldenes Sprung-Sparbuch“...

...hupft man in Gatsch!
Umfrage: Wer lügt mehr? Die Politiker oder der Finanzmarkt? Ein Kopf an Kopf Rennen.

Gast: Teuferl
01.06.2012 10:01
4 0

Diebstahl!


Die EZB sagt dass der Geldwert stabil ist sobald die Inflation (die angestrebte) Grenze von 2 % erreicht. Alle - auch unsere - Regierungen machen mit (weil sie damit die aus Oportunismus vorher gemachten Staatsschulden reduzieren).

Wenn uns daheim jemand 2% unseres Vermögens stiehlt so ist das kriminell und Diebstahl! Wir holen die Polizei, der Staatsanwalt wird aktiv... Die Versicherung (so vorhanden) bezahlt...

Aber bei der Inflation sind alle blind...

Antworten Gast: Analyst 829
01.06.2012 12:18
0 3

Re: Diebstahl!

Das GELDvermögen wird durch Inflation weniger wert, aber GELDvermögen hat eben viele Vorteile. Man ist damit extrem flexibel, da Geld - zumindest echtes Geld wie Euro und Franken (NICHT aber ungedeckte US-Dollar) - im Grunde nichts anderes als ein mindestens doppelt durch nicht standardisierte Schuldscheine (Pfand auf Häuser u. s. w.) gedeckter standardisierter Schuldschein ist, den jeder gerne nimmt.

Wer Glück hat, kann die Inflation mit Sachwerten umgehen. Wer Pech hat verliert damit noch mehr, wenn nämlich die Preise der gekauften Sachwerte sinken. Vor allem bei Gold und Silber ist das Risiko hierbei extrem groß. Allerdings auch bei Immobilien, die keineswegs eine Einbahnstraße im Preis nach Oben sind. Bei Immobilien kann man wirklich Haus und Hof verlieren.

Empfehlen würde ich derzeit indische Aktien. Indien entwickelt sich sehr gut und derzeit kauft sich zähneknirschend die US-Ostküste in Indien ein. Dabei wird Gold auf den Markt geworfen und dafür werden indische Aktien gekauft.

In China hingegen sind die Aktien überteuert und es kann jederzeit einen politischen Umsturz geben und dann platzen einige Lügen über das hohe chinesische Wachstum, wenn die gebauten Geisterstädte abgeschrieben werden müssen und Chinas Banken wanken.

Für Otto N. ist momentan das Sparbuch und Bausparer das Beste.

Als Regel für den Kauf von Sachwerten gilt, nur das kaufen, was man wirklich langfristig braucht. Finger weg von teurem Gold und Silber!

Gast: E.T.
01.06.2012 09:49
1 0

Im Detail liegt die Wahrheit

Egal was die Werbung sagt, dass sind meist nur Lockangebote - die nicht halten - die bei genauerem Hinsehen - nicht halten - was sie versprechen.
Zuerst den Stift und die Rechenmaschine zur Hand und jeder kann sich bei konservativen Produkten ausrechnen, was an Zinsen anfallen wird und ob dieses Produkt das richtige für den eigenen Bedarf ist.
Also informieren bei einigen Banken - immer zu Hause zuerst nachrechnen - nicht drängen lassen in der Bank - und dann mit dem Partner oder sonst einer Person gemeinsam entscheiden.

Ein Sparkonto bei der Ersten!!

Vor ein paar Wochen , war die Verzinsung ein ganzes halbes Proznet, ab 1. Juni sind es nur mehr ein Achtel Prozent! Von diesem unglaublich hohen Kapitalertrag zahle ich dann noch 0.25 % "Kapitalertragssteuer" Ich würde als ehrliche Sparkasse diese Abgabe daher als Inflationsabgabe für die kleinen und ganz dummen Sparer bezeichnen. Denn die verstehn doch davon gar nichts, deshalb sind sie auch die Stammwähler von SPÖ und ÖVP!!!!!!!!

Re: Ein Sparkonto bei der Ersten!!

Sorry, aber da fehlt´s mir an Verständnis.
Mit ein wenig Internetrecherche finden Sie Banken, die Ihnen z.B. in PLN ein Gratiskonto mit 4% Minimum führen. Wenn man bzgl. Bindung Kompromisse machen kann, sind auch 7% drin. In EUR geht das nicht.

Re: Creeping consumption

Sie empfehlen mir eine Internetrecherche, aber beim außerhalb der Eurozone zu sparen, kommt dann natürlich noch das Kursrisiko hinzu. Leider habe ich aber keine Millionen an Sparreserven, bei geringen Spareinlagen wird ein Kursrisiko oft zur Falle.

Isländische Banken war das ganz empfehlenswert

das war noch sicherer ehemals, als heute in Facebookaktien zu investieren.

Wer sich traut, setzt auf fallende Kurse und steigt bei 12 Euro aus. Mit etwas Hebeln kann man da zum Millionär werden.

TIPP 4

INFLATION - Was in diesem Artikel nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, daß man bei der derzeitigen Inflation mit diesen Anlageformen meistens reel einen VERLUST macht!

Gast: besserwisser
01.06.2012 06:53
0 0

muss man sich an die zinsen gewöhnen

des einen freud - des anderen leid. ich als kreditnehmer freue mich über die niedrigen zinsen. warum jammern die sparer, wenn sie z.b. 1,9 % netto bekommen. ich bezahle für meinen kredit nur 2,25 %. wie sich das für meine bank rechnet? das ist mir auch ein rätsel.

Gast: django
31.05.2012 22:47
1 1

Wird bald am besten sein im guten alten Sparstrumpf schön vergraben in sfr...


1 0

Re: Wird bald am besten sein im guten alten Sparstrumpf schön vergraben in sfr...

silberfranken, hoffe ich doch...
auch andere, wertdichte und wertbestaendige gueter lohnt es sich zu bunkern, besonders wenn man sie guenstig im massenangebot bekommen kann. gesundheit, ausbildung, nebenerwerb, gartengrund, rohstoffe ... alles, nur nicht auf die bank tragen wo man vom staat fuers seinen inflationsverlust noch steuerlich abgestraft wird.

Was einem nie vorgerechnet wird:

Wer unter 300 000 Euro Vermögen hat, gehört zu den Verlierern unseres heutigen Geldsystems.

http://docs.banken-in-die-schranken.eu/Systemverlierer.pdf

Antworten Gast: Ruhepol
01.06.2012 14:12
0 0

Re: Was einem nie vorgerechnet wird:


Prima link, vielen Dank!

Siehe auch

http://www.mittelalter-gewandung.net/Wochenbote/Wochenbote_Das_Goldene_Mittelalter.htm

Gast: UKW
31.05.2012 20:30
0 0

Ich bin auch gerade dabei mein 8 Jahre altes Auto um 10.000 Euro zu verkaufen

Um den Verkauf zu forcieren zahle ich dem Käufer 5 Monate lang 3,8 Prozent Zinsen (gilt nur Einlagen zwischen 500 und 5000 Euro) p.a. auf einem Sparbuch. Ich hoffe die Arbeiterkammer oder irgendein Medium macht mir keinen Strich durch die Rechnung und macht eine Aufdeckerstory darüber, weil von selbst würden die Leute nie drauf kommen, dass ich sie verschauukle.

Gast: b754
31.05.2012 20:11
0 0

ich hab ja nichts zu verschenken


People & Business