Aktien: Raucher beflügeln das Depot

11.06.2012 | 18:09 |  NICOLE STERN (Die Presse)

In der Vergangenheit musste die Tabakindustrie viele Klagen abwehren. Nun setzt ihr auch noch die strengere Regulierung zu. Die Aktien der Produzenten steigen dennoch.

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Wien. „Lass dich nicht einwickeln. Rauchen kennt nur einen Gewinner: die Tabakindustrie.“ Vor wenigen Wochen stand der heurige Nichtrauchertag unter genau diesem Motto. Dass Rauchen der Gesundheit eher abträglich ist, dürfte keine Überraschung sein. Jährlich sterben fast sechs Millionen Menschen am Tabakkonsum. Bis 2030 könnten es sogar rund acht Millionen sein.

Was die Weltgesundheitsorganisation WHO anprangert, hat seine Berechtigung. Denn den Tabakfirmen geht es immer noch relativ gut. Und für Aktionäre – die über das vermeintlich „böse“ Investment hinwegblicken können – hat sich ein Einstieg in den Sektor bezahlt gemacht.

In diesem, bisher doch recht turbulenten Börsenjahr hat der Tabak-Branchenindex (MSCI Tobacco) den breiten Markt leicht geschlagen. Während der Weltaktienindex MSCI World seit Jahresbeginn um die Nulllinie pendelte, legten Tabakwerte um fünf Prozent zu. Das Kursplus der Tabakwerte erreichte seit 2010 gar 55 Prozent, während der breite Markt nicht vom Fleck kam.

Das kann mit dem defensiven Charakter der Aktien begründet werden. Werte aus diesem Segment haben sich vor dem Hintergrund einer Konjunkturabkühlung besser entwickelt als Aktien aus zyklischen Branchen. Doch auch unter den defensiven Titeln stechen Tabakaktien hervor: „Wenn man sich die letzten fünf Jahre ansieht, dann haben Tabakwerte unter allen Branchen im defensiven Sektor am besten abgeschnitten“, sagt Nicky Stafford von Fidelity Worldwide Investment.

Außer Acht lassen sollte man nicht, dass die Branche in den vergangenen Jahren mit stagnierenden Absätzen zu kämpfen hat. Während die Wachstumsraten in den Industriestaaten negativ sind, seien die Zuwächse in den Schwellenländern zwar vorhanden, aber flach, so Stafford.

Hinzu kommen Rauchverbote, die nach und nach durchgesetzt werden. In Großbritannien hat das Rauchverbot im ersten Jahr seiner Einführung der Branche deutliche Absatzrückgänge beschert, um sich anschließend wieder zu normalisieren. Waren es früher Rechtsstreitigkeiten, also Klagen, mit denen die Unternehmen konfrontiert waren, ist es heute die Regulierung, sagt Stafford.

Unter dem Strich seien die Firmen dennoch in der Lage, ihre Gewinne zu steigern, wie Christine Nowak von der Raiffeisen Centrobank sagt. Zurückzuführen ist das auf die Preismacht der Konzerne, erklärt Stafford. Preiserhöhungen würden Raucher nicht davon abhalten, zum Glimmstängel zu greifen. Zum anderen teilen sich die Konzerne den Markt untereinander auf. Drittens: Steuererhöhungen werden an den Kunden weitergegeben.

 

Wachstum in Schwellenländern

Auf Sicht der nächsten fünf Jahre sind für Stafford Firmen interessant, die Wachstumspotenzial in den Schwellenländern haben. Dazu zählt sie die Aktien von British American Tobacco (ISIN: GB0002875804).

Nowak wiederum gibt den Papieren von Philip Morris (US7181721090) den Vorzug, jedoch mit derselben Begründung. Im Vorjahr entfielen rund 34 Prozent der Einnahmen des Unternehmens auf die Europäische Union. Der Rest stammt aus Asien, Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika. Generell glänze die Tabakindustrie mit soliden Bilanzen, einer starken Gewinnentwicklung und schönen Dividendenrenditen, sagt Nowak. Im Schnitt der Branche beträgt diese vier Prozent, wie Stafford sagt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Sektors liegt in der Regel zwischen zehn und 15 Prozent. Neben den großen Playern auf dem Markt gibt es freilich auch Firmen, die Nischenprodukte anbieten. Dazu zählen etwa die Aktien von Swedish Match (SE0000310336). Das Papier liegt seit Jahresbeginn mit zwölf Prozent im Plus.

 

Tipp 1

Dividende. Tabakfirmen verfügen in der Regel über einen hohen Cashflow, also über Barmittel, die von den Unternehmen entweder dazu benutzt werden, um Aktienrückkaufprogramme ins Leben zu rufen – oder aber um Dividenden auszuzahlen. Die Dividendenrendite (Dividende mal Kurs geteilt durch 100) beträgt im Schnitt der Branche vier Prozent.

Tipp 2

Fonds. In die Aktien ausgewählter Tabakfirmen zu investieren kann sinnvoll sein, ist aber auch riskant. Wer sein Risiko streuen will, sollte zu Investmentfonds greifen, die auch in Tabakwerte investieren. Bei Fonds, die in Unternehmen aus der Konsumgüterindustrie anlegen, wird man als Anleger dabei am ehesten fündig werden.

Tipp 3

Defensiv. Tabakfirmen sind Teil des defensiven Sektors. Kühlt die Konjunktur ab, leiden die Firmen in der Regel weniger stark, weil ihre Güter weiterhin konsumiert werden. Die Nahrungsmittelbranche zählt genauso zu den defensiven Werten wie die Pharma- oder Tabakindustrie. Zieht die Konjunktur an, gehen zyklische Titel aber stärker nach oben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2012)

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1 Kommentare
Gast: Plamusa
11.06.2012 20:23
1

Geschäfte mit Tod und Elend der eigenen Kunden

Mit Drogen kann man eben immer dicke Geld machen. Einmal abhängig, muss man konsumieren, ob man will oder nicht. Da hat man keine freie Wahl obwohl Raucher das immer gerne behaupten.
Deswegen ist es auch so wichtig, neue Kunden anzufixen, die dann ein Leben lang konsumieren müssen.
Und genau darum muss alles unternommen werden, um Anfänger abzuschrecken. Mit abschreckenden Bildern, Aufklärung und unatraktiv machen der Droge Tabak.

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