Wien/Weber. Zahlreiche Anleger, die in den vergangenen Jahren ihr Geld in Aktien gesteckt haben, haben sich damit die Finger verbrannt. Umso verständlicher ist ihre Scheu, sich jetzt wieder am Kapitalmarkt zu versuchen. Obwohl nach der Inflation nichts mehr übrig bleibt, ist das Sparbuch nach wie vor die beliebteste Anlageform der Österreicher, gefolgt vom Bausparvertrag. Nur 13 Prozent der Anleger planen, ihr Geld in Fonds zu stecken, ergab eine Umfrage der Erste Bank vor Kurzem. Aktien möchten nur neun Prozent kaufen.
Um die Anleger zu bekehren, rücken die Fondsgesellschaften gerne ihre „Dividendenfonds“ in den Fokus, besonders in unruhigen Börsenzeiten. Grob gesagt konzentrieren sich diese auf Unternehmen, die eine konstant hohe Dividendenrendite aufweisen. Mit anderen Worten: Sie kaufen Aktien, bei denen die jährliche Gewinnausschüttung im Verhältnis zum Börsenkurs attraktiv erscheint.
Reale Gewinne auch bei Inflation
Im langfristigen Vergleich soll diese Strategie besonders geeignet sein, um sowohl Deflation als auch Inflation zu begegnen, behauptet eine aktuelle Studie von Allianz Global Investors. „Dividenden sind ein langfristiges Argument und nichts für die nächsten drei bis sechs Monate“, erklärte Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest, am Mittwoch vor Journalisten.
In ihrer Studie untersuchten die Experten, wie sich eine Dividendenstrategie in den vergangenen Jahrzehnten geschlagen hat. Als Beispiel für ein Inflationsumfeld nahmen sie die Vereinigten Staaten zwischen 1967 und 1982. In dieser Zeit kletterten die Preise um bis zu 15 Prozent pro Jahr. Trotzdem konnten Dividendenaktien in diesem Zeitraum einen realen Wertzuwachs von durchschnittlich vier Prozent pro Jahr aufweisen. Damit überflügelten sie den breiten Aktienmarkt ebenso wie Anleihen deutlich.
Für ein Umfeld mit sinkenden Preisen (Deflation) wurde das Japan der vergangenen 15 Jahre untersucht. Auch hier schlugen sich Aktien mit hohen Gewinnausschüttungen deutlich besser als der Gesamtmarkt.
Andreas Beck vom Münchner Institut für Vermögensaufbau hält eine Konzentration auf Dividenden ebenso für die richtige Strategie. Auch den Zeitpunkt zum Einstieg hält er für günstig: „Aktien sind billig, weil institutionelle Investoren keine Risken eingehen möchten.“ Zwar werde sich an der Bewertung in der nächsten Zeit nicht viel ändern – mit großen Kurssprüngen sollten Anleger also nicht rechnen. Das sollten die konstanten Ausschüttungen jedoch mehr als kompensieren.
Die Allianz rät Anlegern, nach Unternehmen mit konstanten Ausschüttungen zu schauen und nicht nach solchen, die gerade mit einer außergewöhnlich hohen Dividende punkten. Das ließe oft darauf schließen, dass das Unternehmen keine anderen Argumente habe, um Anleger von seiner Aktie zu begeistern. Dauerhaft hohe Ausschüttungen ließen dagegen auf ein gesundes Geschäftsmodell und eine gesunde Gewinnentwicklung schließen.
Risiko: Sinkende Ausschüttungen
Das Risiko einer solchen Anlagestrategie besteht darin, dass die Dividenden irgendwann gesenkt werden können und sich so die Rendite verschlechtert. „Das hängt auch von der Branche und der Region ab“, sagt Johannes Mattner von Raiffeisen Research. Momentan sähen die Bilanzen jedoch sehr gut aus, und auch die Geldbestände der Unternehmen seien hoch. Bei der Allianz wertet man dies als Indiz dafür, dass die Dividenden zumindest vorerst stabil bleiben werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)
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