Aktien: Kommt die Rallye zum Jahresende?

13.11.2012 | 18:22 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Die meisten Aktienindizes haben sich in diesem Jahr ganz gut entwickelt. Experten zeigen sich optimistisch, dass es heuer noch weiter bergauf gehen kann.

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Wien. Als Anleger kann man sich an den Börsen schnell die Finger verbrennen – oder ein glückliches Händchen beweisen. Wer sich in diesem Jahr zum richtigen Zeitpunkt an die Aktienmärkte gewagt hat, dem dürfte die Börse unterm Strich viel Gutes gebracht haben. Fraglich ist allerdings, ob das bis Jahresende noch so weitergehen kann. Schließlich sind die Indizes zum Teil schon zweistellig gestiegen. Eine Jahresendrallye halten Experten dennoch für realistisch. Zumindest dann, wenn sich die Nachrichtenlage nicht wesentlich verschlechtert.

Herbert Perus, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management, sieht viele Gründe für weitere Kursanstiege – vor allem an den Aktienmärkten. Eine große Anzahl europäischer Unternehmen sei derzeit mehr wert, als die Aktienkurse widerspiegeln würden. Noch ist aber „niemand gewillt, in Europa zu investieren, weil Unsicherheit herrscht“, sagt Perus. Dabei wären Anteilsscheine dieser Tage billig – auch im historischen Vergleich.

 

Gewinne in Europa

Für Aktien spräche zudem, dass institutionelle Investoren derzeit niedrige Aktienanteile in ihren Portfolios halten. Auch Hedgefonds hätten heuer nicht besonders gut abgeschnitten und sind daher daran interessiert, Performance abzuliefern.

„Und das macht man, indem man Aktien kauft, die stark mit dem Markt reagieren“, sagt Perus. „Gerade auch weil sich viele europäische Aktien schlechter als der Weltmarkt entwickelt haben, könnten wir uns vorstellen, dass viele zugreifen.“ Perus spricht sich etwa für Firmen aus dem europäischen Industriesektor wie Siemens oder Finmeccanica aus. Für Hans Köck von Pioneer Investments besteht das Hauptargument für eine Rallye darin, „dass wir uns schon in einer Rezession befinden, die Firmen aber auch aufgrund der Dynamik in den Schwellenländern Gewinne schreiben.“

Wer heuer in Europa investiert war, konnte etwa im DAX schöne Steigerungen sehen. Im Frankfurter Leitindex konnten der Autozulieferer Continental mit einem Plus von 55 Prozent wie auch der Spezialchemiekonzern Lanxess (Plus 52 Prozent) am besten abschneiden.

Auch die Wiener Börse, die noch im Vorjahr zu den schlechtesten in Europa gezählt hatte, hat in den elf Monaten dieses Jahres einiges an Boden gut gemacht. Wenngleich an die Zählerstände vom Vorjahr nur bedingt angeschlossen werden kann. Kamen 2011 vor allem Finanztitel unter die Räder, zählen heuer Raiffeisen Bank und Erste Group zu den großen Gewinnern.

Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Bank, ist optimistisch, dass der ATX bis Jahresende noch auf 2200 Punkte klettern kann, auch wenn sich die Börsen gerade wieder in einer Schwächephase befinden würden. Derzeit steht der ATX bei rund 2160 Zählern.

Generell erwartet Mostböck, dass die Aktienmärkte outperformen werden. „Ein Investment drängt sich in diesem Segment auf.“ Nicht zuletzt deswegen, weil die Zinsen im Keller sind. Wer sein Geld auf ein Sparbuch legt, muss aufgrund der hohen Inflation mit einem Kaufkraftverlust rechnen. Und auch bei sicheren Staatsanleihen sind die Renditen mickrig.

Ein Damoklessschwert sei nach wie vor das geringe Volumen an den Börsen, dass einen Aufwärtstrend nicht unbedingt bestätige. „Eine große Rallye wird es nicht geben. Aber es spricht auch nichts dagegen, dass sich die Aktienmärkte bis Ende November noch gut entwickeln sollten.“

Unsicherheiten aus den USA

Schockwellen könnte freilich die noch ungelöste Situation des US-Haushalts auslösen. „Wenn man in den USA keine Lösung findet, ist das ein Armageddon für die Märkte“, sagt Mostböck. Zum Jahreswechsel droht den Vereinigten Staaten die sogenannte „fiscal cliff“. Können sich die Parteien nicht über den Schuldenabbau einigen, treten automatisch Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft.

Bislang deutet in den Vereinigten Staaten – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht – aber noch alles auf eine Erholung hin, sagt Köck. Die Indikatoren seien nach dem schwachen zweiten Quartal nun tendenziell überraschend positiv.

Was Sie beachten sollten bei... Aktien

Tipp 1

Dividenden. Dividendenaktien zählen zu den derzeit gefragteren Titeln, auch weil die Ausschüttungen oft höher sind als die Zinsen, die für ein Sparbuch geboten werden. Anleger sollten aber nicht nur auf die Höhe der Dividende achten, sondern auch ein Auge auf die Ausschüttungsquote (Anteil der Dividende am Gewinn) werfen. Wer zu viel ausschüttet, kann weniger investieren.

Tipp 2

Inflation. Wer Angst vor einer Inflation hat, ist bei Aktien gut aufgehoben, weil diese als reale Werte gelten. Auch Gold, Rohstoffe oder Immobilien zählen zu den Sachwerten. Hier liegt allerdings das Problem, dass Immobilien teils schon sehr teuer sind. Ein häufig angeführtes Argument ist die Tatsache, dass viele Mietverträge an die Inflation angepasst sind.

Tipp 3

Fonds. Aktien zählen zu den riskanten Investments. Wer sein Vermögen aber über einen Fonds streut, kann sein Risiko minimieren. Die großen Onlinebroker bieten eine Vielzahl von Fonds an, Anleger können sich dort je nach Belieben das passende Produkt aussuchen. Wer nicht auf einmal investieren will, kann sparplanfähige Produkte kaufen. So können Anteile in guten wie in schlechten Zeiten nachgekauft werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2012)

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4 Kommentare

wird nicht kommen

solange das grosse geld mittlerweile mit dem gezielten streuen von negativen nachrichten, den bereits platzierten wetten auf fallende kurse und in der folge tatsächlich mit abstürzen (facebook, apple usw) zu machen ist, gibts heuer sicher keine rallye mehr.

hat ja nichts mit der firma selber zu tun, die können super sein, wie sie wollen.

wie ...

... kann eine Aktie in der Rezession steigen?! nur weil jeder mit seinem Geld dann Aktien kauft?! und danach?! wenn wir immer noch Rezession haben?! Fallen die Aktien Kurse, oder? kann der Logik des Experten nicht folgen....

Re: wie ...

Nur weil es in USA und/oder Europa eine Rezessions gibt, heißt, das nicht, dass ein amerik. oder europ. Konzern nicht trotzdem mehr verdienen kann. Z.B. einfach weil er (wie im Artikel erwähnt) in den Schwellenländern so viel mehr verdient...

Re: wie ...

Der Aktienmarkt reagiert nicht immer rational. Kurzfristig ist alles drinnen.

Langfristig sollten sich die Fundametaldaten dem Aktienkurs die Richtung vorgeben.

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