Die schwierige Wahl des richtigen Dividendenpapiers

01.02.2013 | 10:29 |   (Die Presse)

Aktien mit hohen Dividenden werden derzeit häufig empfohlen. Aber Vorsicht: Die "offizielle" Dividendenrendite sollten Privatanleger nicht überschätzen.

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Wien/Ker. Na bitte, die Lösung für die Zinsmisere scheint gefunden. Man müsse jetzt auf Aktien setzen, sagen die Experten. Am besten auf solide Firmen mit stabilen Dividenden. Dann profitiere man nämlich zweifach. Erstens von einem möglichen Kapitalzuwachs, zweitens von regelmäßigen Ausschüttungen. Tatsächlich? Ersteres ist Spekulation, zur Erinnerung: Auch Anfang 2011 war das Umfeld für Aktien so optimal, dass Analysten und Fondsmanager geradezu euphorisch Aktieninvestments angepriesen hatten. Das Aktienjahr verlief schlussendlich desaströs.

Spesen knabbern Dividende an

Die Dividende hingegen ist schon besser kalkulierbar für die Privatanleger. Allerdings gibt es auch hier einige Tücken. Die Dividendenrendite nämlich, die auf den Internetportalen und Handelsplattformen ausgewiesen wird, darf man nicht überschätzen. Das wird auch bei den heimischen „Dividendenperlen“ der Wiener Börse deutlich, etwa beim Mineralölkonzern OMV (ISIN: AT0000743059). Der Aktie wird da eine Dividendenrendite von fast vier Prozent bescheinigt. Der Wert gibt die Verzinsung des Aktieninvestments an. Vier Prozent – das klingt toll, zumal man für ein einjähriges Sparbuch deutlich weniger als zwei Prozent bekommt. In der Praxis der Kleinanleger schaut die Dividendenrendite aber anders aus.

Ein Szenario: Der Anleger will knapp 5000 Euro in OMV-Aktien investieren und sie – aus heutiger Sicht – zwei Jahre halten. Er bekommt dafür 165 Anteilsscheine, muss aber zusätzlich Transaktionskosten beim Kauf und dann beim Verkauf berappen. Währenddessen fallen auch Depotkosten an. Beides mindert die Rendite. Glaubt man den Analysten, wird das Unternehmen zumindest die gleiche Dividende wie im vergangenen Jahr auszahlen. Das wären also 1,10 Euro pro Aktie, die dem Anleger zwei Mal ausgeschüttet werden. Was bleibt nun nach Kosten und Steuer von der Dividende übrig? Ein Ertrag von über vier Prozent in zwei Jahren. Die Inflation ist aber hier noch nicht gegengerechnet.

Inflation frisst Ausschüttung auf

Nimmt man eine Inflation von 2,5 Prozent jährlich an, ist die Dividende futsch. Dann erleidet man rein aus der Ausschüttung ein reales Minus von knapp 0,5 Prozent. Die Dividende wirkt hier also nicht als Sicherheitspolster für einen Kursrückfall. Der Anleger muss vielmehr hoffen, dass die Aktie in den nächsten zwei Jahren an Wert gewinnt. Erst dann hat er die Kaufkraft seines Geldes abgesichert.

Mit der Aktie der Österreichischen Post (ISIN: AT0000APOST4) sieht es besser aus. Wieder steckt der Anleger 5000 Euro in Post-Aktien und hält sie zwei Jahre lang. Analysten erwarten, dass die Dividenden künftig 1,75 bis 1,80 Euro pro Aktie ausmachen werden. Sollten sie bei „nur“ 1,75 Euro liegen und sollte der Aktienkurs in zwei Jahren auf dem gleichen Niveau wie jetzt notieren, macht der Kunde einen realen Nettogewinn von fast 2,5 Prozent (nach Steuern, Kosten und Inflation).

Oder mit anderen Worten: Der Aktienkurs kann um 2,5 Prozent fallen, und man hat noch immer die Kaufkraft des eingesetzten Geldes erhalten. Hier hat die Dividende eine Schutzwirkung.

Genauso wie bei den heimischen Immobilienaktien der CA Immo (ISIN: AT0000641352) und der Immofinanz (ISIN: AT0000809058). Vor allem deswegen, weil man bei beiden Gesellschaften – aller Voraussicht nach – auch in den nächsten Jahren keine Steuer auf die Dividende abführen muss. Wenn der Anleger heute Immofinanz-Aktien kauft und zwei Jahre behält, könnte der Kurs um sechs Prozent abfallen (sofern die Dividende zwei Jahre lang bei je 20 Cent pro Aktie liegt). Wenn die CA Immo ihre Dividende halten kann, könnte der Aktienpreis in den nächsten 24 Monaten um 0,7 Prozent zurückgehen – in beiden Fällen hätte der Investor sein Vermögen vor der Inflation geschützt. Aber Achtung: Immobilienaktien gelten als volatil, wie die vergangenen Jahre deutlich vor Augen geführt haben.

Dividenden sind nicht immer nachhaltig

Dass Dividendenaktien nicht immer stabil sind, hat die Telekom Austria (ISIN: AT0000720008) zuletzt eindrucksvoll bewiesen. Vor nicht allzu langer Zeit galt sie als einer der Dividendenkaiser des ATX. Das ist Geschichte. Das Unternehmen wird in den nächsten Jahren gerade einmal fünf Cent pro Aktie ausschütten. Nach Steuern, Kosten und Inflation reicht die Dividende bei Weitem nicht für ein Plus. Vielmehr würde man aus der Dividende in zwei Jahren einen realen Verlust von gleich 4,5 Prozent erleiden, wenn der Kurs gleich bleibt. Die Telekom-Aktie müsste schon stark an Kurs gewinnen, damit der Anleger nach Abzug der Steuer pari aussteigt.

Auf einen Blick

Die Dividendenrendite gibt Auskunft über die Höhe der Dividende gemessen am Kurs. Kleinanleger sollten jedoch beachten, dass die Dividende mehrfach angeknabbert wird: Zum einen fallen 25 Prozent Kapitalertragsteuer auf die Ausschüttung an. Zudem schlagen bei Aktien Kauf- und Verkaufsspesen sowie Depotgebühren zu Buche. Zieht man dann noch die Inflation ab, bleibt von der Dividende häufig nichts mehr übrig. Allerdings gibt es noch die Chance, dass der Kurs steigt und man trotzdem gewinnt. Das Gegenteil kann aber ebenso der Fall sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2013)

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