Kosten können Aktiengewinne schmälern

Sparbücher haben einen Vorteil: Sie kosten meist nichts. Das ist bei Aktieninvestments anders, dort fallen gleich mehrere Kosten an. Das kann teuer werden. Zahlen sich heimische Aktien für private Anleger dennoch aus?

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(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Wien. Ein Sparbuch brockt einem derzeit deutliche Realverluste ein. Denn die Sparzinsen reichen lange nicht aus, um die Inflation abzudecken. Dennoch hat dieses altehrwürdige Produkt etwas Schönes an sich: seine Einfachheit.

Man legt sein Geld auf das Sparbuch und bekommt dafür Zinsen, davon bezahlt man die Kapitalertragsteuer. Kosten für das Sparbuch fallen oft keine an. Das ist sehr einfach – wenn auch verlustbringend. Anders ist das bei Aktien. Die bringen eine ordentliche Rendite ein, behaupten zumindest die meisten Anlageexperten. Ein Aktieninvestment ist jedoch deutlich komplizierter, als man auf den ersten Blick erahnen würde – und auch deutlich teurer.

Am günstigen kommen die Aktienanleger noch bei einem der Internetbroker weg. Davon gibt es einige, etwa direktanlage.at, flatex.at, bankdirekt.at, easybank oder brokerjet. Trotzdem fallen auch hier einige Gebühren an, die die erhoffte Aktienrendite nach unten drücken. Bleibt die Frage, ob sich ein Aktiendepot für private Anleger überhaupt auszahlt. Oder besser gefragt: Ab wann rentiert sich ein Aktieninvestment, wenn man alle Kosten miteinberechnet?

Ein Szenario: Ein Anleger will 10.000 Euro in heimische ATX-Aktien investieren – mit der vagen Absicht, die Papiere zwei Jahre lang zu halten. Er teilt das Geld relativ gleichmäßig auf fünf Aktien auf, womit er in jede Aktie circa 2000 Euro steckt. Er ordert die Aktien über direktanlage.at, einen der populärsten Internetbroker auf dem heimischen Markt. In zwei Jahren häuft sich dabei eine beachtliche Summe an Gebühren und Kosten an:

•Kosten für den Kauf und den späteren Verkauf der Aktien in der Höhe von rund 105 Euro.

•Die Depotkosten belaufen sich bei zwei Jahren auf fast 55 Euro.

•Die Kontoführungsgebühren für das Verrechnungskonto machen für zwei Jahre 36 Euro aus.

In Summe kostet das Aktiendepot mit fünf Aktien für eine Dauer von zwei Jahren fast 195 Euro. Der Anleger muss für eine ordentliche Kostenanalyse auch die Inflation beachten, im wohl günstigsten Fall beträgt die jährliche Inflationsrate zwei Prozent. Unterm Strich machen die Kosten immerhin sechs Prozent der Anlagesumme aus. Das ist schon ein großer Brocken.

 

Alternative Dividendenaktien

Rentieren sich die Aktien schlussendlich? Ein Beispiel: Der Anleger steckt von den 10.000 Euro knapp 2000 Euro in Anteilsscheine der OMV (ISIN: AT0000743059) – mit dem Plan, sie voraussichtlich zwei Jahre zu halten. Den Kosten steht eine Dividende gegenüber, die relativ üppig ausfallen könnte. Der Anleger kassiert sie zweimal – und er hofft, dass die OMV zumindest 1,20 Euro pro Aktie zahlt. So wie für das Jahr 2012. Angenommen, in zwei Jahren steht der Kurs bei einem ähnlichen Niveau wie heute: Hätte der Anleger mit der Dividende einen Gewinn erzielt? Ist der Dividendenertrag ausreichend, um Kosten, Steuern und Inflation abzudecken? Nicht ganz! Real bliebe kein Gewinn übrig. Dazu müsste der OMV-Aktienkurs in den kommenden zwei Jahren um mehr als ein Prozent ansteigen.

Daraus wird deutlich: Das Investment ist eine Spekulation über den Aktienkurs, die der Anleger aber einfach berechnen kann. Wenn er glaubt, dass die OMV-Aktie in zwei Jahren um mehr als ein Prozent steigt, zahlt sich das Investment aus. Das klingt ganz vernünftig – was allerdings an zwei besonderen Spezifika liegt:

•Erstens: Die OMV-Aktie schüttet eine hohe Dividende aus, ihre Dividendenrendite liegt bei über drei Prozent.

Im Vergleich dazu glänzt die Aktie von Wienerberger nicht mit hohen Dividenden (ISIN: AT0000831706). Damit der Anleger mit diesen Aktien keinen realen Verlust einfährt, müsste deren Kurs in den kommenden zwei Jahren um über fünf Prozent steigen. Mit dieser Kursrallye hätte er noch keinen Gewinn erzielt, sondern lediglich Kosten und Inflation abgedeckt.

•Zweitens: Die gesamten Kosten für das Aktiendepot sind äußerst gering. Die Kosten des Depots machen (inklusive Inflation) sechs Prozent aus – aber auch nur, weil der Anleger mit 10.000 Euro relativ viel investiert. Würde er statt 10.000 Euro nur 5000 Euro in fünf verschieden Aktien investieren, würden die Kosten prozentmäßig steigen. Sie würden dann über zehn Prozent ausmachen. Er wäre damit aber auf dem Aktienmarkt nicht so stark exponiert.

Fazit: Dividendenstarke Aktien wie jene des Mineralölkonzerns OMV, Österreichische Post, Verbund oder Voestalpine sind auch für Privatanleger eine interessante Alternative – sofern das Depot inklusive Inflation tatsächlich nur sechs Prozent kostet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2013)

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