Zahl der Bausparverträge sinkt

Gab es vor fünf Jahren noch 5,188 Millionen Bausparverträge in Österreich, so waren es zuletzt nur noch 4,728 Millionen. Grund sind die mageren Zinsen und die niedrige Prämie.

Die Finanzierungsleistung der Bausparkassen ist heuer wieder gestiegen.
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Die Finanzierungsleistung der Bausparkassen ist heuer wieder gestiegen.
Die Finanzierungsleistung der Bausparkassen ist heuer wieder gestiegen. – (c) REUTERS (Mark Blinch / Reuters)

Wien. Bausparen erfreut sich traditionell hoher Beliebtheit. Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK hervorgeht, halten 36 Prozent der Befragten Bausparen für eine interessante Form der Geldanlage. Grundstücke, Gold und Sparbücher rangieren dahinter. Nur das Eigenheim als Anlageform schlägt das Bausparen in der Gunst der Österreicher.

So weit die Theorie. In der Praxis ist die Zahl derer, die einen Bausparvertrag abschließen, seit Jahren rückläufig. 773.629 Verträge wurden im Vorjahr neu abgeschlossen, um sieben Prozent weniger als im Jahr davor, 2011 waren es noch 978.565. Diese Zahlen gab das Arbeitsforum österreichischer Bausparkassen (AÖB) am Mittwoch bekannt. Bei einem Bausparvertrag zahlt man sechs Jahre lang regelmäßig (monatlich, jährlich oder einmalig) ein, es gibt eine staatliche Prämie und am Ende der Laufzeit erhält man sein Geld plus Zinsen und Prämien, aber abzüglich KESt und Kontoführungsgebühren, zurück.

 

Staatliche Prämie halbiert

Seit die Zinsen gesunken sind und die staatliche Prämie halbiert wurde, finden das immer weniger Leute attraktiv. In Summe haben nur noch 4.728.060 Menschen einen Bausparvertrag, auch diese Zahl sinkt seit Jahren kontinuierlich. Immerhin: Die Bauspareinlagen bleiben mit 20,421 Milliarden Euro über der 20-Milliarden-Euro-Grenze, doch auch das bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. „An den niedrigen Zinsen ist der Herr Draghi schuld und nicht die Bausparkassen“, meinte Wüstenrot-Chefin Susanne Riess.

EZB-Chef Mario Draghi hält den Leitzins der Eurozone derzeit bei null Prozent. Die Folge: Wie aus Zahlen der Vergleichplattform durchblicker.at hervorgeht, erhält man beim Bausparen derzeit fixe Zinsen von 0,5 Prozent (ohne Gebühren, Steuern und Prämien). Die variablen Zinsen liegen derzeit am unteren Ende der Spanne bei 0,2 bzw. 0,25 Prozent. Sie können theoretisch auf bis zu vier Prozent oder noch höher ansteigen, wenn sich die Marktzinsen wieder erhöhen.

Dann würde auch die staatliche Prämie, die derzeit bis zu 18 Euro pro Jahr beträgt, steigen. Denn sie orientiert sich an der Sekundärmarktrendite (für inländische Staatsanleihen). „Wer glaubt, dass die Zinsen steigen, sollte daher eine Variante mit variablem Zinssatz wählen“, meint S-Bausparkassenchef Josef Schmidinger. Wer mit anhaltend niedrigen oder weiter sinkenden Zinsen rechne, für den sei die fixe Variante besser.

Das Thema „Altverträge“ haben die Bausparkassen nach eigenen Angaben abgehakt. In der Vergangenheit hatte es Zwistigkeiten mit Kunden gegeben, die über die Vertragssumme (1200 Euro pro Jahr oder 7100 Euro Einmalerlag) und über die Vertragslaufzeit (sechs Jahre) hinaus Gelder zu dereinst fixierten hohen Zinsen liegen hatten. Mit diesen habe man einen Umstieg auf neue Konditionen oder einen Ausstieg vereinbaren können, sagte Riess.

 

Mehr Darlehen begeben

Während Bausparen in den vergangenen Jahren etwas an Attraktivität verloren hat, ist bei der Finanzierung das Gegenteil der Fall. Die Neufinanzierungsleistung (Darlehen für Hausbau) ist das vierte Jahr in Folge gestiegen und betrug im Vorjahr 2,878 Mrd. Euro.

In Summe sind Darlehen in Höhe von 18,584 Mrd. Euro aushaftend. Derzeit erhält man zwar mitunter noch attraktivere Hypothekarkredite, doch haben Bauspardarlehen in Hochzinsphasen den Vorteil, dass es einen Zinsdeckel von sechs Prozent gibt. Das kann sich bei langer Laufzeit rechnen, sollten die Zinsen im Laufe der Zeit wieder steigen. (b. l.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2017)

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