Asiens aufstrebender Bondmarkt

Die Schuldnerqualität ist solide, die Volatilität geringer als in anderen Schwellenländern. Auch winken hohe Renditen an den Rentenmärkten. Ein Blick nach Asien lohnt sich.

China baut seine Wirtschaft um und will wieder glänzen. Auf dem Anleihenmarkt hat das Reich der Mitte einiges zu bieten.
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China baut seine Wirtschaft um und will wieder glänzen. Auf dem Anleihenmarkt hat das Reich der Mitte einiges zu bieten.
China baut seine Wirtschaft um und will wieder glänzen. Auf dem Anleihenmarkt hat das Reich der Mitte einiges zu bieten. – (c) imago/View Stock (imago stock&people)

Wien. Vor gut einem Jahr war der Katzenjammer rund um Chinas Wirtschaftswachstum noch recht groß. Denn obwohl Investoren mit einer Konjunkturverlangsamung rechneten, blieb doch das Ausmaß die große Frage. So war es nur zu verständlich, dass Anleger zwischenzeitlich ein wenig verunsichert waren und etwas Abstand von Asiens Kapitalmärkten nahmen.

Inzwischen hat Chinas Regierung allerdings ihr Interesse an einer weiteren Ankurbelung der Konjunktur längst bekräftigt. Auch die Risiken eines möglichen Handelseinbruchs aufgrund einer protektionistischen US-Politik seien nicht mehr derart schlagend, verlautet vom Blackrock Investment Institut (BII). Schließlich sei der transpazifische Handel als Wachstumstreiber inzwischen weniger entscheidend. „Denn China stärkt seine Beziehungen innerhalb Asiens und stellt seine Volkswirtschaft konsumorientierter auf“, erklärt Kate Moore, Chef-Aktienstrategin beim BII. Allein heuer dürfte das Reich der Mitte laut Deka Bank um gut 6,6 Prozent wachsen, Asien (ohne Japan) um insgesamt 6,1 Prozent. Im Vergleich dazu werde das Wirtschaftswachstum in den Industrienationen deutlich nachhinken und nicht einmal zwei Prozent erreichen.

Entsprechend positive Spuren hinterlassen die aufstrebenden Tendenzen in Asien auch am Anleihenmarkt der Region. Das wirkt sich beispielsweise auf die Kreditqualität asiatischer Anleihen aus. „Sie legte im Gegensatz zu den restlichen Emerging Markets seit 2007 stetig zu“, betont Adeline Ng vom Parvest Bond Asia ex-Japan Fund der BNP Paribas IP. Denn Investment-Grade-Bonds – also jene mit einem Mindestrating von BBB- oder besser – stellen inzwischen 80 Prozent des Universums in der Region dar, während es noch vor zehn Jahren 70 Prozent waren. Deshalb seien auch die Kursschwankungen im Schnitt weit geringer als bei Anleihen aus den anderen Schwellenländern, „das spiegelt eben die bessere Kreditqualität wider“, meint Ng. In der CEE-Region, aber auch in Lateinamerika ist das Rating mehrheitlich im schlechteren Bonitätssegment, dem Hochzinsbereich, angesiedelt.

 

Was für Asien spricht

Auch zu Europas Rentenmarkt zieht Ng einen interessanten Vergleich: Immerhin lassen sich derzeit mit asiatischen Anleihen guter Bonität – währungsgesichert – rund 1,5 Prozentpunkte mehr lukrieren. Zudem steige laut Experten in Europa auch das Risiko sinkender Anleihenkurse. Denn allmählich dürfte die EZB ihre Anleihenkäufe – eine bislang sehr wichtige Marktstütze – zurückfahren. „Der daraus entstehende Verkaufsdruck würde die europäischen Anleihenmärkte belasten“, gibt Hannes Boller, Senior Portfolio Manager des Fisch Bond EM Corporates Opportunistic Fund, zu bedenken.

Doch es gibt noch weitere Gründe, die für Asiens Bondmärkte sprechen. Denn wie Günther Kastner, CIO bei C-Quadrat, festhält, investierten zunehmend regionale Anleger an Asiens Bondmärkten. „Sie sind weniger an kurzfristigen Renditen interessiert, sondern sind meist langfristig investiert.“ Somit bilden sie eine stabile Investorenbasis, die in Krisenzeiten „nicht gleich verkauft“, zeigt Kastner auf.

 

Besser breit streuen

Allerdings werden etwa im C-Quadrat Asian Quality Bond Fonds Unternehmensanleihen stärker gewichtet als Staatspapiere. Letztere seien verhältnismäßig teuer geworden. Einen guten Mittelweg bieten offenbar staatliche Unternehmen aus China, etwa aus der Versorger- und der Industriebranche, auf die man im Portfolio setzt. Fast ein Drittel des Vermögens entfällt auf das Reich der Mitte.

Knapp weniger als die Hälfte der BNP-Fonds ist hingegen in Finanzwerte wie Malayian Banking, Bank East Asia oder Busan Bank investiert. Schließlich sind die meisten Banken Asiens in Staatsbesitz, das bietet einen soliden Rückhalt vor allem in Krisenzeiten. Dennoch sollten Anleger – trotz der positiven Aussichten – breit gestreut in der Region investieren. Denn auch sie bleibt vor einem möglichen Abverkauf nicht gefeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2017)

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