Was Multimillionären Kopfzerbrechen macht

Nicht nur das Vermögen der Superreichen wächst, sondern auch die weltweite politische Unsicherheit. Viele denken daher über einen Umzug oder einen Zweitwohnsitz nach. Banken und Berater freuen sich.

New York ist – neben London – eine der attraktivsten Städte für Menschen, die mehr als 30 Millionen US-Dollar ihr Eigen nennen.
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New York ist – neben London – eine der attraktivsten Städte für Menschen, die mehr als 30 Millionen US-Dollar ihr Eigen nennen.
New York ist – neben London – eine der attraktivsten Städte für Menschen, die mehr als 30 Millionen US-Dollar ihr Eigen nennen. – (c) MIKE SEGAR

Wien. Millionär zu sein, ist nichts Besonders. Weltweit gibt es 13.645.400. Die meisten leben in Nordamerika, gefolgt von Europa und Asien. In zehn Jahren wird die Zahl der asiatischen Millionäre höher sein als die der europäischen. Das geht aus dem jüngsten „Knight Frank Wealth Report“ hervor. Allein in China kommen jährlich mehr als 100.000 neue Millionäre dazu, stellte Alex Koch de Gooreynd, Partner des Beratungsunternehmens Knight Frank in London, fest, als er vorige Woche den Reichtumsreport in den Räumlichkeiten der Wiener Rechtsanwaltskanzlei Dorda präsentierte.

Wirklich interessant für die Vermittler und Anbieter von Luxusimmobilien, Privatjets und Jachten ist aber erst die Gruppe der „Ultra High Net Worth Individuals“ (UHNWIs). Das sind Personen, deren Vermögen mehr als 30 Millionen Dollar umfasst. Ihre Zahl wächst prozentuell stärker als die der gewöhnlichen Millionäre, 193.490 UHNWIs gibt es derzeit. Auch hier haben die Nordamerikaner noch die Nase vorn, während die Asiaten stark aufholen.

Die Zahl der Dollarmilliardäre beläuft sich auf 2024, bereits jetzt kommen mehr von ihnen aus Asien als aus Europa, und in zehn Jahren werden die asiatischen Milliardäre auch die Nordamerikaner überholt haben.

Für Banken und Berater der Superreichen sind gute Zeiten angebrochen. Grund: Nicht nur das Vermögen der Multimillionäre ist gewachsen, sondern auch die weltweite politische Unsicherheit. Diese lässt die Vermögenden über einen Zweitwohnsitz im Ausland oder gar einen Umzug nachdenken. 32 Prozent der UHNWIs wälzen derartige Pläne.

 

Politische Unsicherheit wächst

Privatbanken sehen in der politischen Unsicherheit generell das größte Problem für ihre Kunden, vor allem in Afrika (70 Prozent starke Zustimmung), im Nahen Osten (57 Prozent) und in Russland (33 Prozent). Doch auch für ihre europäischen Kunden sehen 29 Prozent in der politischen Unsicherheit ein großes Problem, ähnlich stark fürchtet man nur noch einen Rückgang der Vermögenspreise. In Nordamerika hält man Letzteres (37 Prozent) für wesentlich gefährlicher als die politische Unsicherheit (19 Prozent). Auch steigende Steuern (30 Prozent) fürchtet man dort deutlich mehr.

Vor allem Reiche aus den Schwellenländern sehen sich um Zweitwohnsitze in sicheren Häfen um. Die für sie attraktivsten Städte – gemessen an der Zahl der UHNWIs, dem im Vorjahr dort investierten Vermögen und der Zahl von Erste-Klasse-Flügen – sind London, New York, Hongkong, Shanghai und Los Angeles. In Shanghai kletterten die Preise für Luxusimmobilien im Vorjahr um 27 Prozent, was Alex Koch de Gooreynd mit dem Trend erklärt, Kredite aufzunehmen, während man früher erst dann eine Wohnung gekauft hatte, wenn genug Eigenmittel zur Verfügung standen.

Doch auch in Berlin, das als sicherer Hafen und Standort einer aufstrebenden Tech-Industrie gilt, musste man für Luxuswohnungen um neun Prozent mehr hinlegen als vor einem Jahr. Das absolut teuerste Pflaster ist Monaco. Für eine Million Dollar bekommt man dort 17 Quadratmeter 1A-Immobilie („Prime Property“). In London erhält man für diesen Betrag 30 Quadratmeter, in Paris 55.

 

Sorgen um nächste Generation

Indes machen sich die Superreichen um die nächste Generation Sorgen. 62 Prozent fürchten, dass diese das Vermögen verschwendet, 58 Prozent machen Erbschaftssteuern Kopfzerbrechen. 52 Prozent grübeln, wie sie das Vermögen gerecht unter den Kindern aufteilen, und 46 Prozent fragen sich, ob es nicht besser wäre, wenn die Kinder ihr eigenes Vermögen verdienten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2017)

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