Aktien kaufen mit Rabatt

Mit Discount-Zertifikaten erwirbt man indirekt Aktien mit einem Preisabschlag, ist also nach unten ein bisschen abgesichert. Doch verzichtet man dafür auf allzu hohe Gewinnchancen. Denn der Ertrag ist nach oben begrenzt.

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Wien. So manch einer erwirbt eine Aktie, erlebt, wie sie fällt, und ärgert sich: Hätte er doch nur später gekauft. Wer stattdessen ein Discount-Zertifikat erwirbt, muss sich unter Umständen ein bisschen weniger ärgern. Bei einem solchen handelt es sich – wie bei allen Zertifikaten – um die Schuldverschreibung einer Bank. Über diese investiert man indirekt in einen Basiswert: Das kann etwa eine Aktie oder ein Aktienindex sein.

Den Basiswert bekommt man quasi mit Rabatt. Man bezahlt für das Discount-Zertifikat also weniger, als man für den Basiswert selbst hinlegen müsste. Am Ende der Laufzeit bekommt man trotzdem den Gegenwert des Basiswerts zurück. Hat sich dieser nicht bewegt, gewinnt man dank des Discounts. Ist der Basiswert leicht gefallen, gewinnt man unter Umständen auch noch. Ist er stark gefallen, verliert man weniger als mit einem Direktinvestment in den Basiswert. Steigt er leicht, gewinnt man umso mehr.

Nun der Haken: Steigt der Basiswert stark, hat man davon nur wenig. Denn bei Discount-Zertifikaten gibt es eine Gewinnobergrenze (den „Cap“), und mehr als diesen erhält man keinesfalls.

Geeignet sind solche Zertifikate für Anleger, die mit einer Seitwärtsentwicklung des Basiswerts rechnen und erwarten, dass er allenfalls leicht steigt oder fällt. Erwarten sie einen starken Kursanstieg, sollten sie besser direkt in den Basiswert investieren. Rechnen sie hingegen mit einem starken Kurseinbruch, sollten sie weder in das Zertifikat noch in den Basiswert investieren.

 

Kleiner Discount, großer Cap

Ein Beispiel: Bis 29. September 2017 läuft ein bereits emittiertes Zertifikat (ISIN: AT0000A1P1D8) der Erste Group mit dem Basiswert Buwog. Die Aktie wurde vorige Woche um 23,14 Euro gehandelt, das Zertifikat erhielt man hingegen bereits um 22,82 Euro. Das entspricht einem vergleichsweise mageren Abschlag von etwas mehr als einem Prozent. Dafür liegt der Cap bei 26 Euro. Sollte die Buwog-Aktie in den nächsten sechs Monaten nicht höher steigen, partizipiert man voll am Kursanstieg – zusätzlich zum Discount. Die Immobilienaktie, die seit drei Jahren an der Börse gehandelt wird, kostete noch nie so viel. Das Papier befindet sich im Aufwärtstrend, doch kann es zwischenzeitlich nach unten gehen: Zwischen März und Juni 2015 verlor die Aktie fast 16 Prozent. Da wäre der Discount nur ein schwacher Trost gewesen.

Eine Restlaufzeit von noch fast einem Jahr (bis 30. März 2008) hat etwa ein Zertifikat (ISIN: AT0000A1LVJ2) der Raiffeisen Centrobank mit der Immofinanz als Basiswert. Dieses kostet derzeit 1,69 Euro und ist damit billiger als die Immofinanz-Aktie (1,78 Euro). Der Cap liegt bei 2,10 Euro. Bis zu diesem Wert kann die Immofinanz-Aktie steigen, und man würde noch immer voll an diesem Anstieg partizipieren und zusätzlich noch den Rabatt erhalten. Steigt sie hingegen sehr stark, wäre man mit einem Direktinvestment in den Basiswert besser dran.

 

Ein bisschen abgesichert

Die Immofinanz-Aktie hat sich in der Vergangenheit aber als äußerst volatil erwiesen. Seit einem Jahr hat das Papier des Immobilienkonzerns, der verzweifelt nach einem Käufer für sein Russland-Portfolio sucht, fast ein Drittel seines Werts verloren. 2007 kostete die Aktie mehr als vier Mal so viel wie derzeit. Immerhin sind Anleger mit einem Discountzertifikat ein wenig nach unten abgesichert.

Doch gibt es einen zweiten Haken bei Discount-Zertifikaten. Wie bei allen Zertifikaten handelt es sich um Schuldverschreibungen von Banken. Gehen die Banken pleite, verliert man auch dann, wenn sich der Basiswert günstig entwickelt. (red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2017)

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