Chinas Griff nach dem weltweiten Netz

Im Wettlauf um die virtuelle Vorherrschaft steigen einige chinesische Großkonzerne immer weiter in der Liga der Netzgiganten auf. Ein guter Grund für Anleger, sich Investmentchancen anzusehen.

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Wien. Noch gibt es eine große Zahl an Menschen, die nicht an das Internet angeschlossen sind. Laut Unesco sind es fast vier Milliarden, wobei die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern immer weiter zunimmt. In letzteren nutzen nur 41,3 Prozent das Internet.

Immerhin, im mächtigsten Schwellenland China holt man gerade zügig auf. Bereits 2015 nutzten dort rund 685 Millionen Menschen das Internet. Die Zahl dürfte in den kommenden Jahren noch gehörig anschwellen, zumindest wenn es nach den Prognosen des US-Branchenanalysten eMarketer geht. Bis 2020 dürften es fast 870 Nutzer sein. Ein immer größerer Teil davon benutzt dazu obendrein ein Smartphone, was die Reichweite des Internets erhöht.

Und das macht sich schon jetzt bemerkbar. Allein im Vorjahr erreichten die Online-Umsätze in China ein Volumen von 750 Mrd. Dollar, wie die chinesische Statistikbehörde mitteilte, mehr als in den USA und England zusammen. Verständlich, dass auch einige chinesische Internetunternehmen einen rasanten Höhenflug verzeichnen. Dabei beherrschen drei Giganten die Suchmaschinen- und E-Commerce-Landschaft: die Suchmaschine Baidu, der Onlinehändler Alibaba und der Internet-Nachrichtendienst Tencent. Für sie hat man deshalb das Akronym „BATs“ ins Leben gerufen.

 

Baidu Suchmaschine Nr. 1

Baidu hat in China den größten Marktanteil im Suchmaschinenbereich, Alibabas Online-Auktionsportale Taobao und TMall haben mit monatlich 529 Millionen aktiven mobilen Nutzern die Vorherrschaft im Onlineshopping, „und ein Drittel der 963 Millionen Anwender von WeChat nutzt die App täglich vier Stunden oder länger“, betont Ashwin Alankar, globaler Leiter der Asset Allocation bei Janus Henderson. Über WeChat kann man Ärzte zum Beispiel nach Ort, Fachrichtung und Preis suchen oder Termine vereinbaren. Im Restaurant rufen WeChat-Nutzer die Speisekarte auf ihrem Handy auf, um mobil zu bestellen und zu bezahlen. Im Gegenzug dafür erhält Tencent allerdings jede Menge Daten über die Nutzer.

Das kräftige Wachstum hinterlässt auch an der Börse markante Spuren. Schon im vergangenen Mai rückten Alibaba und Tencent in den elitären Kreis der elf globalen „Titanen“ auf, zeigt Alankar auf. Die Zahlen, die dahinter stecken, sind beachtlich. Denn aufgenommen werden Unternehmen erst ab einem Börsenwert (Aktienkurs mal Anzahl an Aktien) von mehr als 300 Milliarden Dollar.

Das bringt auch die Finanzwelt auf den Plan. Inzwischen wurde der Solactive China Internet Performance Index ins Leben gerufen. Die Messlatte beinhaltet die zehn größten chinesischen Firmen, die primär im Internetsektor tätig sind. Nebst den bereits erwähnten drei Schwergewichten umfasst der Index etwa auch JD.com, eine chinesische E-Commerce-Firma, sowie das Online-Reisebüro ctrip.com. Mit dem Indexzertifikat, das die Deutsche Bank darauf begeben hat (DE000DB2CNT8), können interessierte Anleger auf die Wertentwicklung setzen.

 

Hebel ist riskant

Alternativ können Anleger auf den größten Indexwert Baidu setzen, mittels eines Turbozertifikats von der UBS (DE000UX2G9V3). Der aktuelle Hebel liegt bei 5,37. Je weiter allerdings der Kurs steigt, desto geringer wird der Hebel. Sollte der Baidu-Kurs hingegen sinken und die Knock-Out-Schwelle von 199,9122 Dollar berühren oder unterschreiten, verfällt das Zertifikat wertlos. Somit ist letzteres Zertifikat nur für weit risikobewusstere Anleger geeignet als das Indexzertifikat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2017)

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