Auf hochriskante Anleihen setzen?

Zinsen. Anleihen werfen meist weniger ab, als es auf den ersten Blick aussieht. Nur sehr hoch verzinste Papiere schlagen das Sparbuch, doch ist dort auch das Risiko entsprechend hoch.

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dapd

[Wien/ker] Wer sein Geld aufs Sparbuch legt, muss dafür Zinsen in Kauf nehmen, die mit der Inflation nicht Schritt halten können. Wenn man sich schon über die niedrigen Zinsen beklagt, dann muss man mehr Risiko eingehen. Wie wäre es etwa mit Staatsanleihen von schuldengeplagten Eurostaaten? Da bekäme man hohe Renditen, liest man oft.

Experten raten meist ab: Bei solchen Papieren sei auch das Risiko sehr groß, dass diese Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Langfristige Anleihen solcher Staaten seien daher nicht zu empfehlen. Wenn, dann sollte man nur in kurzfristige Papiere investieren. Doch zahlt sich das wirklich aus? „Die Presse" rechnet nach.

Hohe Kosten

Da gäbe es etwa eine kurzfristige spanische Staatsanleihe (ES00000122R7) mit einer restlichen Laufzeit von etwas mehr als einem Jahr und einem Kupon von 2,5 Prozent. Der Anleger bekommt das Papier geringfügig „unter Pari". Das ist gut für ihn. Er muss weniger für die Anleihe bezahlen, als er in einem Jahr zurückbekommt.

Der Anleger steckt nun 5000 Euro in diese Anleihe mit der Absicht, sie bis zum Schluss zu halten. Welche Rendite erzielt er nach Abzug der Kosten und Steuer? Weniger als zwei Prozent pro Jahr. Denn so billig bekommt er das Papier gar nicht. Hinzu kommen Kosten für die Transaktion und Depotgebühren. Mit dieser Investition wird der Anleger wohl einen realen Kaufkraftverlust erleiden. Bei einer Direktbank bekommt man für ein Sparbuch mit einjähriger Bindung netto nur geringfügig weniger als für die spanische Anleihe.

Ein Jahr Restlaufzeit für eine Anleihe ist aber auch wirklich kurz. Eine andere Anleihe aus Spanien läuft noch knapp zwei Jahre (ES0000012098). Der jährliche Zins macht 4,75 Prozent aus. Das ist schon attraktiver. Dafür ist das Papier teurer. Wenn man Anleihen im Wert von 5000 Euro kauft, muss man dafür rund 5115 Euro hinblättern. Was schaut dabei in zwei Jahren heraus? Eine Nettorendite von knapp zwei Prozent jährlich - bei höherem Risiko.

Wenn man als Privatanleger noch mehr Zinsen will, muss man schon in längerfristige investieren. Etwa in ein zehnjähriges Schuldpapier (ES00000123K0). Der Kupon macht 5,85 Prozent aus, die Anleihe bekommt man billig. Soll heißen, für den privaten Anleger winkt eine hohe Rendite, wenn er das Papier bis 2022 hält: netto knapp vier Prozent jährlich (also nach Steuer und Kosten, plus der zusätzlichen Verzinsung der jährlichen Kuponbeträge, Anm.). Das klingt nicht schlecht. Nur: Ob Spanien bis dahin seine Schulden bedienen kann und ob es die Eurozone dann noch gibt, ist fraglich. Für Privatanleger wäre das schon eine spekulative Wette, die sich wohl viele nicht antun möchten.

Zum Vergleich: Zehnjährige Anleihen der als sicher geltenden Eurostaaten bieten mehr Sicherheit. Für diese (vermeintliche) Sicherheit muss man aber ordentlich bezahlen. Etwa für eine deutsche Bundesanleihe (DE0001135473). Dieses Papier wirft einen jährlichen Zins von nur 1,75 Prozent ab. Hält man es zehn Jahre, macht man damit eine jährliche Rendite von deutlich unter einem Prozent.

Gute Anleihen sind teuer

Die Inflation müsste in den zehn Jahren somit ausgeschaltet werden, um damit keinen realen Verlust zu erleiden. Nur wenig besser schaut es bei einer österreichischen Staatsanleihe aus, die etwas länger als zehn Jahre läuft (AT0000A0U3T4). Hier macht der jährliche Zins zwar 3,4 Prozent aus. Aber die Anleihe ist derzeit sehr teuer. In den zehn Jahren macht man netto etwas mehr als ein Prozent jährlich. Das wird ein realer Verlust. So viel kann man heute schon sagen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30. August 2012)

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