Ethische Anleihen: Was kostet das gute Gewissen?

Mit einer neuen Anleihe können Privatanleger bei der „Energiewende“ mithelfen – ein Verlustgeschäft. Schuld daran sind aber nicht ethische Investments an sich.

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[Wien/ker] Das Geld vermehren - und dabei gleichzeitig nachhaltig umweltbewusst handeln. Man könnte es auch Investieren mit gutem Gewissen nennen. Aber was kostet einen Privatanleger dieses gute Gewissen?

Aktuell haben österreichische Kleinanleger eine Chance, bei der Energiewende mitzuhelfen. Die Erste Group begibt nämlich eine Anleihe, mit deren Erlös ausschließlich Projekte für Erneuerbare Energie finanziert werden (ISIN: AT000B007570). Vorrangig wird das Geld in Windkraft-Projekte in Niederösterreich und im Burgenland gesteckt. Beispielsweise in den Windpark Dürnkrut-Götzendorf (Niederösterreich).

Die Erste Bank fühle sich der Thematik der erneuerbaren Energie verpflichtet, die Energiewende müsse schließlich ja auch finanziert werden, pflichtet Erste-Vorstand Peter Bosek bei. Und was schaut dabei für die Investoren heraus?

Für Kleinanleger geeignet

Die gute Nachricht: Die Anleihe ist für private Anleger deswegen geeignet, weil man bereits ab 3000 Euro Nennwert einsteigen kann. Die Laufzeit beträgt 6,5 Jahre. Und dafür gibt es einen jährlichen Zins von zwei Prozent fix.

Steuern und Kosten sind dabei allerdings noch nicht inkludiert. Zu den entscheidenden Kosten zählt etwa der erhöhte Kaufkurs („über-pari"). Wenn der Anleger heute diese Anleihe im Wert von 3000 Euro kauft, muss er 3060 Euro berappen. Freilich bekommt er nach den 6,5 Jahren nur 3000 Euro zurück. Das dämpft die Rendite schon einmal.

Spesen dämpfen Rendite

Wenn man von den jährlichen Zinszahlungen die Steuer und die Depotgebühren abzieht, schaut es nicht mehr so rosig aus. Die jährliche Rendite macht damit netto knapp 0,6 Prozent aus. Und zwar dann, wenn der Anleger das Papier bis zum Ende der Laufzeit hält. Er kann es auch vorzeitig abstoßen, ob er damit einen Gewinn erzielen kann, ist allerdings fraglich.

Rechnet man schließlich auch noch eine Inflation von moderaten zwei Prozent jährlich entgegen, erleidet der Anleger einen deutlichen realen Verlust. Und zwar von insgesamt fast neun Prozent nach den sechseinhalb Jahren. Salopp könnte man sagen, dass dem Anleger das gute Gewissen der Umwelt gegenüber in den nächsten Jahren ein Minus von neun Prozent beschert.

Dieses Fazit wäre aber dann doch zu vorschnell. Schließlich ist das Zinsniveau derzeit allgemein sehr, sehr tief. Und der Vergleich mit anderen Anlageprodukten steht noch aus.

Etwa mit der neuen Anleihe der Bank Austria. Hier geht es nicht um ethische Aspekte, die Nachhaltigkeit der Umwelt spielt keine Rolle. Im Vordergrund stehen steigende Zinsen, zumindest auf den ersten Blick. Der „Stufenzins-Pfandbrief" (ISIN: AT000B049309) läuft acht Jahre.

Die Verzinsung schaut zunächst einmal relativ unübersichtlich aus: Im ersten Jahr bekommt der Anleger einen Zins von 0,75 Prozent, im zweiten Jahr ein Prozent. Danach steigt der Zins jährlich um 0,125 Prozentpunkte. Im achten - und letzten - Jahr gibt es zwei Prozent.

Um es aber auf den Punkt zu bringen: Wenn der Kunde dieses Papier heute kauft und bis zum Ende der Laufzeit behält, erzielt er eine Nettorendite von gerade einmal 0,7 Prozent jährlich. Und das, obwohl der Einstiegspreis derzeit noch günstig liegt. Steuern und Kosten sind dabei schon abgezogen (und jährliche Sparbuchzinsen aus den Zinskupons miteinberechnet).

Inflation frisst Zinsen

Die Inflation ist allerdings noch nicht berücksichtigt. Angenommen sei hier wieder das sehr optimistische Szenario, dass die Teuerungsrate jährlich nur zwei Prozent beträgt. Dann macht der Anleger nach acht Jahren einen realen Verlust von über zehn Prozent. Ganz ohne ethischen Hintergedanken.

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