Gerald Hörhan: „Sein Geld nicht verprassen“

Der selbst erklärte „Investment-Punk“ Gerald Hörhan hält nichts davon, ein „Haus auf Pump in der Pampa“ zu kaufen und mahnt zu Disziplin: Wenn man Geld hat, müsse man sich darum kümmern, es zu behalten.

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Gerald Hörhan – Die Presse

Die Presse: Wann ist Ihnen zum ersten Mal aufgefallen, dass Geld nicht ganz unbedeutend ist?

Gerald Hörhan: Schon in der Schule. Meine Eltern haben in einer Gegend gelebt, die wohlhabender war, als es meine Eltern waren. Da habe ich schon gemerkt, dass man sich mit Geld leichter tut. Mein Vater hat sich einmal über die Leute beschwert, die mit großen Autos vor der Schule parken. Da habe ich mir gedacht, dass auch ich einmal mein Kind mit einem großen Auto vor die Schule fahren will. Als ich dann zum Studieren in die USA gekommen bin, gab es zwischen den „Haves“ und den „Have-nots“ eine unsichtbare Trennwand, die dicker war als die Berliner Mauer und die Chinesische Mauer zusammen.

Und Sie waren bei den „Have-nots“?

Definitiv. Ich habe eine Stipendium gehabt. Die Leute, die wenig Geld hatten, mussten sich um einen Job und um gute Noten kümmern. Die Kinder aus vermögenden Familien konnten an gesellschaftlichen Empfängen, Partys oder Pferderennen in England teilnehmen.

Waren Sie neidig?

Am Anfang kurzfristig ja. Aber mir war relativ schnell klar, dass manchen eben mehr mitgegeben wird und anderen weniger. Das kann man seinen Eltern auch nicht vorwerfen. Und mir war klar, wenn ich etwas erreichen und zu Wohlstand kommen will, muss ich dafür hart arbeiten.

Es gibt aber auch Leute, die hart arbeiten und trotzdem nicht reich werden.

Das hängt ja auch von ihren Zielen ab. Wenn man das Ziel hat, Uniprofessor für Mathematik zu werden oder den Nobelpreis zu erhalten, dann sind andere Dinge wichtiger. Wenn eines der Ziele ist, monetär gut dazustehen und Wohlstand aufzubauen, dann muss man sich die Ziele entsprechend setzen. Was ich in meinen Büchern anprangere ist, dass sich die Leute zu 80 Prozent in einem Hamsterrad befinden. In der Früh aufstehen, dann mit dem Auto in die Arbeit fahren, beim Chef reinschleimen, Sachen bearbeiten, damit man irgendwann zum Obersachbearbeiter wird. Am Abend nach Hause kommen in ein Haus, das man sich auf Pump in der Pampa gekauft hat. Und am Ende des Monats bleibt vor lauter Schulden nichts übrig. Wovor ich jedem abrate, ist, ein Eigenheim auf Pump in der Pampa zu kaufen und Konsumschulden zu machen.

Die Österreicher machen aber kaum Konsumschulden.

Aber gerade unter Jugendlichen wird das Thema immer größer. Beginnend beim Handy. Da gibt es viele junge Leute, die schon hohe Schulden haben. Und damit gräbt man sich sein Grab und macht sich freiwillig oder aufgrund mangelnder Ausbildung zum Sklaven.

Wofür darf man Ihrer Ansicht nach dann Schulden aufnehmen?

Es gibt drei Arten von Schulden: Investmentschulden – also Schulden, die man aufnimmt, um eine Wohnung oder eine Firma zu kaufen. Wenn man das gut macht und maßvoll, wird das andere mehr wert, und die Schulden sind abgedeckt. Das Zweite sind Konsumschulden. Hier kauft man etwas, was nach einem Jahr fast nichts mehr wert ist. Das Dritte sind Schulden für eine sehr gute Ausbildung.

Haben Sie jemals Schulden gemacht?

Nur Investmentschulden.

Warum haben Sie auf eine Karriere bei McKinsey oder JP Morgan verzichtet?

Ich habe nach zwei Jahren in den Unternehmen gemerkt, dass das nicht meine Welt ist. In großen Konzernen gibt es viele Regeln, man muss sich sehr an das System anpassen, und es dauert sehr lange, bis man etwas erreichen kann.

Und wie viel Geld haben Sie heute?

Ich müsste heute nicht mehr arbeiten und könnte von den Erträgen aus meinem Vermögen leben. Aber es geht auch darum, sein Geld nicht zu verprassen. Wie viel Vermögen Sie auch immer haben: Wenn Sie sich nicht darum kümmern, kann man auch ein großes Vermögen verlieren.

Was fällt unter „Verprassen“?

Wenn jemand 1000 Euro im Monat verdient und in der Disco dann 200 ausgibt, dann steht das in keinem Verhältnis. Das ist reines Verprassen, weil man dasselbe Getränk im Supermarkt um 20 Euro bekommt. Da steht kein Wert dahinter.

Wann haben Sie selbst das letzte Mal Geld verprasst?

Ich bin kein Konsumverächter. Ich lebe gern gut, und ich feiere auch gern gut. Aber ich verprasse mein Geld sehr ungern. Mein teuerstes Hobby sind die Autos. Die kosten etwas Geld. Aber auch die habe ich entweder gebraucht oder aus Spezialsituationen heraus gekauft.

Wo ist bei Ihrem Leben der Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit?

Bei mir vermischt sich das. Wenn ich mit einem meiner Kunden Sportwagen fahren oder Essen gehe, um das Geschäft zu besprechen, ist es die Frage, ob das Arbeit oder Freizeit ist. Aber man muss diszipliniert sein. Wenn ich mit einem Kunden gut essen gehe, dann saufe ich mich nicht nieder, das wäre blamabel. Ohne Disziplin bewegt sich das Geld von einem weg.

Sie legen eine Punk-Attitüde an den Tag. Aber hier vor uns sitzen Sie in Hemd und Sakko.

Ich schaue ja trotzdem nicht aus wie ein Investmentbanker. Und ich glaube, die Kleiderordnung der Schweizer Bank UBS würde ich trotzdem nicht erfüllen, da würde ich aufgrund meiner Schuhe, der Haare und vieler anderer Dinge rausgeschmissen werden.

Haben Sie bei den Kunden Probleme wegen Ihres Aussehens?

Eher das Gegenteil. Wenn zu einem Kunden 25 graue Mäuse im selben Anzug und mit derselben Krawatte kommen, dann kann sich der Kunde sicherlich an mich erinnern.

Verändert Geld die Menschen?

Viel Geld macht aus einem Arschloch ein großes Arschloch und aus einem guten Menschen oder fähigen Unternehmer einen noch fähigeren. Wenn man Geld hat, kann man eine Schule gründen oder eine Waffenfabrik eröffnen.

Zur Person

Gerald Hörhan (36) hat in Harvard Mathematik und BWL studiert und für die Unternehmensberatung McKinsey und die Investmentbank JP Morgan gearbeitet. Heute lebt er als selbstständiger Berater, Investor und Buchautor in Wien. Sein erstes Buch „Investment Punk“ hat ihn in Österreich bekannt gemacht. Aktuell von Hörhan erschienen: „Gegengift – Europa stiehlt euch die Zukunft“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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