Wohnbauanleihen als Sparbuchalternative

Für Wohnbauanleihen zahlt man im günstigsten Fall keine Steuer. Und sie sind billig zu haben. Im Vergleich zu anderen Anlagen sind sie gar nicht mehr so "bieder".

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Wohnbauanleihen Sparbuchalternative
c Clemens Fabry

Wien/Ker. Das hört sich ja gut an: Jährlich steigende Zinsen, keine Kapitalertragsteuer, relativ hohe Sicherheit. Wohnbauanleihen gelten noch immer als biederes Investment. Zu Recht? In Zeiten extremer Zinsen könnte sich das ändern. Eine Wohnbauanleihe der Bank Austria (ISIN: AT000B074398) wirft für dieses Jahr zwar nur einen Zins von einem Prozent ab. Der jährliche Zins erhöht sich aber in den nächsten zwölf Jahren auf bis zu 3,5 Prozent. Und das, wie gesagt, steuerfrei. Denn bei dieser Anleihe sind Zinsen bis vier Prozent steuerfrei. Das ist ein klarer Punktsieg gegenüber dem Sparbuch oder Unternehmens- und Staatsanleihen, denn dort werden die Zinserträge voll mit 25 Prozent belastet. „Das macht ein Investment in Wohnbauanleihen attraktiv“, verspricht ein Bankberater der Bank Austria.

Ein Szenario: Der Anleger kauft Wohnbauanleihen zum Nennwert von 3000 Euro. Der Preis ist derzeit günstig, „denn der Kaufpreis liegt unter dem Nennwert“, erklärt der BA-Bankberater. Der Preis liegt nämlich bei rund 98Prozent des Nennwerts, am Ende bekommt man aber die vollen 100 Prozent zurück. Das erhöht die Rendite. Aber reicht das aus, um die Kaufkraft des Geldes zu erhalten? Nach zwölf Jahren bekommt der Kunde einen reinen Zinsertrag von fast 800 Euro. Davon muss er die Depotspesen abziehen, für den Kaufkurs („unter-pari“) gibt es einen Zuschlag. Schlussendlich erzielt er eine jährliche Rendite von 1,9 Prozent (nach Kosten).

Geringe Kurssprünge

Aber: Die Inflation ist noch nicht berücksichtigt. Sollte die Inflationsrate jährlich bei – äußerst günstigen, aber laut Einschätzung vieler Ökonomen eher unwahrscheinlichen – zwei Prozent liegen, erleidet der Anleger einen kleinen Realverlust. Und zwar von insgesamt fast 1,5 Prozent nach dem Ende der Laufzeit.

Das klingt doch nicht so rosig. Schließlich ist eine Laufzeit von zwölf Jahren schon wirklich lang. Da bleibt dem Anleger die Hoffnung, dass der Anleihekurs steigt und er vorzeitig mit Gewinn verkaufen kann. Riesenkurssprünge sind bei solchen Anlagen tendenziell aber eher ungewöhnlich. Außerdem fallen dann auch Spesen und die Gewinnsteuer an.

Im Vergleich zu anderen Anlagen sind die Zinserträge der Wohnbauanleihe nicht so unattraktiv. Bleiben wir bei der Bank Austria: Die bietet für ein langfristiges Kapitalsparbuch 2,375 Prozent jährlich. Und zwar dann, wenn das Geld 84 Monate (oder sieben Jahre) gebunden bleibt. Aber da kommt noch die Steuer weg. Im Endeffekt bleibt dem Anleger ein nominaler Ertrag von rund 1,7 Prozent jährlich. Nach Abzug der Inflationsrate liegt der Verlust nach sieben Jahren bei über zwei Prozent. Da steigt man schlechter aus als mit der Wohnbauanleihe (doch ist das Kapital um fünf Jahre weniger gebunden).

Was bleibt dem Anleger im risikoarmen Bereich sonst übrig? Auf sichere Staatsanleihen setzen? Etwa auf eine Anleihe aus Österreich. Der Patriotismus in Zeiten heimischer Ski-Weltmeisterschaften ist schließlich sehr ausgeprägt. Eine Österreich-Anleihe (ISIN: AT0000A0U3T4) wirft jährlich 3,4Prozent ab und läuft noch bis Ende 2022, also noch fast zehn Jahre. Einen großen Haken gibt es dabei allerdings, den Kaufpreis. Der liegt nämlich um deutlich über zehn Prozent über dem Nennwert.

Staatsanleihen bringen weniger

Soll heißen, man berappt mehr und bekommt nach den zehn Jahren weniger zurück. Steuer, Depot- und Transaktionskosten reduzieren den Ertrag zusätzlich. Zinsen aus der Wiederveranlagung der jährlichen Kuponzahlungen kommen hinzu.

In Zahlen ausgedrückt: Der jährliche Nettoertrag (also nach Kosten und Steuer) liegt niedriger als ein Prozent. Das ist sehr mager. Nach Abzug der Inflation summiert sich der reale Verlust nach zehn Jahren auf rund elf Prozent. Anders formuliert: Die Sicherheit des Staates Österreich brockt dem Anleger einen Verlust von rund elf Prozent ein. Da fährt man mit der Wohnbauanleihe der Bank Austria besser. Außer jedoch, die sicheren Staatsanleihen erleben in den nächsten Jahren einen ähnlichen Kursaufschwung wie zuletzt.

Eine riskante Spekulation: Denn sollten die Marktzinsen in einigen Jahren wieder ansteigen, dann verlieren festverzinsliche Anleihen im Normalfall an Wert. Dann geht es mit dem Kurs in die andere Richtung.

Auf einen Blick

Wohnbauanleihen sind, wenn man rein die Zinsen betrachtet, ein eher biederes Investment, mit dem es wohl nicht möglich sein wird, sein Geld vollständig vor der Inflation zu schützen. Dennoch schneiden sie im Vergleich zu anderen risikoarmen Anlagen nicht so schlecht ab. Und manche Banken betonen einen sozial vernünftigen Aspekt: Das Geld fließe in den Wohnbau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2013)

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