Hedgefonds schlechter als der Markt

16.07.2012 | 18:38 |   (Die Presse)

Anlagestrategie: In den vergangenen Jahren hinkten Hedgefonds sowohl den Börsen als auch breit aufgestellten Mischfonds hinterher. Der Druck auf die Branche wächst.

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Frankfurt/Bloomberg/B.l. Bevor sie Hedgefonds entdeckten, setzten die Pensions- und Stiftungsfonds weltweit traditionell auf Portfolios, deren Zusammensetzung zu 60Prozent aus Aktien und zu 40Prozent aus Anleihen bestand. Vielen von ihnen ginge es besser, wenn sie bei diesem Anlagemuster geblieben wären.

In den vergangenen fünf Jahren hinkten Hedgefonds sowohl der Entwicklung des US-Aktienindex S&P-500 als auch eines Indexfonds des Anbieters Vanguard, der zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40Prozent aus Anleihen besteht, hinterher, zeigen Bloomberg-Daten.

Hedgefonds verfolgen unterschiedliche Strategien: Die bekannteste heißt „Long-Short“: Sie kaufen Wertpapiere, von denen sie hoffen, dass sie steigen („long“), und verkaufen Papiere, die sie gar nicht besitzen, bei denen sie aber mit Kursrückgängen rechnen. Wenn der Kurs gefallen ist, liefern sie sie nach („short“). Sie erhöhen ihre Renditechancen mit Kredit, setzen auf Zins- und Währungsschwankungen, kaufen Anleihen sanierungsbedürftiger Firmen zu günstigen Konditionen. Sie setzen auf Preisunterschiede an verschiedenen Aktien- oder Rohstoffbörsen („Arbitrage“) oder spekulieren auf globale Trends, etwa Änderungen in der Wirtschaftspolitik.

 

Unsicherheit setzt den Fonds zu

Mit diesen Strategien bewähren sie sich in guten wie schlechten Börsenphasen. In Zeiten hoher Unsicherheit und Volatilität (wie derzeit) verschätzen sie sich aber häufig. Der wichtigste Hedgefonds-Index von Bloomberg, der 2697 Fonds abbildet, büßte in den fünf Jahren bis zum 30.Juni 2,2Prozent pro Jahr ein. Der Vanguard Balanced Index Fund mit seiner 60-40-Gewichtung von Aktien und Anleihen hat in dem Zeitraum jährlich 3,5Prozent gewonnen, und der S&P-Index kommt auf 0,2 Prozent plus pro Jahr.

Die schlechte Entwicklung der vergangenen Jahre hat dazu beigetragen, dass bei den US-Pensionsfonds geschätzte vier Billionen Dollar an Zahlungsverpflichtungen nicht abgedeckt sind. Investoren wie der kalifornische Pensionsfonds California Public Employees' Retirement System (Calpers) werfen vor diesem Hintergrund die Frage auf, ob wirklich jeder Hedgefondsmanager die in der Branche üblichen Gebühren von zwei Prozent der Anlagen und 20 Prozent des Gewinns wert ist. Calpers-Investmentchef Joseph Dear hat bereits im Mai angekündigt, dass er nicht mehr willens sei, Hedgefonds-Managern die üblichen Gebühren zu zahlen, wenn sie den Markt nicht schlagen.

Aufgrund ihrer Größe falle es der Branche immer schwerer, bessere Ergebnisse als andere Anlagekategorien einzufahren, sagt Simon Lack, ein früherer Manager bei JPMorgan und Autor des Buches „The Hedge Fund Mirage“. „Immer mehr Geld jagt immer weniger Gelegenheiten hinterher“, sagt Lack.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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