Ist investieren leichter geworden?

Die Geldschwemme ließ zuletzt (fast) alle Anlageformen steigen. In den USA verzichteten Anleger zunehmend auf Fondsmanager. Das könnte sich bald ändern.

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Wien. Die Flut hebt alle Boote, lautet eine Börsenweisheit. Tatsächlich war es dank der Geldschwemme der Notenbanken in den vergangenen zwölf Monaten nicht schwer, mit Aktien wie mit Anleihen positive Veranlagungserträge zu erzielen. Der DAX schaffte auf Einjahressicht ein Plus von 27 Prozent, sogar der chronisch schwächelnde ATX legte um drei Prozent zu. Der weltweite Aktienindex MSCI World verteuerte sich um sechs Prozent; auf Eurobasis waren es sogar 36 Prozent. Im gleichen Zeitraum rutschten die Renditen vieler Staatsanleihen weiter ab, was den Inhabern Kursgewinne brachte.

Wenig überraschend hielten sich auch Fonds gut, wie die Statistik der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) zeigt. Verloren haben nur manche Themenfonds, etwa Rohstoff-, Öl- und Energiefonds.

1486 von 1573 heimischen Investmentsfonds weisen per Ende März eine positive Zwölfmonatsperformance aus. Vier Fonds schafften eine Nullperformance, nur 83 haben verloren.

Österreich-Fonds besser als ATX

Im Schnitt lag die Einjahresperformance der Fonds bei 12,7 Prozent. Starke Ausreißer gab es vor allem bei Aktienfonds mit speziellem Branchenfokus: Die beste Einjahresperformance erzielten Fonds mit dem Themenschwerpunkt Biotech oder Gesundheit. Sie haben auch auf Dreijahressicht die Nase vorn. Innerhalb der Regionen warfen Aktienfonds mit US-Schwerpunkt die höchsten Erträge ab. Verluste auf Einjahressicht gab es für Rohstofffonds, auf Dreijahressicht für Goldfonds.

Doch braucht man überhaupt einen Fondsmanager, um solche Erträge zu erzielen, oder kann man Kosten sparen und in einen passiv gemanagten börsengehandelten Fonds (ETF) investieren, der einfach einen Index nachbildet?

Zumindest den heimischen Fonds mit Österreich-Schwerpunkt ist es in den vergangenen zwölf Monaten mehrheitlich gelungen, den MSCI Austria oder den ATX Total Return (also inklusive Dividenden) zu übertreffen. Drei von 13 Fonds weisen eine zweistellige Performance aus, nur zwei hielten sich schlechter als der ATX Total Return, der per Ende März ein knappes Einjahresplus von zwei Prozent schaffte. Doch war der ATX von einzelnen Schwergewichten nach unten gezogen worden, die mit speziellen Problemen zu kämpfen hatten (Banken, Ölwerte). Andere ATX-Werte wie Lenzing und Zumtobel oder Prime-Market-Titel wie Do&Co, AT&S oder S-Immo verzeichneten hohe Zugewinne.

In den USA, deren Notenbank Fed in den vergangenen Jahren eine extrem lockere Geldpolitik betrieben hat, war es für Fondsmanager jedoch schwer, ihre Benchmark zu schlagen: Dabei handelt es sich um den jeweiligen Vergleichswert, der für US-Fonds etwa der Dow Jones, der S&P 500 oder der Russell 2000 sein kann. Denn in den USA ließ die Flut tatsächlich viele Boote hochsteigen, gezielte Aktienauswahl auf Basis von Fundamentaldaten rechnete sich weniger.

USA-Anleger ziehen ETFs vor

Wie aus Daten von Bloomberg und Morningstar hervorgeht, hielten sich im Vorjahr nur 20 Prozent der Investmentfonds, die aktiv auf US-Aktien setzen, besser als ihre Benchmark. Je länger der Zeitraum, desto besser sind die Fonds. Auf Fünfjahressicht übertreffen sie zu 21 Prozent ihre Benchmark, auf Zehnjahressicht zu 34 Prozent und auf 15-Jahres-Sicht zu 58 Prozent.

Je länger der Anlagehorizont, desto besser schlugen sich aktiv gemanagte Fonds. Kurzfristig enttäuschten sie jedoch. Wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht, mussten aktiv verwaltete US-Aktienfonds Abflüsse von 98 Mrd. Dollar hinnehmen, während Indexfonds Zuflüsse von 167 Mrd. Dollar sahen. Die Fondsmanager hoffen, dass sich das ändert, wenn die Geldflut abebbt und Fundamentaldaten wieder an Bedeutung gewinnen. Dann wäre Stock Picking wieder mehr gefragt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2015)

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