Wie man von Aktienrückkäufen profitiert

Indexfonds. Immer mehr Unternehmen bauen Cash-Reserven durch Aktienrückkäufe und Dividenden ab. Daran können Anleger mit entsprechenden Indexfonds vergleichsweise günstig mitverdienen.

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(c) REUTERS (LUCAS JACKSON)

Wien. Eine Investmententscheidung ist im aktuellen Umfeld keine einfache Sache, die Zinsen verharren auf anhaltend tiefen Niveaus, und zahlreiche Aktienmärkte sind bereits gut gelaufen. Das stellt nicht nur Anleger vor eine Herausforderung. Auch Unternehmen überlegen sich genau, wie sie ihre Cash-Reserven ausgeben. Viele halten sich angesichts des schwachen Konjunkturausblicks mit allzu großen Investitionen zurück.

Seit Mitte der 1980er-Jahre nehmen die Cash-Bestände der Unternehmen des S&P-500-Index zu, zeigt Invesco-Power-Shares-Experte Michael Huber auf. Allein 2014 betrugen sie 1,4 Billionen Dollar. Weshalb dann nicht das Geld an Aktionäre retournieren? Dies könne sowohl in Form von höheren Dividenden als auch als Aktienrückkauf erfolgen, erklärt Ivan Durdevic von Amundi ETF & Indexing. Hier zeigen sich große regionale Unterschiede: In Europa entfielen im Vorjahr 79 Mrd. Euro auf Aktienrückkäufe und 310 Mrd. Euro auf Dividendenzahlungen. Anders in den USA. Hier machten Aktienrückkäufe mit 561 Mrd. Dollar den größeren Brocken aus, auf Dividendenausschüttungen entfielen 353 Mrd. Dollar. Setzt man Dividenden- und Rückkaufrendite zusammen, ergibt sich die Gesamt-Ausschüttungsrendite, erklärt Huber, sie lag im Vorjahr beim S&P 500 bei 5,2 Prozent.

 

Weniger in Zukunft investiert?

Dabei gibt es eigene Indizes, die laufend mit jenen Unternehmen „bestückt“ werden, die entsprechende Kriterien erfüllen. Gerade bei Ausschüttungen kann ein genaues Screening wichtig sein, um die Dividendenfalle zu vermeiden. Schließlich gebe es Aktien, die hohe Dividendenrenditen aufgrund eines starken Aktienkurseinbruchs verzeichnen. Weil aber eine genaue Selektion ohnedies auf Indexebene durchgeführt wird, können Anleger spesengünstig mit dem Kauf entsprechender börsengehandelter ETFs (Exchange Traded Funds) daran partizipieren. Diese Fonds bilden lediglich einen Index ab – ohne aktive, oft teure Entscheidungen eines Fondsmanagers.

Von der Black-Rock-Tochter iShares gibt es den US Equity Buyback Achievers (DE000A14MBJ0). Der Index (Nasdaq US Buyback Achievers) deckt Aktien an der Nasdaq, der NYSE sowie der NYSE MKT (Small Caps) ab, die aufgrund einer soliden Unternehmensfinanzierung Aktienrückkaufprogramme durchführen. Bahram Sadighian, Country Head Austria & CEE bei iShares, meint dazu: „Aus unserer Sicht könnte dieses Produkt als kurzzeitige Beimischung in institutionellen und privaten Portfolios geeignet sein.“ Der Grund dafür, dass ein langfristiges Investment hingegen schwierig sein könnte: „Diese Unternehmen reduzieren die Investitionen in Forschung und Entwicklung, somit investieren sie die Liquidität nicht in die Zukunft.“ Und: „Dividendenausschüttungen werden ebenfalls reduziert“, so Sadighian. Bei Invesco Power Shares geht man mit dem Power Shares Global Buyback Achievers (IE00BLSNMW37) ein Stück weiter. Hierin sind Aktien aus dem Nasdaq US Buyback Achievers sowie dem Nasdaq International Buyback Achievers enthalten.

Mit dem Amundi ETF MSCI Europe High Dividend (FR0010718874) werden die 100 umsatzstärksten Unternehmen aus 16 europäischen Ländern abgedeckt, die in ihren jeweiligen Ländern die höchsten Dividendenzahlungen aufweisen. Angesichts der Anleiherenditen könnten beide ETF-Strategien interessante Alternativen (freilich auch mit entsprechendem Marktrisiko) bieten.

Auf einen Blick

Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsegehandelte Fonds. Die Aktienauswahl wird von keinem Fondsmanager getroffen (weswegen auch keine Managementgebühren anfallen). Vielmehr werden einfach Indizes nachgebildet, etwa solche, die Aktien von Unternehmen enthalten, die umfangreiche Aktienrückkäufe durchführen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2015)

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