Nachhaltige Investments: Marktanteil steigt

Im Vorjahr ist das Segment der nachhaltigen Fonds überproportional gewachsen, das geht aus einer Auswertung hervor. Die meisten heimischen Fondsgesellschaften sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen.

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Wien.Im Vergleich zum Gesamtmarkt ist die Größenordnung immer noch bescheiden. Aber der Marktanteil nachhaltiger Investments in Österreich steigt. Und zwar nicht nur bei großen institutionellen Investoren, Spezialfonds und Stiftungen, sondern auch bei Publikumsfonds. Das geht aus einer Marktauswertung der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Unternehmensberatung RFU hervor.

Demnach verwalteten österreichische Fondsgesellschaften zum Jahresende 2015 sechs Milliarden Euro in 63 nachhaltigen Publikumsfonds. Innerhalb eines Jahres kamen sieben neue Fonds dazu, das Volumen stieg um rund 600 Millionen Euro oder zwölf Prozent. Das Segment wuchs gegenüber dem Gesamtmarkt überproportional und erreichte zum Jahresende einen Marktanteil von 7,8 Prozent.

Es gibt auch nur mehr relativ wenige heimische Fondsgesellschaften, die sich dem Thema gänzlich verschließen. Laut der Analyse haben 19 von 25 Anbietern nachhaltige Fonds in ihrer Produktpalette. Die größte ist die Erste Sparinvest mit 26 Prozent Marktanteil, gefolgt von der Raiffeisen KAG mit 17 Prozent (siehe Grafik auf Seite 11). Gleich hinter den beiden Branchenriesen rangieren zwei kleinere Anbieter, die Security KAG sowie die auf ethische Investments spezialisierte Schelhammer & Schattera KAG.

Was treibt Anleger dazu, ihr Geld in nachhaltige Fonds zu stecken? Idealismus spielt eine Rolle, dazu gesellt sich in volatilen Marktphasen die Hoffnung, dass solche Investments weniger stark schwanken (weil Unternehmen oder Staaten, die ethisch verantwortungsvoll wirtschaften, mehr Stabilität zugetraut wird). Keine Höhenflüge, aber auch ein geringeres Risiko für Abstürze, so lautet im Wesentlichen die Erwartungshaltung.

 

Frage der Definition

Nun ist das eine unbewiesene These – Indizes zeigen aber immerhin, dass nachhaltige Investments den Vergleich mit herkömmlichen nicht scheuen müssen. Ein Beispiel: der Nachhaltigkeitsindex Vönix, in dem Unternehmen gelistet sind, die an der Wiener Börse notieren und bei Nachhaltigkeitsratings gut abgeschnitten haben. Er feierte vergangenen Herbst sein zehnjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wurde seine Entwicklung mit dem ATX Prime verglichen, und langfristig schnitt er besser ab. Zwar büßte er seit seinem Start 9,7 Prozent ein, der ATX Prime verlor jedoch im selben Zeitraum 19,1 Prozent. Auch die Volatilität war beim Nachhaltigkeitsindex geringer. Bei kurzfristigerer Betrachtung war das Ergebnis ausgewogen: Auf Jahressicht schlug der Vönix fünfmal den ATX Prime, fünfmal schnitt er schlechter ab. Schaut man sich die Entwicklung von heuer an, verlaufen beide Kurven fast parallel. Den massiven Abstürzen im Jänner und in der zweiten Februarwoche konnten sich auch die Vönix-Titel nicht entziehen.

Eine andere Frage ist, wie Nachhaltigkeit überhaupt definiert wird. Die Kriterien und Standards sind unterschiedlich, die Überprüfung für Anleger schwierig und das Risiko, einem Werbeschmäh aufzusitzen, groß. RFU stellt den heimischen Fonds jedoch ein gutes Zeugnis aus: Viele können demnach auf Qualitätssiegel verweisen, werden also von externen Stellen geprüft. 32 der 63 Fonds tragen das staatliche „Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte“, elf Fonds weisen (meist zusätzlich zum Umweltzeichen) das 2015 eingeführte „FNG-Siegel für nachhaltige Publikumsfonds“ auf (initiiert vom Forum Nachhaltige Geldanlagen). Die Darstellungsstruktur des „Europäischen Transparenz Kodex für Nachhaltigkeitsfonds“ des europäischen Forums Eurosif verwenden 47 heimische Publikumsfonds. (cka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2016)

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