Diversifikation: Richtige Mischung für das raue Anlageklima

Das Vermögen richtig aufzuteilen wird für Anleger immer kniffliger. Hier spielen Mischfonds und Multi-Asset-Strategien ihre Stärken aus, wenngleich die Anbieter unterschiedliche Ansätze verfolgen.

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Wien. An dem aktuellen Dilemma wird sich wohl nicht so rasch etwas ändern. Die Zinsen verharren auf einem Rekordtief, die Aktienmärkte legen eine äußerst schwankungsfreudige Verschnaufpause ein. Obendrein haben die Rohstoffpreise über Monate hinweg kräftig Federn gelassen.

Kein Wunder, wenn verunsicherte Anleger den Schritt zur Börse nur zaghaft wagen. Für Armin Kayser, Fondsmanager des Allianz Strategy 50 (LU0995865168), ist das wenig verwunderlich: „Das Umfeld wird immer komplexer, zumal die Finanz- und Wirtschaftszyklen zunehmend miteinander verwoben sind.“ Allein, genau hier könnten Mischfonds – auch bekannt als Multi-Asset-Fonds – ihre Stärken ausspielen. Sie entscheiden über die Aufteilung in verschiedene Assetklassen, Anlegern werden diese Entscheidungen zur Gänze abgenommen. Dabei kann bei manchen Anbietern die Aktienquote zwischen null und hundert Prozent schwanken. Andere Gesellschaften bieten eine Palette an Mischfonds an, die in unterschiedliche Risikostufen aufgeteilt sind. Dann sind die Fondsnamen mit Zusätzen wie etwa „defensiv“, „ausgewogen“ und „offensiv“ bestückt.

 

Aktienquote variiert je nach Lage

Bei Allianz Global Investors stellt der Allianz Strategy 50 die goldene Mitte in der Multi-Asset-Palette dar. Ausgangsbasis ist ein Portfolio, das je zur Hälfte aus Aktien und aus Anleihen besteht. Fühlt man sich im riskanteren Bereich wohl, wird die Gewichtung etwa bei der Aktienquote nach oben gefahren. Wittert man hingegen Turbulenzen, wird der Schieberegler in die andere Richtung gedreht. Das kann durchaus auch für die Rentenquote gelten, wenn man in dieser Assetklasse Verluste befürchtet. Derzeit sind gut 35 Prozent in Anleihen, rund 28 Prozent in Aktien und der Rest in Cash veranlagt.

Bei der Union Investment bietet der Privat-Fonds kontrolliert (DE000A0RPAM5) den Mittelweg. Wobei nicht nur Aktien (zwischen fünf und 45 Prozent) und Anleihen infrage kommen. Auch Hedgefonds, Währungs- und Rohstoffwetten sind erlaubt. Fondsmanager Alexander Wagner erklärt: „Alte Konzepte funktionieren so nicht mehr. Gerade auf der Rentenseite muss man das Tiefzinsumfeld noch länger in Kauf nehmen.“ Deshalb müsse man versuchen, auch in anderen Segmenten eine Performance zu erzielen. Bei den Rohstoffen wird dies mittels sogenannter ETCs (Exchange Traded Commodities) umgesetzt. Dabei handelt es sich um eine Form von Zertifikaten, die physisch mit Rohstoffen hinterlegt sind.

Somit droht bei einer Emittentenpleite Anlegern zumindest kein Totalverlust ihres eingesetzten Geldes, da es noch das hinterlegte Collateral gibt. Wagner: „Bei Rohstoffen waren wir schon 2015 vorsichtig und sind derzeit nicht investiert.“ Allmählich könne das Segment aber wieder interessant werden.

Auch bei Aktien bleibt Wagner vorsichtig. Ganze sieben Prozent beträgt die aktuelle Quote. „Vor gut zwei Jahren haben die Schwankungen zugenommen, da haben wir begonnen, die Aktienquote zu senken.“ Der Rentenanteil liegt bei mehr als 70 Prozent.

 

Hochzinsanleihen haben sich verbilligt

Ein Drittel entfällt auf globale Unternehmensanleihen, ein weiteres auf Staatsanleihen aus der Eurozone – auch aus Spanien, Italien und Frankreich. Hier gibt es zumindest ein wenig mehr Rendite. Sogar bei Hochzinsanleihen aus den USA hat man ein klein wenig zugelangt. Das Segment geriet besonders heftig unter die Räder, da ein sehr großer Anteil an Emittenten aus der US-Energiebranche kommt. Angesichts des tiefen Ölpreises droht einigen die Pleite.

Auch John O'Toole, Head of Multi Asset Fund Solutions bei Pioneer Investments, verweist auf die aktuellen Marktherausforderungen, deren Ursache er vor allem in der ultralockeren Zinspolitik der Notenbanken ortet. Eine der Konsequenzen: „Es werden die Kursschwankungen in allen Assetklassen zunehmen.“ Laut O'Toole ließ sich zudem früher aus den Anleihenrenditen etwas über den aktuellen Zustand einer Volkswirtschaft ableiten. Das sei angesichts der Marktverzerrungen, die durch die Zinspolitik verursacht würden, zunehmend schwierig. Deshalb führt auch für den Pioneer-Experten kein Weg an einer breiten Aufteilung vorbei.

Innerhalb der Misch-Dachfondspalette des Hauses ist das größte Volumen im PIA Komfort Invest Traditionell (AT0000801071) veranlagt. Dieser hat die geringste Aktienbandbreite, sie liegt zwischen 20 und 33 Prozent und beträgt aktuell 27 Prozent. Größtes Gewicht entfällt auf die USA, gefolgt von Europa. Auf der Rentenseite dominieren Euro-Staatsanleihen, aber auch Euro-Unternehmensanleihen. Ein Grund für die hohe Ausreizung der Aktienquote: Derzeit liegt die Dividendenrendite auf bzw. über dem zehnjährigen Durchschnitt, die Anleiherenditen hingegen deutlich darunter.

 

Zinsen werden niedrig bleiben

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der deutschen Fondsboutique Flossbach von Storch, rät derzeit hingegen von defensiv ausgerichteten Mischfonds ab. Auch Vorndran ist wenig optimistisch beim Ausblick für Zinsen: „Sie werden schon aufgrund der ständig wachsenden Staatsschulden rund um den Globus über Jahre tief bleiben.“ Die höchste Aktienquote innerhalb der Boutiquepalette hält der Multiple Opportunities (LU0952573482) mit 65,56 Prozent (bis zu 100 Prozent sind möglich). Dabei sucht man aktuell nach weiteren Chancen. Denn nicht ohne Grund beträgt der Cash-Bestand knapp mehr als 16 Prozent. Ganz auf Renten verzichtet man nicht, sie sind mit rund zehn Prozent gewichtet. Bei den Rohstoffen empfiehlt Vorndran, Gold zuzukaufen. Insgesamt dürften die Rohstoffe noch länger konsolidieren. Wenn China die Transformation weg von der Schwerindustrie gelinge, würden in der Region auch künftig weniger Rohstoffe nachgefragt werden.

 

Chancen auf dem Devisenmarkt

Beim Nordea 1 – Stable Return Fund (LU0255639139) liegt die aktuelle Aktienquote bei rund 40 Prozent, wobei mehr als die Hälfte in den USA investiert ist. Auch auf dem Devisenmarkt wird man laufend fündig, wie Produktmanager Stefan Vakker aufzeigt: „Die Wette auf ein fallendes britisches Pfund und einen steigenden Yen hat sich gut entwickelt.“ Kein Wunder, schließlich drücken die Brexit-Sorgen kräftig auf das Pfund während der Yen – wie auch in der Vergangenheit – wieder einmal als Krisenwährung herhält. Allein, ein rasches Ende der Turbulenzen erwarten die Experten nicht. Umso mehr kann sich eine breite Streuung lohnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2016)

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