Die knifflige Spesenwelt der Investmentfonds

Beim Kauf eines Fonds werden zugleich eine Menge Spesen verrechnet. Seit Ausbruch der Finanzkrise sind diese jedoch zurückgegangen. Dennoch zahlt sich beim Erwerb der Produkte ein genauer Blick aus.

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(c) APA/AFP/KAREN BLEIER

Wien. Als Anleger hat man es bei der Wahl der richtigen Fonds nicht leicht, denn die Produktvielfalt hat in den vergangenen Jahren stark zugelegt. Neben der großen Auswahl spielt auch das Geschick des Fondsmanagements eine Rolle. Doch auch wenn dieses die Performance des Produkts deutlich steigern kann, können hohe Spesen an der Rendite nagen. Ein genauer Blick auf die Kosten, die beim Investment in einen Fonds anfallen, zahlt sich daher aus.

Gleich beim Kauf wird der sogenannte Ausgabeaufschlag verrechnet. Dieser ist für den Vertrieb gedacht – und kann gerade bei Aktienfonds bis zu fünf Prozent betragen. Hier sollten Anleger unbedingt verhandeln. Viele Online-Broker bieten teilweise großzügige Rabatte an oder verrechnen gar keinen Ausgabeaufschlag bei ausgewählten Fonds.

Hinzu kommt die jährliche TER. Das Akronym steht für Total Expense Ratio. Dabei handelt es sich um die Gesamtkostenquote, sie setzt zahlreiche Kosten in Relation zum Fondsvermögen. Der größte Anteil der TER entfällt auf die Verwaltungsgebühr (Management Fee). Es werden aber zum Beispiel auch Kosten für den Wirtschaftsprüfer und die Prospekte mit der TER abgedeckt, die im Übrigen immer öfter durch den Begriff „laufende Kosten“ ersetzt wird. Einziger Unterschied: „In den laufenden Kosten sind bei Dachfonds auch jene Kosten der Subfonds enthalten, aus denen sich das Gesamtportfolio zusammensetzt“, erklärt Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah.

Zunehmend häufiger wird zusätzlich zur TER auch eine Performance Fee verrechnet. Auf gut Deutsch: Übertrifft ein Fondsmanager den zuletzt erreichten Höchststand, kann von dieser Differenz eine Erfolgsgebühr abgezwickt werden. Rechnet man diese Gebühr mit der TER zusammen, wie es Morningstar macht, kommt die Net Expense Ratio heraus.

In den vergangenen Jahren sank diese Zahl, nachdem sie zwischen 2008 und 2009, nach Ausbruch der Finanzkrise, den Zenit erreicht hatte (siehe Tabelle). Allerdings ist sie großteils für Großanleger gesunken, „für Privatanleger ist sie zumindest stagniert“, unterstreicht Masarwah.

 

Indexfonds sind günstiger

Weit günstiger sind im Durchschnitt börsengehandelte Indexfonds, auch bekannt als ETFs (Exchange Traded Funds). Grundsätzlich wird dabei ein Index nachgebaut, ohne dass Fondsmanager aktive – und teilweise kostspielige – Entscheidungen treffen. Die Kosten selbst sind breit aufgeteilt. So wird auch bei ETFs eine jährliche TER verrechnet. Da aber kein Fondsmanagement bezahlt werden muss, ist sie geringer. Grundsätzlich beträgt die TER auf große Standardindizes bei Aktien rund 0,4 Prozent, auf jene bei Anleihen gut 0,2 Prozent. Heike Fürpaß-Peter, Head of Public Distribution bei Lyxor ETFs, sagt dazu: „Die Gesamtkostenquote ist für alle Anleger gleich, unabhängig von privater oder institutioneller Ebene.“ Bei aktiv gemanagten Fonds gibt es meist jedoch einen Unterschied: Großanleger bekämen dort einen günstigeren Preis.

Teurer wird es bei exotischeren Indizes (zum Beispiel aus den Schwellenländern) oder bei jenen Messlatten, die von ETF-Anbietern nach ausgewählten Kriterien, etwa rein nach Dividendenzahlung, zusammengestellt werden. Hierbei ist oftmals die Rede von Smart-Beta-ETFs. Mit diesen ETF-Produkten haben Anleger die Möglichkeit, in andere, eigens kreierte Messlatten abseits herkömmlicher Benchmarks zu investieren.

Allerdings ist mit den Kosten da noch nicht Schluss. An der Börse, wo ETFs laufend gehandelt werden, wird auch stets ein An- und Verkaufskurs gestellt. Diese Differenz, sprich die Handelsspanne, müssen Anleger erst einmal mit ihrem ETF-Investment zurückverdienen. Das mag auf den ersten Blick als Nachteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds erscheinen. Tatsächlich fällt diese Spanne aber auch hier an, „sie ist nur nicht gleich auf den ersten Blick ersichtlich“, meint Fürpaß-Peter.

Denn was passiert, wenn Anleger zum Beispiel ihre Fondsanteile an die Fondsgesellschaft zurückgeben? Sollten diese nicht gleich von einem anderen Anleger abgekauft werden, muss der Fondsmanager diese Position auflösen. Im Fall eines Aktienfonds müsste er also die Aktien für diese Anteile verkaufen, unterstreicht die Lyxor-Expertin: „Und dann fällt ebenfalls eine Handelsspanne zwischen dem An- und Verkaufskurs an. Das hat der Fondsanbieter in der Regel in den Rückgabepreis einkalkuliert.“

Beim Kauf von ETFs verrechnen die Banken auch noch Handelsspesen. Auch diese sind bei einem Online-Broker meist günstiger. Dafür gibt es aber keinen Ausgabeaufschlag. [ iStockphoto]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2016)

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