Fondsmanager als Feindbild

Michael Ritzau geht mit der Fondsindustrie hart ins Gericht. Die gute Performance einzelner Produkte sei oft reiner Zufall. Auch soll man Ratings nicht zu sehr vertrauen.

„Die große Fondslüge“
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„Die große Fondslüge“
„Die große Fondslüge“ – (c) Michael Ritzau

Wien. Was mussten sich Fondsmanager in den vergangenen Jahren nicht alles gefallen lassen: Sie machen ihre Arbeit kaum besser als Computerprogramme, schaffen es nur selten, einen Vergleichsindex zu schlagen, und streifen dabei auch noch ordentliche Gewinne ein, lautet die Kritik.

Es waren Umstände wie diese, die vor allem Anbietern von börsengehandelten Indexfonds in die Hände spielten. Diese Produkte kommen nicht nur ohne den einen Experten im Hintergrund aus, sie sind noch dazu kostengünstiger und lassen sich auch ziemlich flexibel gestalten. Zwar ist ihr Anteil im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds nach wie vor gering, aber er ist im Steigen begriffen.

Für die Indexanbieter dürfte das Buch „Die große Fondslüge“ nun eine ziemliche Genugtuung sein. Denn Autor Michael Ritzau, der unter anderem Stiftungsratsvizepräsident der Novartis Pensionskasse II war, lässt kein gutes Haar an der klassischen Fondsindustrie.

Hart ins Gericht geht er mit jenen, die die Fondsindustrie bewerten – und von ihr leben. Der Autor kritisiert, dass Fondsratings „nichts über die künftige Wertentwicklung von Fonds“ aussagen. Sie würden vielmehr nur die Entwicklung der Vergangenheit betrachten. Noch dazu würden die Einschätzungen oft zu positiv ausfallen, meint Ritzau. Anleger würden, sofern sie sich an die Empfehlungen halten, kaum gut damit aussteigen.

Um dies zu belegen, zitiert der Autor eine Studie des Finanzdienstleisters Vanguard (die zwischen 1999 und 2009 durchgeführt wurde). Diese will herausgefunden haben, dass die Sterne-Angaben des Fondsdatenanbieters Morningstar nur bedingt aussagenkräftig sind. Demnach hätten sich Fonds mit einem Stern besser entwickelt als jene, die zuvor mit den meisten Sternen ausgestattet waren.

Zahlreiche Seiten widmet der Autor der Zeitschrift „Finanztest“, die von der deutschen Verbraucherorganisation Stiftung Warentest herausgegeben wird. Für den österreichischen Leser mag das nur bedingt interessant sein, doch schildert Ritzau, wie Testergebnisse zustande kommen – und liefert seine (negative) Einschätzung gleich mit. Ein Bild kann man sich freilich trotzdem machen.

 

Auf die Kosten achten

Etwas schwieriger wird dies bei den zahlreichen Studien, die der Autor anführt. Sie sollen dem Leser vermitteln, dass es bloß reiner Zufall sei, wenn Fondsmanager gut abschneiden. Der Autor gibt jedoch genau an, um welchen Studien es sich handelt. So hat der Leser die Möglichkeit, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Unter dem Strich steigt die gesamte (aktiv gemanagte) Fondsindustrie hier ziemlich schlecht aus. „Es ist praktisch unmöglich, die wenigen vorhandenen Fondsmanager, die den Index aufgrund ihres Könnens schlagen, von ihren Kollegen zu unterscheiden, die einfach nur Glück hatten“, schreibt Ritzau. Trotz seiner Kritik rät der Autor aber nicht generell vom Investieren ab, sondern empfiehlt: „Beginnen Sie jetzt.“Auf die Kosten sollte man dabei in jedem Fall achten.

Als Einstieg in die Welt der Fonds ist die Lektüre ob ihrer doch recht überspitzten Formulierungen nur bedingt empfehlenswert. Als Anleger kann man sich jedoch einige Facetten herauspicken – sofern man nicht nur das Buch, sondern auch die Industrie etwas differenzierter betrachten will.

Info

Michael Ritzau „Die große Fondslüge“
Tectum-Verlag
238 Seiten, 19,95 €

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2016)

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