Schiffsfonds: Schadenersatz für Anleger

Der VKI erzielt Teilerfolg bei einer Sammelklage.

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Symbolbild. – (c) REUTERS (CARLO ALLEGRI)

Wien. Geschlossene Fonds für Schiffe oder Immobilien treiben seit Jahren Anlegern die Schweißperlen auf die Stirn, müssen sie doch wegen der Schieflage der Fonds um ihr Investment bangen – oder sie haben es schon verloren. In Österreich dürften vor der Finanzkrise rund 17.000 Anleger 70 verschiedene Fonds des deutschen Emissionshauses MPC gekauft haben. Vertrieben wurden die Produkte von fast alle heimischen Banken.

Im Rechtsstreit um Schadenersatz hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums und mit Prozessfinanzierern drei Sammelklagen gegen die Hypo Steiermark und die Österreich-Tochter der MPC, die CPM, eingebracht. Der Gesamtstreitwert beträgt drei Mio. Euro.

Jetzt liegt für eine Sammelklage, die MPC Hollandfonds zum Gegenstand hat, ein erstes Teilurteil vor: Das Handelsgericht Wien hat die Hypo Steiermark und die CPM beispielhaft zum Schadenersatz für zwei Anleger verurteilt. Sie haben die Hollandfonds 47 und 53 gezeichnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 

Falschberatung

Als Grundlage für die Haftung erachtet das Gericht Falschberatung und Prospekthaftung. Es sei über die schwerwiegenden Verlustrisken, die sogar über das eingesetzte Kapital hinausgehen, nicht aufgeklärt worden, sagt das Gericht. Dieses Risiko sei sogar Bankberatern nicht bewusst gewesen.

Geschlossene Fonds sind keine Investmentfonds, sondern Kommanditgesellschaften. Die Anleger sind Kommanditisten und haften mit ihrer Einlage. Schon erfolgte Auszahlungen sind auch keine Dividenden oder Renditen, sondern Kapital. Es kann im Fall einer Schieflage, wie das bei vielen Fonds infolge der Wirtschaftskrise der Fall ist, auch zurückgefordert werden.

Der VKI hat bereits 3000 Anleger mit einem Schaden von 170 Mio. Euro einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren gegen die MPC/CPM angeschlossen. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2017)

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