Aktienfonds: Energie und Gesundheit sind Trumpf

09.01.2012 | 18:27 |  BEATE LAMMER UND ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Ob man in einem negativen Umfeld mit Fonds Gewinne erzielen kann, hängt von der Branche ab. Auf Dreijahressicht liegen die Goldfonds, auf Einjahressicht die Biotech- und auf Dreimonatssicht die Energiefonds vorn.

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Wien. Das vergangene Jahr war für die meisten Aktienfondsanleger kein erfreuliches. Mit der richtigen Branche im Depot ließ sich aber sowohl auf Dreimonats- als auch auf Jahressicht trotz Niedrigzinsen und Schuldenkrise reichlich Geld verdienen. Die „Presse“ hat sich angesehen, welche Fonds in welchem Zeitraum die Nase vorn haben und wie es ihnen in der nächsten Zeit ergehen könnte.


Ölpreis hilft Energiefirmen. Bei den zehn Fonds mit der besten Dreimonats-Performance, die der Onlinebroker Direktanlage.at erfasst hat, handelt es sich ausschließlich um solche mit Energieschwerpunkt. Sie alle konnten in den vergangenen drei Monaten um zwanzig bis 35 Prozent zulegen. Auf Einjahressicht liegen sie allerdings– wie die meisten Aktienfonds– im Minus.

Dass es ihnen im vierten Quartal so gut erging, hängt vor allem mit dem Anstieg des Ölpreises zusammen, erklärt Hannes Loacker, Rohstoffanalyst bei Raiffeisen Capital Management. Er ist auch in das Management des Raiffeisen-Energy-Aktienfonds (Isin: AT0000688668) involviert. Öl der Nordseesorte Brent kostete vor drei Monaten weniger als 80 Dollar je Fass, inzwischen sind es mehr als 100 Dollar. Ursache sei die nach wie vor starke Nachfrage der aufstrebenden Volkswirtschaften. Auch geopolitische Faktoren spielten eine Rolle: Derzeit profitiere der Ölpreis von den Versorgungsängsten im Fall einer Zuspitzung der Iran-Krise. Als der Ölpreis im Sommer fiel, rutschten auch die Energiefirmen stark ab. Nun hätten viele von ihnen Nachholbedarf, meint Loacker. Sollte der Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau bleiben oder gar weiter ansteigen, sollten auch die Kurse der Energieaktien zulegen können. Der Fonds setzt derzeit vor allem auf reine Ölfirmen wie Cobalt Energy oder Coastal und Ausrüster wie Halliburton. Die großen integrierten Öl- und Gasfirmen, die oft auch im Raffineriegeschäft tätig sind (Exxon, Total, Eni, Shell) würden unter einer schwachen Konjunktur eher leiden. Sollte es mit dem Ölpreis steil nach unten gehen, würde dies die gesamte Branche belasten.


Pharmafirmen günstig bewertet. Unter den drei Fonds mit der besten Einjahres–Performance finden sich zwei aus dem Gesundheitssektor: Der BNP Paribas World Biotechnology (LU0086351706) landet mit plus 14,43 Prozent auf Platz eins, und der Global Healthcare Fund von JP Morgan (LU0432979614) mit 13,25 Prozent auf Platz drei. Unter den besten zehn finden sich acht aus der Gesundheitsbranche.

Allerdings ist die gute Entwicklung der Pharma- und Biotechwerte ein eher kurzzeitiges Phänomen. Auf Dreimonatssicht liegen die meisten Fonds besser als auf Jahressicht. Auch der Blick auf die Charts zeigt: Richtig bergauf ging es am Ende des Jahres.

Für Noushin Irani, Fondsmanagerin bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS Investments, hat die gute Performance mehrere Ursachen. Zum einen sei das unsichere wirtschaftliche Umfeld generell gut für antizyklische und defensive Werte wie jene aus dem Gesundheitsbereich. Zum anderen hätten die großen Pharma- und Biotech-Firmen in den letzten Jahren eher schlecht abgeschnitten. „Da gab es ziemliches Aufholpotenzial.“

Auch habe das Ablaufen eines der letzen großen „Blockbuster-Patente“ (Lipitor zur Senkung des Cholesterinspiegels) den Pharmafirmen – vor allem jenen, die Medikamente kopieren – geholfen. Im Biotech-Bereich habe es mehrere Forschungserfolge und neue Produkte gegeben, ebenso wie zwei Übernahmen, bei denen die Bewertungen hoch gewesen seien.

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Jedoch stellt sich die Frage, wie nachhaltig eine solche Entwicklung sein kann und ob man als Investor nicht schon das Beste verpasst hat. „Der Anfang ist sicherlich schon passiert“, sagt Irani. Trotzdem gebe es noch viele Unternehmen, die attraktiv bewertet sind. Auch die unklare wirtschaftliche Zukunft dürfte der Branche weiterhin in die Hände spielen.

Langfristhit Gold. Zu den besten Fonds im Dreijahres-Vergleich zählen jene, die auf Goldunternehmen (etwa Minenfirmen) setzten. In den vergangenen Monaten mussten diese Aktien im Gleichschritt mit dem Goldpreis allerdings oft Federn lassen. Viele Experten glauben, dass sich der Goldpreis heuer wieder erholen sollte. Selbst wenn das eintrifft, bedeutet das noch lange nicht, dass auch die Minenaktien profitieren. In der Vergangenheit zeigte sich, dass sie eher dem Aktienmarkt als dem Goldpreis folgen. Auch ein hoher Ölpreis schadet den energieintensiven Minenunternehmen. Von der starken Goldnachfrage profitieren sie nur langfristig.

Was Sie beachten sollten bei... Fonds

Tipp1

Kosten. Gebühren schmälern die Rendite von Fonds. Man zahlt eine Aufschlagsgebühr (die verhandelbar und bei Onlinebrokern oft günstiger ist) sowie eine jährliche Managementgebühr. Ist diese performanceabhängig, sollte man darauf achten, dass man nur für „echte“ Gewinne bezahlt und nicht für eine Abmilderung der Verluste des Vorjahres.

Tipp2

Streuen. Wer zu wenig Geld hat, um in mehrere Fonds zu investieren, kann zu einem Dachfonds greifen, der in mehrere Fonds investiert. Wenig sinnvoll ist es, in gleiche Fonds bei mehreren Anbietern zu investieren, etwa drei Rohstoff-Fonds. Dann hat man nicht mehr Streuung, sondern trägt im Gegenteil ein Klumpenrisiko (Häufung von ähnlichen Risken).

Tipp3

Themen. Wie gut Themenfonds abschneiden, hängt vor allem vom Zeitraum ab. So erging es Energiefonds in den vergangenen drei Monaten sehr gut, im abgelaufenen Gesamtjahr aber nicht. Genau umgekehrt verhielt es sich bei den Goldfonds. Wer langfristig investiert sein will, sollte daher nicht nur auf eine „Story“ setzen.

Tipp4

Alternativen. Wem Fondsgebühren zu hoch sind, der kann auf „Exchange Traded Funds“ setzen. Solche bilden einen Index ab und brauchen keinen Fondsmanager. Besser als der Gesamtmarkt können sie freilich nicht abschneiden. Auch bei Zertifikaten sind die Gebühren niedriger, doch ist das Vermögen nicht sicher, falls die emittierende Bank pleite geht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2012)

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