30 Tonnen Gold sind schon in Wien

Die Notenbank hat den Goldbestand in Wien verdoppelt – 2017 will sie zulegen. Zumindest einen Teil des Schatzes will die OeNB sicher verwahrt in den eigenen Kellern wissen.

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OeNB

Wien. Von null auf 15 – und jetzt auf auf 30 Tonnen: Die Nationalbank hat bereits Gold im Wert von mehr als einer Milliarde Euro heimgeholt. „Wir haben 2016 weitere 15 Tonnen nach Wien gebracht. Nächstes Jahr wollen wir deutlich mehr zurückholen, vielleicht werden es 30 Tonnen sein. Auf alle Fälle bleibt unser Ziel aufrecht, bis 2020 die Hälfte der Goldreserven in Wien zu haben“, sagt Franz Partsch, Direktor der Hauptabteilung Treasury in der Nationalbank, im „Presse“-Gespräch.

Hintergrund: Die OeNB hat vor rund zwei Jahren völlig überraschend angekündigt, die Hälfte der insgesamt 280 Tonnen Gold in Zukunft innerhalb der Landesgrenzen lagern zu wollen. Eine historische Entscheidung. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war es üblich, die Reserven auf den Goldhandelsplätzen zu lagern – vor allem in London. Aber die Einführung des Euro, der steigende Goldpreis und die Finanzkrise haben zu einem Umdenken geführt. Auch politischer Druck aus der Opposition und die zuletzt herbe Kritik des Rechnungshofs am Nachkriegsmodell für die Goldlagerung haben dazu beigetragen. Nun will man zumindest einen Teil des Schatzes sicher verwahrt in den eigenen Kellern wissen. Sozusagen als Versicherung. „Das ist ein Teil der Reserve, den wir in extremen Krisenszenarien mobilisieren könnten. Der Zweck von Goldreserven ist es generell, in Krisenszenarien das Potenzial zu haben, dieses Gold gegen Fremdwährung zu tauschen oder Fremdwährungsfinanzierung aufzunehmen. Das ist die eiserne Liquiditätsreserve“, sagt Partsch. In der Finanzkrise hätte sich gezeigt, dass der Goldmarkt noch läuft, wenn alles andere steht.

„Wie jede Fremdwährung“

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Der Transport der Barren von London nach Wien findet in Tranchen von je fünf Tonnen und unter völliger Geheimhaltung statt. Nach der ersten Fuhre von insgesamt 15 Tonnen im Gegenwert von rund 530 Mio. Euro wurde der Rest des Auftrags europaweit ausgeschrieben. Das erklärt den schleppenden Fortschritt. Der Zeitplan ist allerdings intakt. Beobachter gehen sogar davon aus, dass die OeNB die Rückholung vor 2020 abschließen könnte. Ab dann sind die heimischen Reserven dreigeteilt: Ein sehr kleiner Teil ist bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Insgesamt haben Mario Draghi und Co. Zugriff auf rund 500 Tonnen Gold der Eurostaaten. Gold, das im Fall einer geldpolitischen Operation sofort mobilisierbar wären.

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Von den übrigen 280 Tonnen soll eine Hälfte in London und Zürich liegen, wo das Gold von der OeNB zur Beschaffung von Devisen genutzt werden kann – in einer Krise etwa. Die zweite Hälfte bleibt in Wien und wird als eiserne Reserve verstaut – für „extreme Krisen“. Dabei sind die Goldreserven keineswegs nur von symbolischer Bedeutung. „Etwa die Hälfte unserer Währungsreserven wird in Gold gehalten. 21 Mrd. insgesamt und davon sind 10,6 Mrd. Gold“, sagt Notenbanker Partsch:„Wir betrachten Gold heute wie jede andere Fremdwährung.“ Der Vorteil: Anders als Dollar-Reserven ist das Metall nicht die Währung eines Landes und politisch unabhängig. Hier kommt der Versicherungscharakter durch: Steigt der Dollar-Kurs, sinkt der Goldpreis. Und umgekehrt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2016)

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