Der Goldpreis fällt tief ins Jammertal

Die US-Notenbank hat dem angeschlagenen Gold-Bullen mit ihrer Zinserhöhung den Todesstoß versetzt.

Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
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Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
Goldbarren (Symbolbild) – (c) REUTERS (ARND WIEGMANN)

Es war die bestperformende Assetklasse im ersten Halbjahr: Gold schien seinen Boden gefunden zu haben und unaufhaltsam auf neue Höhen zuzustreben.

Doch jetzt ist alles anders. Nach den Abstürzen der jüngsten Zeit sind wir wieder unterwegs in Richtung Jahresanfang. Wie gewonnen, so zerronnen!

Dabei hätte es nach klassischer Lehre eigentlich umgekehrt laufen müssen: Die britische Brexit-Abstimmung, das für den Regierungschef danebengegangene Referendum in Italien, die Trump-Wahl zum US-Präsidenten wären die klassischen Goldpreistreiber gewesen. Und wurden von so gut wie allen Analysten auch so eingeschätzt.

Statt dessen reden jetzt die ersten Marktbeobachter wieder über mögliche Goldnotierungen unter 1000 Dollar je Feinunze. So dick wird es wohl nicht kommen, aber auf größere Gegenbewegungen zum herrschenden Abwärtstrend sollte man jetzt auch nicht spekulieren.

Charttechnisch liegt eine gute Absicherung nach unten in der Gegend von 1100 Dollar. Allerdings interessiert Charttechnik am Goldmarkt derzeit niemanden. Kurzfrist-Spekulanten, die nach solchen Methoden handeln, haben sich in großer Zahl aus dem Markt verabschiedet. Und bei den großen Goldfonds herrscht eine „Rette sich wer kann“-Stimmung. Investoren haben aus solchen Fonds in den vergangenen Tagen tonnenweise Gold abgezogen. Dazu kommt, dass sich die Notenbanken bei Goldkäufen derzeit sehr zurückhalten und das Schmuckgeschäft in Indien durch die missglückte Geldreform praktisch zum Erliegen gekommen ist. Indien ist normalerweise hinter China der zweitgrößte Goldimporteur. Die Nachfrage aus dem Subkontinent gilt deshalb als verlässliche Stütze der Goldnotierungen. Und genau die lässt jetzt aus.

Den Todesstoß hat dem Gold-Bullen zuletzt die US-Notenbank Fed versetzt. Nicht nur mit der aktuellen Zinserhöhung, sondern auch noch mit der Ankündigung, im kommenden Jahr drei weitere Zinserhöhungen (statt der geplanten zwei) durchzuführen.

Kurzum: Das Set-up für die weitere Entwicklung des Goldpreises sieht kurz- und wohl auch mittelfristig gar nicht gut aus. Hiesige Goldinvestoren mag trösten, dass mit dem Goldpreis gleichzeitig der Euro gegen den Dollar verfällt, was Währungsgewinne beschert und die Goldpreiskurve in Euro nicht ganz so schlecht aussehen lässt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2016)

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