China: Flucht ins Gold statt in Bitcoin

Die Chinesen haben das Gold wieder für sich entdeckt, nachdem die Regierung gegen Bitcoin vorgegangen ist. Zudem hat Peking die Liquidität weiter gelockert.

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THEMENBILD: 'GOLD' – APA/ROBERT JAEGER

Wien/Peking. Chinesische Investoren sind zuletzt stärker als zuvor in Goldfonds, sogenannte ETFs, geströmt. Gleichzeitig haben sie der neuartigen Digitalwährung Bitcoin den Rücken gekehrt. Grund für die Suche der Chinesen nach Stabilität sind der anhaltend schwache Renminbi (Yuan) und die dadurch ausgelöste, weiter anhaltende Kapitalflucht aus China. Der Renminbi hatte 2016 gegenüber dem Dollar das schlechteste Jahr seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Daten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge sind in der vergangenen Woche umgerechnet netto 52 Mio. Dollar in chinesische Gold-ETFs geflossen. Damit war China das Land mit dem größten Hunger nach Gold-Investments. Zum Vergleich: In der Eurozone und Japan waren es jeweils weniger als fünf Mio. Dollar. In den USA knapp mehr als 35 Mio. Dollar.

Die Daten sollten nicht überraschen, haben die chinesischen Behörden doch zuletzt zum Großangriff auf ein anderes Vehikel für die Kapitalflucht geblasen – auf Bitcoin. Die anonyme Internetwährung eignet sich eigentlich perfekt, um Geld außer Landes zu schaffen. Aber die Handelsplattformen sind noch total unreguliert. Peking hat zuletzt Untersuchungen bei den größten chinesischen Plattformen angeordnet. Das führte zu einer Flucht aus Bitcoin, die auch den Weltmarktpreis für die Internetwährung gehörig drückte.

 

Neue Lockerungen

Freilich: Bitcoin war immer nur ein kleiner Teil des Problems aus Sicht Pekings. Insgesamt sind laut Bloomberg bis November 2016 rund 762 Mrd. Dollar aus China abgezogen worden. „Diese Kapitalabflüsse haben sicherlich die Gefahren für das Finanzsystem erhöht“, sagte der Portfolio-Manager Chad Morganlander zu Bloomberg. „Es ist keine Überraschung für mich, dass die chinesischen Goldfonds jetzt Zuflüsse sehen. Es gibt in China Sorge über die Währung, die Reserven und die Handelsbeziehungen.“ Diese Sorgen teilt auch der Internationale Währungsfonds IWF. Der warnte zuletzt, dass China auf eine schärfere oder abrupte Korrektur zusteuere, wenn man sich weiter auf monetäre Stimuli verlasse und das Problem der wachsenden Schuldenberge der Unternehmen nicht in den Griff bekomme.

Die Kritik des Währungsfonds scheint in Peking aber wirkungslos zu verhallen. So hat die chinesische Zentralbank einer Meldung von Reuters zufolge am Freitag die Reservevorschriften für die fünf größten Banken des Landes gelockert – um einen ganzen Prozentpunkt auf nunmehr 16 Prozent. Mit der Maßnahme soll die Liquiditätsversorgung des Bankensektors sichergestellt werden. Analysten sehen darin kein gutes Zeichen: „Die Aktion signalisiert, dass die Liquiditätsversorgung enger ist als angenommen, während die Kapitalflucht weitergeht“, sagt der Commerzbank-Ökonom Zhou Hao zu Reuters. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2017)

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