Gold bleibt in Lauerstellung

Das Edelmetall Gold sorgt derzeit nicht für Schlagzeilen. Aber wenn die Börsen turbulenter werden und der Dollar weiter schwächelt, sollte das auch den Goldpreis wieder antreiben.

Rohstoff und Krisenwährung: Noch ist der Trend für Gold nicht eindeutig. Alles hängt an der weiteren Entwicklung des Dollar.
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Rohstoff und Krisenwährung: Noch ist der Trend für Gold nicht eindeutig. Alles hängt an der weiteren Entwicklung des Dollar.
Rohstoff und Krisenwährung: Noch ist der Trend für Gold nicht eindeutig. Alles hängt an der weiteren Entwicklung des Dollar. – APA/ROBERT JAEGER

Des Dollars Leid, des Goldes Freud. Die Schwäche der US-Währung hat dem Goldpreis zuletzt ein bisschen Auftrieb verliehen. Gemeinsam mit dem Euro ist das Edelmetall vergangene Woche gestiegen – um mehr als 40 Dollar oder 2,6 Prozent auf 1250 Dollar pro Unze am Freitag. In Euro lag der Preis zuletzt bei 1070 pro Unze.

Noch wollen die Analysten sich freilich nicht festlegen – und bleiben vorsichtig optimistisch. „Gold war zuvor unter Druck, weil die Aktienmärkte ihm den Rückenwind gestohlen haben“, sagte der Analyst Nico Pantelis von Secular Investor zu „MarketWatch“. Die langsam abflauende Euphorie an den Aktienmärkten könnte dem Metall aber wieder Auftrieb geben. „Langsam fällt uns eine gewisse Müdigkeit in der Rallye bei den Aktien auf“, so Pantelis.

Auffällig ist die Lage an den Terminmärkten. „Da hat es eine sehr schöne Bereinigung gegeben“, sagt der Incrementum-Fondsmanager und Goldexperte Ronald Stöferle im Gespräch mit der „Presse“. Die Spekulanten haben sich nach und nach zurückgezogen, während die sogenannten Commercials, also große Player wie Minen oder Bullionbanken, sich wieder bullish positioniert haben.

„Denen sollte man generell folgen“, sagt Stöferle. Dass zudem die Stimmung gegenüber dem Metall derzeit sehr schlecht ist, sieht er als positiven Indikator: „Die war in den letzten Monaten deutlich besser und hat sich zuletzt wieder massiv eingetrübt. Dabei beginnt jetzt saisonal gesehen eine der besseren Phasen für den Goldpreis.“ Dank der Nachfrage aus Indien und China gelten die Sommermonate als besonders gut für Gold und Silber. Wobei Stöferle zugibt, dass es sich dabei oft um eine selbsterfüllende Prophezeiung handelt. Noch ist das Bild für Gold eben nicht ganz klar.

„Eigentlich hätte der extrem schwache Dollar den Goldpreis zuletzt stärker treiben müssen.“ Ein weiterer Faktor, der Anleger warnen sollte, ist der Silberpreis. In Boomphasen für Edelmetalle geht Silber normalerweise voran. Aktuell trottet es dem großen Bruder Gold aber eher hinterher.

Gründe für die anhaltende Unsicherheit für Edelmetalle gibt es viele. Stöferle nennt vor allem die extrem niedrige Volatilität an den Börsen. „Das hat viel mit der monetären Illusion zu tun, die von den Notenbanken geschaffen wurde. Das sollte sich ändern, wenn die Notenbanken die Geldpolitik normalisieren.“ Aber der Weg dorthin ist noch weit, wie die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung am Donnerstag wieder signalisiert hat. Aktuell würden wir noch in einer Phase der Disinflation stecken, so Stöferle. Heißt: Gold entwickelt sich zwar gegenüber anderen Rohstoffen (wie etwa Öl) relativ gut. Aber insgesamt zieht die Schwäche des Rohstoffsektors den Preis eher nach unten.

Der Boden für den Goldpreis könnte dennoch schon hinter uns liegen. Es kommt mal wieder alles auf den Dollar an. „Aktuell sind wir beim Gold noch in einer Seitwärtsbewegung. Erst wenn Gold in allen Währungen steigt, können wir wieder von einem Bullenmarkt sprechen“, so Stöferle. Und dafür bräuchte es einen weiterhin schwächelnden Dollar. In Euro klettert der Goldpreis schon seit 2014.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2017)

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