Energieausweis: Nichtvorlage kostet

29.11.2012 | 18:32 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Wer als Verkäufer oder Vermieter kein Dokument vorlegt oder in einem Inserat zu wenige Angaben macht, muss ab Samstag, mit einer Strafe rechnen.

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Wien. Am 1.Dezember wird es ernst: Wer ab diesem Tag eine Wohnung verkauft oder vermietet und keinen Energieausweis vorlegt, muss sich auf bis zu 1450 Euro Verwaltungsstrafe einstellen. Zur Kasse gebeten werden können auch potenzielle Verkäufer, Vermieter oder Makler, die in einem Immobilieninserat nicht den Heizwärmebedarf und den Gesamtenergieeffizienzfaktor (so dieser aus dem Energieausweis hervorgeht) angeben.

Die Pflicht, bei Neuvermietung oder Verkauf einer Wohnung einen solchen Ausweis vorzulegen, existiert eigentlich seit 2009, doch hatte es bisher kaum Folgen, wenn man das nicht tat. Ausgestellt wird ein solches Dokument von Gutachtern (Ziviltechnikern, Architekten etc.) und kostet für ein Mehrfamilienhaus etwa einen Euro pro Quadratmeter, für Einfamilienhäuser ein Vielfaches.

 

Je niedriger die Zahl, desto besser

Der Ausweis gibt Auskunft über den Heizwärmebedarf. Der beträgt bei Passivhäusern unter 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, bei Neubauten etwa 50 bis 80, bei unsanierten Altbauten bis zu 200 oder mehr. Neue Ausweise zeigen auch den „Gesamtenergieeffizienzfaktor“ an. Auch hier gilt: je niedriger, desto besser.

Über die tatsächlichen Kosten gibt der Ausweis nur bedingt Auskunft. Die hängen nämlich auch vom persönlichen Lebenswandel ab, ob man etwa die Räume auf 19 oder 23 Grad heizt. Somit ist es auch nicht leicht festzustellen, ob die Angaben im Energieausweis stimmen. „Das kann man meist nur über ein Gegengutachten feststellen“, meint Christian Marth, Partner bei PHHV Rechtsanwälte. Für die Richtigkeit der Angaben im Energieausweis haftet der Gutachter dem Käufer direkt. Der Verkäufer oder Vermieter ist aber nicht in allen Fällen aus dem Schneider. „Es kann ihn ein Auswahlverschulden treffen“, schränkt Marth ein. Das wäre etwa dann der Fall, wenn er einen ungeeigneten Gutachter mit dem Ausstellen beauftragt hat.

Den Ausweis muss man dem potenziellen Mieter oder Käufer vor Vertragsabschluss vorlegen und bis zu 14 Tage nach Vertragsabschluss aushändigen. Erhält man als Käufer oder Mieter keinen Ausweis, kann man selbst einen erstellen lassen und die Kosten dafür dem Verkäufer aufbürden. Allerdings muss man ihn vorher auffordern, den Ausweis vorzulegen.

 

Käufer kann nicht verzichten

Legt man keinen Energieausweis vor und besteht auch der Käufer zunächst nicht darauf, haftet man dennoch dafür, dass die Energieeffizienz dem Alter und der Art des Gebäudes entspricht. Stellt sich das Gegenteil heraus, kann der Mieter die Miete mindern und der Käufer einen Teil seines Geldes zurückverlangen.

Bei Wohnungseigentumsanlagen kommt es mitunter vor, dass die Hausgemeinschaft beschlossen hat, vorerst keinen Energieausweis erstellen zu lassen. Will nun ein Einzelner seine Wohnung verkaufen, muss er dafür auf eigene Kosten ein Dokument erstellen lassen. „Die Kosten kann er nicht von der Eigentümergemeinschaft zurückverlangen“, stellt Anton Holzapfel vom Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) fest.

Viele Makler hätten Schwierigkeiten, ihren Kunden klarzumachen, dass die Vorlage eines Energieausweises bei Verkauf oder Vermietung Pflicht ist, berichtet er. Eine Vereinbarung mit dem Käufer, dass man auf so etwas verzichtet, ist jedenfalls unzulässig. [istockphoto.com]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2012)

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14 Kommentare

Die unendliche Bevormundung mit dilettantischen Regelwerken

Was soll das bringen? Es reicht in Wirklichkeit eine Energie-Jahresabrechnung.
Beschäftigungspolitik="die sinnlose Beschäftigung sinnlos Beschäftigter mit dem Geld anderer Leute mit immer neuen Regelwerken!" Wie ging es bisher ohne ?

Was für ein Bullshit

Ein Körberlgeld für ein paar Gutachter und alle freuen sich, weils um die "Umwelt" geht.

Moderne Wegelagerei auf dem Wege der Politik.

Zum Kotzen.

Eine weitere planwirtschaftliche Entmündigung

Wenn ein Käufer freiwillig und aus freien Stücken auf den Energieausweis verzichtet, so ist das zu akzeptieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses so tief in die Privatautonomie eingreifende Gesetz verfassungskonform ist, allerdings müsste da wohl erst jemand diesen sauteuren Rechtsweg beschreiten und durchklagen bis zum VfGH.

Hört endlich auf mit dieser totalitären Zwangsbeglückung, die zwar alles teurer und komplizierter, aber nichts besser macht!

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...und wieder eine sinnlose Verordnung mehr

Es geht nur noch darum was alles nicht gemacht wrden darf, Einschränkungen auf allen Linien des Lebens.
Es wird das Alltagsleben immer "undurchschaubarer" und bald braucht man schon für die tägliche Hygiene einen Rechtsbeistand um zu überprüfen ob man das richtige Papierl verwendet.
Es ist zum . . . .

Beenden wir sie sinnlose Überregulierung

Der Energieausweis sagt wenig bis nichts aus; hingegen sind einige alte Gasrechnungen in Kombination mit den Nutzungsgewohnheiten ein sehr guter Hinweis auf die Heizkosten, oder? Und was ist mit gesundem Hausverstand? Wackelige Altbaufenster ziehen mehr als moderne Fenster. Eine ungedämmte Fassade ist ungedämmt, aber sie schimmelt sicher nicht in einigen Jahren.
Wem nützt eigentlich diese geschwürartige Bürokratie, die sich in jede Lebensnische einmischt?

Re: Beenden wir sie sinnlose Überregulierung

Sehr richtig. Vor allem für Altbauwohnungen ist der Energieausweis absolut für die Würscht. Ein Bekannter von mir hat eine unsanierte Altbauwohnung billig gekauft. Sie mit Fernwärme-Zentralheizung und neuen Fenstern ausgestattet und darin ca. 3 Jahre gewohnt bevor er jobmäßig umziehen musste und deswegen für den Verkauf einen Energieausweis erstellen ließ. Ergebnis: Energieklasse G, die unterste Klasse.
Also vorher mit den wackligen, zugigen Holzfenstern wäre es auch nicht schlimmer gewesen. Die tatsächlichen Heizkosten haben sich hingegen deutlich verringert und die Wohnung (waren öfters zu Besuch) war auch im Winter immer schön warm. Natürlich sind die Heizkosten in einer Altbauwohnung höher, wie in einer gedämmten Neubauwohnung, das zeigt der Energieausweis an. Für eine Beurteilung unterschiedlicher Altbauwohnungsklassen ist er jedoch absolut zum Vergessen. Da ist jede Heizkostenabrechnung besser.

jeder Vollkoffer ...

kann bei der Besichtigung einer Wohnung selbst beurteilen, ob die Fenster dicht sind, die Außenwand verstyroport ist, die Räume 5m hoch sind, eine Zentralheizung oder ein Radiator die Wohnung heizt ...
Aber die blöden Ösis brauchen für alles eine amtliche Bescheinigung und zahlen dafür.

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abzocke allerorts.


Re: abzocke allerorts.

vielleicht muss ich meine (glühbirne) auch wechseln, obwohl sie noch funktioniert)
laut gesetz, weil sie braucht etwas mehr strom usw. alles laut E U. nichts als abzocken

alles nur

augenauswischerei.
Hauptsache man muss sinnlos für etwas Zahlen was keiner braucht.

unnötige verteuerung

durch neue honorare für schwachverständige und schwätzmeister.

falsch verstanden!

Arbeitsbeschaffung für unterbeschäftigte Architekten, es gibt deren nämlich zu viele

Erinnert mich an die selbstlose Glühbirnen-Energiespar-Verordnung. Nur noch viel gefährlicher.

Das meist verwendete Wärmedämm-Material ist nach wie vor Styropor, manche picken bis zu 30 cm auf ihre Wände. Steigert die Allergien, die Wohnräume müssen reichlich stoßgelüftet werden, sonst Schimmelbildung. Schwer entflammbar, aber wenns brennt, dann zündet es wie Benzin, der flüssige Kunststoff tropft herab und bildet auf Fensterbänken u.Boden glutheiße Feuerseen, in d en Räumen gift.Rauch, ätzende Säuren. Die auf den Brand folgende Korrosion kann f.d.Substanz d.Hauses viel gravierender sein als der Brand selbst. und wenn das Dämmmaterial hinter dem Außenputz brennt, kommt die Feuerwehr schlicht nicht mehr heran.

Die Dämmstoffindustrie wiegelt natürlich ab.

stimmt, die geschäumten dämmplatten brennen spektakulär.


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