Energieausweis: Nichtvorlage kostet

Wer als Verkäufer oder Vermieter kein Dokument vorlegt oder in einem Inserat zu wenige Angaben macht, muss ab Samstag, mit einer Strafe rechnen.

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Energieausweis Nichtvorlage kostet
(c) Bilderbox

Wien. Am 1.Dezember wird es ernst: Wer ab diesem Tag eine Wohnung verkauft oder vermietet und keinen Energieausweis vorlegt, muss sich auf bis zu 1450 Euro Verwaltungsstrafe einstellen. Zur Kasse gebeten werden können auch potenzielle Verkäufer, Vermieter oder Makler, die in einem Immobilieninserat nicht den Heizwärmebedarf und den Gesamtenergieeffizienzfaktor (so dieser aus dem Energieausweis hervorgeht) angeben.

Die Pflicht, bei Neuvermietung oder Verkauf einer Wohnung einen solchen Ausweis vorzulegen, existiert eigentlich seit 2009, doch hatte es bisher kaum Folgen, wenn man das nicht tat. Ausgestellt wird ein solches Dokument von Gutachtern (Ziviltechnikern, Architekten etc.) und kostet für ein Mehrfamilienhaus etwa einen Euro pro Quadratmeter, für Einfamilienhäuser ein Vielfaches.

 

Je niedriger die Zahl, desto besser

Der Ausweis gibt Auskunft über den Heizwärmebedarf. Der beträgt bei Passivhäusern unter 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, bei Neubauten etwa 50 bis 80, bei unsanierten Altbauten bis zu 200 oder mehr. Neue Ausweise zeigen auch den „Gesamtenergieeffizienzfaktor“ an. Auch hier gilt: je niedriger, desto besser.

Über die tatsächlichen Kosten gibt der Ausweis nur bedingt Auskunft. Die hängen nämlich auch vom persönlichen Lebenswandel ab, ob man etwa die Räume auf 19 oder 23 Grad heizt. Somit ist es auch nicht leicht festzustellen, ob die Angaben im Energieausweis stimmen. „Das kann man meist nur über ein Gegengutachten feststellen“, meint Christian Marth, Partner bei PHHV Rechtsanwälte. Für die Richtigkeit der Angaben im Energieausweis haftet der Gutachter dem Käufer direkt. Der Verkäufer oder Vermieter ist aber nicht in allen Fällen aus dem Schneider. „Es kann ihn ein Auswahlverschulden treffen“, schränkt Marth ein. Das wäre etwa dann der Fall, wenn er einen ungeeigneten Gutachter mit dem Ausstellen beauftragt hat.

Den Ausweis muss man dem potenziellen Mieter oder Käufer vor Vertragsabschluss vorlegen und bis zu 14 Tage nach Vertragsabschluss aushändigen. Erhält man als Käufer oder Mieter keinen Ausweis, kann man selbst einen erstellen lassen und die Kosten dafür dem Verkäufer aufbürden. Allerdings muss man ihn vorher auffordern, den Ausweis vorzulegen.

 

Käufer kann nicht verzichten

Legt man keinen Energieausweis vor und besteht auch der Käufer zunächst nicht darauf, haftet man dennoch dafür, dass die Energieeffizienz dem Alter und der Art des Gebäudes entspricht. Stellt sich das Gegenteil heraus, kann der Mieter die Miete mindern und der Käufer einen Teil seines Geldes zurückverlangen.

Bei Wohnungseigentumsanlagen kommt es mitunter vor, dass die Hausgemeinschaft beschlossen hat, vorerst keinen Energieausweis erstellen zu lassen. Will nun ein Einzelner seine Wohnung verkaufen, muss er dafür auf eigene Kosten ein Dokument erstellen lassen. „Die Kosten kann er nicht von der Eigentümergemeinschaft zurückverlangen“, stellt Anton Holzapfel vom Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) fest.

Viele Makler hätten Schwierigkeiten, ihren Kunden klarzumachen, dass die Vorlage eines Energieausweises bei Verkauf oder Vermietung Pflicht ist, berichtet er. Eine Vereinbarung mit dem Käufer, dass man auf so etwas verzichtet, ist jedenfalls unzulässig. [istockphoto.com]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2012)

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