Veranlagung: Wie sich Geld langfristig vermehrt

Wer daran denkt, sein Kapital langfristig zu veranlagen, hat theoretisch viele Möglichkeiten. Praktisch stellt sich die Frage, ob klassische Vorsorge- oder Sparprodukte auch halten, was sie versprechen.

Veranlagung sich Geld langfristig
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Veranlagung sich Geld langfristig
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Wien. Wer heute 30 Jahre alt ist und langfristig Geld veranlagen möchte, dem stehen im Grunde zahlreiche Möglichkeiten offen. Praktisch stellt sich allerdings die Frage, ob klassische Vorsorge- oder Sparprodukte auch tatsächlich das halten, was sie versprechen. Oder ob es überhaupt sinnvoller ist, sein Geld an den Aktienbörsen zu veranlagen.

Wer für die Dauer von 20 Jahren investieren will, dem kommt häufig zuerst die klassische Lebensversicherung in den Sinn. Doch die vermehrt nicht nur das vom Kunden einbezahlte Kapital, sondern kostet auch Geld, weil die Versicherungen Posten wie Provisionen oder den Verwaltungsaufwand vom einbezahlten Prämienvolumen abziehen. Erst das, was übrig bleibt, wird veranlagt.
Ein Beispiel der Wiener Städtischen Versicherung zeigt etwa, dass ein 30-jähriger Angestellter bei einer Er- und Ablebensversicherung nach einer monatlichen Einzahlung von hundert Euro bei einer Laufzeit von 20 Jahren (Prämienvolumen: 24.000 Euro) im Erlebensfall 25.252 Euro garantiert erhält. Kalkuliert die Versicherung mit einer aktuellen Gewinnbeteiligung und einer Gesamtverzinsung von 3,25 Prozent, erhält der Kunde rund 30.800 Euro. Wählt man hingegen eine fondsgebundene Lebensversicherung, bleiben bei einer Null-Prozent-Performance am Ende der Laufzeit 21.800 übrig. Bei einer Performance von drei Prozent 29.700 Euro.

Kann sich der Kunde auf einen Schlag die Einzahlung von 24.000 Euro leisten (Einmalerlag), zahlen sich solche Versicherungsprodukte schon eher aus. Freilich gibt es auch die Möglichkeit, die Laufzeiten einer Lebensversicherung mit 25 Jahren zu kalkulieren, die Prämieneinzahlung aber nach 20 Jahren auszusetzen, heißt es seitens der Städtischen.

Die Schoellerbank hat vor Längerem verglichen, ob es besser ist, sein Geld in eine fondsgebundene Lebensversicherung zu stecken oder in die gleichen Fonds direkt zu investieren. Das Ergebnis: Jemand, der 200.000 in eine fondsgebundene Versicherung für die Dauer von 15 Jahren steckt, erhält am Ende der Laufzeit – nach Abzug von Kosten und bei einer jährlichen Rendite von drei Prozent – 248.000 Euro. Bei sechs Prozent Rendite wären es 383.000 Euro. Fließt das Kapital direkt in die Fonds, sind die Gebühren niedriger, wegen der höheren Steuer fallen für den Anleger aber um 8300 Euro (bei drei Prozent Rendite) oder 50.000 Euro (bei sechs Prozent) weniger ab.

Fondssparen als Alternative


Grundsätzlich, so Friedrich Strasser von der Bank Gutmann, verspreche „ein Investment in ein Wertpapierportfolio bei einem Zeitraum von 20 Jahren mehr Ertrag als ein kombiniertes Versicherungs- und Sparprodukt“. Doch dürfe man nicht vergessen, dass der Zusatznutzen einer Versicherung, etwa der Ablebensschutz, wegfällt. Andererseits könne man diesen auch separat abschließen, sagt Strasser.

Erste-Sparinvest-Investmentstratege Paul Severin rät, im Vorfeld zu überlegen, ob man eine sicherheitsbetonte, ausgewogene oder spekulative Veranlagung will. Severin bevorzugt grundsätzlich Fonds: „Der Vorteil eines Fonds ist, dass man über das Geld jederzeit verfügen, die Fondsanteile also laufend kaufen oder verkaufen kann.“ Zudem könne man mit relativ wenig Mitteln an attraktiven Märkten partizipieren. Wer monatlich bei einem Fonds anspart, kaufe sowohl in guten wie auch in schlechteren Phasen zu.

Robert Karas von der Schoellerbank rät Kleinanlegern dazu, sich Fonds auszusuchen, die möglichst langfristig veranlagen und ihr Portfolio nicht jedes Jahr umdrehen. Grundsätzlich seien Ansparpläne mit einem fixen monatlichen Betrag sinnvoll. Auch bei Aktien multinationaler Konzerne, die attraktive Dividenden zahlen, sei man gut aufgehoben.

Was Sie beachten sollten bei langfristiger Geldanlage


Das Sparbuch wirft derzeit kaum Zinsen ab, ein Umstand, der sich in nächster Zeit auch nicht ändern wird. Zudem eignet es sich kaum für die langfristige Geldanlage. Lebensversicherungen oder Fonds schon eher.


Tipp 1: Risiko. Wer sein Geld für die Dauer von rund 20 Jahren veranlagen will, sollte sich vorher überlegen, wie viel Risiko er einzugehen bereit ist. Eine Lebensversicherung ist zwar grundsätzlich sicher, auch weil das Vermögen in einem separaten Deckungsstock ausgelagert wird, dafür sind die Erträge – zumindest aus heutiger Sicht – nicht berauschend.

Tipp 2: Vertrag. Der Vorteil einer Er-und Ablebensversicherung besteht unter anderem in ihrem Ablebensschutz. Doch Assekuranzen sind Unternehmen, die von ihnen angebotenen Leistungen daher nicht gratis. Zudem verliert ein Kunde Geld, wenn er vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen will. Der Vorteil eines Fonds ist, dass die Anteile jederzeit verkauft werden können.

Tipp 2: Aktien. Wer mehr Risiko nehmen will, hat die Möglichkeit, in einzelne Aktien zu investieren. Experten raten immer wieder zu dividendenstarken Bluechips, da sie attraktive Renditen erzielen. Wem keine großen Summen auf einmal zur Verfügung stehen, kann monatlich einen bestimmten Betrag in einen Fonds einzahlen und so in schlechten Marktphasen günstiger zukaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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