Veranlagung: Wie sich Geld langfristig vermehrt

28.06.2012 | 17:46 |  Von Nicole Stern (Die Presse)

Wer daran denkt, sein Kapital langfristig zu veranlagen, hat theoretisch viele Möglichkeiten. Praktisch stellt sich die Frage, ob klassische Vorsorge- oder Sparprodukte auch halten, was sie versprechen.

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Wien. Wer heute 30 Jahre alt ist und langfristig Geld veranlagen möchte, dem stehen im Grunde zahlreiche Möglichkeiten offen. Praktisch stellt sich allerdings die Frage, ob klassische Vorsorge- oder Sparprodukte auch tatsächlich das halten, was sie versprechen. Oder ob es überhaupt sinnvoller ist, sein Geld an den Aktienbörsen zu veranlagen.

Wer für die Dauer von 20 Jahren investieren will, dem kommt häufig zuerst die klassische Lebensversicherung in den Sinn. Doch die vermehrt nicht nur das vom Kunden einbezahlte Kapital, sondern kostet auch Geld, weil die Versicherungen Posten wie Provisionen oder den Verwaltungsaufwand vom einbezahlten Prämienvolumen abziehen. Erst das, was übrig bleibt, wird veranlagt.
Ein Beispiel der Wiener Städtischen Versicherung zeigt etwa, dass ein 30-jähriger Angestellter bei einer Er- und Ablebensversicherung nach einer monatlichen Einzahlung von hundert Euro bei einer Laufzeit von 20 Jahren (Prämienvolumen: 24.000 Euro) im Erlebensfall 25.252 Euro garantiert erhält. Kalkuliert die Versicherung mit einer aktuellen Gewinnbeteiligung und einer Gesamtverzinsung von 3,25 Prozent, erhält der Kunde rund 30.800 Euro. Wählt man hingegen eine fondsgebundene Lebensversicherung, bleiben bei einer Null-Prozent-Performance am Ende der Laufzeit 21.800 übrig. Bei einer Performance von drei Prozent 29.700 Euro.

Kann sich der Kunde auf einen Schlag die Einzahlung von 24.000 Euro leisten (Einmalerlag), zahlen sich solche Versicherungsprodukte schon eher aus. Freilich gibt es auch die Möglichkeit, die Laufzeiten einer Lebensversicherung mit 25 Jahren zu kalkulieren, die Prämieneinzahlung aber nach 20 Jahren auszusetzen, heißt es seitens der Städtischen.

Die Schoellerbank hat vor Längerem verglichen, ob es besser ist, sein Geld in eine fondsgebundene Lebensversicherung zu stecken oder in die gleichen Fonds direkt zu investieren. Das Ergebnis: Jemand, der 200.000 in eine fondsgebundene Versicherung für die Dauer von 15 Jahren steckt, erhält am Ende der Laufzeit – nach Abzug von Kosten und bei einer jährlichen Rendite von drei Prozent – 248.000 Euro. Bei sechs Prozent Rendite wären es 383.000 Euro. Fließt das Kapital direkt in die Fonds, sind die Gebühren niedriger, wegen der höheren Steuer fallen für den Anleger aber um 8300 Euro (bei drei Prozent Rendite) oder 50.000 Euro (bei sechs Prozent) weniger ab.

Fondssparen als Alternative


Grundsätzlich, so Friedrich Strasser von der Bank Gutmann, verspreche „ein Investment in ein Wertpapierportfolio bei einem Zeitraum von 20 Jahren mehr Ertrag als ein kombiniertes Versicherungs- und Sparprodukt“. Doch dürfe man nicht vergessen, dass der Zusatznutzen einer Versicherung, etwa der Ablebensschutz, wegfällt. Andererseits könne man diesen auch separat abschließen, sagt Strasser.

Erste-Sparinvest-Investmentstratege Paul Severin rät, im Vorfeld zu überlegen, ob man eine sicherheitsbetonte, ausgewogene oder spekulative Veranlagung will. Severin bevorzugt grundsätzlich Fonds: „Der Vorteil eines Fonds ist, dass man über das Geld jederzeit verfügen, die Fondsanteile also laufend kaufen oder verkaufen kann.“ Zudem könne man mit relativ wenig Mitteln an attraktiven Märkten partizipieren. Wer monatlich bei einem Fonds anspart, kaufe sowohl in guten wie auch in schlechteren Phasen zu.

Robert Karas von der Schoellerbank rät Kleinanlegern dazu, sich Fonds auszusuchen, die möglichst langfristig veranlagen und ihr Portfolio nicht jedes Jahr umdrehen. Grundsätzlich seien Ansparpläne mit einem fixen monatlichen Betrag sinnvoll. Auch bei Aktien multinationaler Konzerne, die attraktive Dividenden zahlen, sei man gut aufgehoben.

Was Sie beachten sollten bei langfristiger Geldanlage


Das Sparbuch wirft derzeit kaum Zinsen ab, ein Umstand, der sich in nächster Zeit auch nicht ändern wird. Zudem eignet es sich kaum für die langfristige Geldanlage. Lebensversicherungen oder Fonds schon eher.


Tipp 1: Risiko. Wer sein Geld für die Dauer von rund 20 Jahren veranlagen will, sollte sich vorher überlegen, wie viel Risiko er einzugehen bereit ist. Eine Lebensversicherung ist zwar grundsätzlich sicher, auch weil das Vermögen in einem separaten Deckungsstock ausgelagert wird, dafür sind die Erträge – zumindest aus heutiger Sicht – nicht berauschend.

Tipp 2: Vertrag. Der Vorteil einer Er-und Ablebensversicherung besteht unter anderem in ihrem Ablebensschutz. Doch Assekuranzen sind Unternehmen, die von ihnen angebotenen Leistungen daher nicht gratis. Zudem verliert ein Kunde Geld, wenn er vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen will. Der Vorteil eines Fonds ist, dass die Anteile jederzeit verkauft werden können.

Tipp 2: Aktien. Wer mehr Risiko nehmen will, hat die Möglichkeit, in einzelne Aktien zu investieren. Experten raten immer wieder zu dividendenstarken Bluechips, da sie attraktive Renditen erzielen. Wem keine großen Summen auf einmal zur Verfügung stehen, kann monatlich einen bestimmten Betrag in einen Fonds einzahlen und so in schlechten Marktphasen günstiger zukaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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5 Kommentare

am besten silber

das wird laufend verbraucht (sogar mehr als aus dem boden herausgeholt wird)

in 20 jahren wird silber mehr wert sein als gold

Wichtig ist in diesem Finanzsystem

KEINE langen Bindungen einzugehen, damit man jederzeit flexibel sein Kapital transferieren oder auch abheben kann.

Sogar das Gold, das ich halte, kann ich jederzeit verkaufen.

Immobilien sind wie der Namen schon sagt immobil und daher eher keine gute Idee.
Da sind Diamanten schon interessanter. Sehr klein, leicht, also mit sehr hoher Wertdichte. Die kann man überall hin mitnehmen udn sie auch leicht verstecken.

Ein lupenriener 5 Karäter mit bester Qualität kostet heute so viel wie ein Haus, ca. 500.000 eur, der ist aber nur 1 Gramm schwer ;-)


Gast: Hutbürger
29.06.2012 07:35
2

Neben Lebensversicherungen und Fonds

gibt es auch noch eine dritte, etwas bequemere, aber ähnlich zielführende Veranlagungsmöglichkeit: einfach das Fenster öffnen und das Geld raus schmeißen.

Gast: UKW
28.06.2012 21:21
1

"Wählt man hingegen eine fondsgebundene Lebensversicherung, bleiben bei einer Null-Prozent-Performance am Ende der Laufzeit (also nach 20 Jahren von 24.000 Euro Einzahlung) 21.800 übrig".

WoW, das klingt sehr verlockend.

Gast: Wirtschaftler
28.06.2012 19:58
4

Fast alles Unsinn !

Was in 20 Jahren mit dem Geld sein wird, kann niemand voraussagen. Für derartige Schen eine Lebensversicherung oder Fonds abzuschließen ist monetärer Selbstmord. Inflation oder Entwertungen machen das Ersparte immer geringer, da können die Bankmanager das Blaue vom Himmel heruntererzählen.
Wirkliche Anlage sind Grund und Boden, Gute Firmen, Patente, Marken und Muster. Patente zum Einkaufen sind vor allem zu bevorzugen, da sie unabhängig vom momentanen Geldzustand zumindest eine garantierte Laufzeit von 20 Jahren haben. Mit Weiterführungspatenten kommt man auf 40- und mehr Jahren. Da lohnt sich das Geschäft auf lange Jahre und ist 100% sicher sowie gesetzlich bestens geschützt( auch international).
Aber das darf Ihnen ein Bankberater nicht sagen, außerdem hat er von dieser Sparte keine Ahnung, nur von der schnellen Abzocke.

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