Sparbuch: "Sparen ist freiwillige Enteignung"

11.10.2012 | 18:22 |  EVA STEINDORFER (Die Presse)

Acht von zehn Österreichern setzen nach wie vor auf das Sparbuch. Der Vorstand der "Erste Bank" rät kurz vor dem Weltspartag, sich Alternativen zu suchen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Zum ersten Mal, seit sich Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank, erinnern kann, wird es dieses Jahr zum Weltspartag kein eigenes Sparbuchangebot mit „Jubiläumszinsen“ geben. „Eine Zäsur“, sagt Bosek. Für Sparer gibt es wahrlich keinen Grund zum Feiern. Denn die momentan erhältlichen Zinsen dienen abzüglich der Kapitalertragsteuer (Kest) gerade noch der Liquiditätshaltung, nicht der Vermehrung. Und da die Sparzinsen unter der Inflationsrate liegen, wird das angesparte Kapital real sogar weniger statt mehr. Ein Blick auf das AK-Portal „Bankenrechner“ zeigt: Derzeit bieten Banken für ein täglich fälliges Sparkonto zwischen 0,062 und 1,65 Prozent Zinsen. Über der Inflationsrate von derzeit 2,4 Prozent liegen nicht einmal jene Angebote, die Neukunden für die ersten sechs Monate mit über zwei Prozent Zinsen locken.

Bosek bringt es auf den Punkt: „Sparen ist freiwillige Enteignung.“ Die „finanzielle Repression“, also die schleichende Pfändung der Anleger durch Inflation und niedriges Zinsniveau, sei das Mittel zur Entschuldung des Staates. „Ich sehe in den nächsten fünf Jahren keine Entspannung dieser Situation“, sagt Bosek.

 

Zufriedenheit der Sparer steigt

Diese Erkenntnis ist offenbar bei den Österreichern nicht angekommen. Laut einer jährlich von der Erste Bank anlässlich des nahenden Weltspartages (31.Oktober) bei Imas in Auftrag gegebenen Studie haben acht von zehn Österreichern ein Sparbuch. Jeder Zweite ist mit seiner Sparleistung zufrieden bis sehr zufrieden. Damit ist die Zufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte gestiegen. Auf die Frage „Wie wichtig ist Sparen für Sie?“ antworten 39Prozent mit „sehr wichtig“, 31Prozent mit „wichtig“. Nur zehn Prozent halten Sparen für wenig oder gar nicht wichtig. „Die Sparneigung der Österreicher ist seit drei Jahren etwa stabil. Die Welle des Angstsparens, die wir 2009 bemerkt haben, hat sich nicht fortgesetzt“, sagt Bosek.

Die aktuelle Sparquote, also der Anteil des Gesparten am verfügbaren Einkommen, liegt bei 8,4Prozent (Juli 2011 bis Juni 2012) und hält damit das Niveau der letzten Jahre, ist aber deutlich niedriger als vor 2009. Und die Sparleistung kann nicht mehr deutlich gesteigert werden. 170 Euro spart der Österreicher monatlich im Schnitt. Das sind zwar um zwei Euro mehr als 2011. 2010 nahm die Sparleistung im Vergleich zu 2009 aber noch um zehn Euro zu. Als Gründe für diese Abschwächung nennt Bosek einerseits steigende Lebenskosten wie Miete und Energie, andererseits auch die Suche nach alternativen Investmentformen.

 

Bindungsangst wird größer

Generell, das zeigen die Umfragen sowohl der Erste Bank als auch der Bank Austria, setzen Anleger mehr und mehr auf kurzfristige Veranlagungen. Den Menschen sei es wichtig, ihr Geld für ein verändertes Anlageumfeld verfügbar zu haben. „Die Bindungsbereitschaft der meisten Kunden endet bei fünf bis sieben Jahren“, präzisiert Bosek. Das Interesse an Lebensversicherungen sinkt. Die Nachfrage nach Fonds sei dafür stärker geworden: „Da ist dieses Jahr eine Trendwende bemerkbar.“ Die direkte Investitionsbereitschaft in den Wertpapiermarkt sei aber nicht überbordend. Die hohe Volatilität der Kurse, die mittlerweile „Normalität“ sei, schrecke ab.

Laut einer Bank-Austria-Umfrage erfreuen sich klassische Sparprodukte der Gunst von 77Prozent der Anleger und hängen andere Formen ab. Die Anleger schätzen die Verständlichkeit (90Prozent) und die Einlagensicherung (72Prozent).

Was Sie beachten sollten beim... Sparen

Tipp1

Notgroschen.Sparbuchzinsen sind derzeit so niedrig, dass sie nicht ausreichen, um auch nur Inflation und Kapitalertragsteuer hereinzuspielen. Am Sparbuch führt dennoch kein Weg vorbei, wenn es um das Zwischenparken der „eisernen Reserve“ geht, also jenes Geldes, auf das man jederzeit zugreifen kann. Dafür sollte man freilich kurze Laufzeiten wählen, auch wenn die Zinsen hier noch geringer sind.

Tipp2

Einlagensicherung. Die Österreicher schätzen an Sparprodukten die einfache Verständlichkeit und die Einlagensicherung, wie eine Umfrage der Bank Austria zeigt. Diese gilt bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank. „Sicher“ ist aber nur der nominelle Betrag. Wenn die Zinsen jahrelang geringer sind als die Inflation (das dürften sie in den nächsten Jahren sein), schützt die Einlagensicherung nicht vor der Geldentwertung.

Tipp3

Alternativen. Staatsanleihen sicherer Staaten (Deutschland, Österreich) werfen niedrige Zinsen ab, Firmenanleihen bringen etwas mehr. Aktien sind im Vergleich zu Anleihen günstig, doch geht man dabei das Risiko von Kursschwankungen ein. Sicherer fährt man, wenn man das Geld streut, etwa über einen Fonds. Aktien können als „reale“ Werte auch vor Inflation schützen. Das können auch Gold und Immobilien, Letztere sind aber teilweise sehr teuer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

20 Kommentare

Was ist Enteignung?

Keine Zinsen auf Sparguthaben oder der mögliche totale Verlust bei "Wertpapieren"?.Jetzt habens die Salzburger gerade erfahren wie man enteignet wird.Und die Boseks dieser Welt finden mit solchen Aussagen wieder genug Dumme die ein Sparbuch tepat finden.Sie werden immer wieder geschoren und die großen Schafe,Bosek gehört nicht dazu,werden immer rechtzeitig mit den Verkauf der Wertpapiere zur rechten Zeit,Reichtümer wie Grund und Boden,Schlößer Frauen und Geschmeide erwerben.Die Bosekopfer bekommen Krebs oder Paranoia.

Gast: baenkster
13.10.2012 19:11
1

ich spare nur noch in

goldene wiener phillharmoniker- und kein baenkster, fondmanager, versicherung oder sonst irgendeun finanz fuzzi verdient mehr an meinen ersparnissen.

Re: ich spare nur noch in

in der(wircklichen) Krise gebe ich dir für ein Kilo Gold ein Würstel.Von der Mafia kriegst eine auf den Schädel.Wieviel Naivität geht noch?!.

Gast: baenkster
13.10.2012 19:08
0

gold - sonst nichts!

gold oder

Fuer 1-2 % zinsen einer unsicheren zockerbank mein geld borgen, die dann mit der ueber 10 fachen summe (eigenkapital idr deutlich unter 10% ) damit PIGS staatsanleichen kauft.

Und fuer diese pigs anleihen zahlen wir ueber esm, ezb und target ll.

Bei einer tatsaechlichen inflation von etwa 5-6% (offiziell nur bei kapp unter 3) ist man bei diesem system, welches die banken sanieren soll und wieder fette boni fuer die baenkster fliessen lassen soll, nur der dumme.

Gold in muenzen oder barren- das ist die einzige antwort auf diese ausbeuterei. Nicht mit mir!

Re: gold - sonst nichts!

auch in vorratslagerung von dingen des taeglichen gebrauchs lohnt es sich zu investieren da man sich die inflationskomponente dieser kosten buchstaeblich erspart... unversteuert.

Gast: Spare.froh
13.10.2012 18:23
2

Spieß umdrehen

Wer jetzt noch Geld auf der Bank hat, sollte sich von der Bank ein reales Pfand überschreiben lassen.

Schließlich verlangen die Banken auch für jeden luftgeschöpften Kredit ein Pfand.

Wird Zeit darüber nachzudenken, ob man das umgekehrt nicht auch machen sollte.

Gast: stadl
13.10.2012 16:54
0

0€ am Konto

Wer berechnet, wann 100 000 € bei dieser Entwicklung gegen 0€ gehen und alles dem Staat gehört(Kest) ?

Gast: baenkster
13.10.2012 16:51
0

ich habe nur noch

2-3 % meines vermoegens bei einer bank in oesterreich

Nicht mit mir! !

Ich plädiere für: " Nicht sparen" !

-> sofort alles verbrauchen, dann hat man auch was von seinem bisserl Geld :)

Gast: Jössas Na
13.10.2012 05:01
2

.... der Weltspartag?

Wer bitte und wie soll man heutzutage sparen? Vor oder nach der Autoreparatur, Strom/GAsrechnung oder dem Handwerkerbesuch? Wer hat am Ende des Geldes noch Monat übrig? Wieviel Zinsen gibt es dafür, Herr Bosek?
Zuerst bricht der Konsum weg, dann die Kredite... dann hilft auch keine EZB, denn Nackten kann man nicht in die Taschen greifen.

Vorsicht ist geboten!

Denn es ist sehr wahrschienlich, dass Turbokapitalisten lediglich wollen, dass der Sparer (und Laie!!! in wirtschaftlichen Belangen) sein Geld irgendwie anzulegen versucht! Das kann durchaus zum Glücksspiel mit der Existenz werden.

Gast: Gottes Adjutant
12.10.2012 13:29
4

5-7 Jahre Bindung?


Ein Land der Idioten: Für ein paar Zehntel Prozent geringerer VERLUST - gehen sie das Risiko ein gleich alles zu verlieren. Unfassbar. Man schämt sich für die Dummheit der Einfaltspinseln. Sie können weder rechnen, noch analytisch und strategisch denken.

Gast: noch einer
12.10.2012 09:19
2

Angstkonsumieren

Der Angstkonsum (Geldentwertung)
soll nun eine wirtschaftliche Rezession verhindern ?
Wenn die "Sparer" ihr Geld abheben ,
haben zwar die Banken kein Geld mehr ,
aber nachdem die EZB&co beliebig Geld "schaffen"
können ,scheinen auch Banken ohne Sparergeld kein Problem zu sein ...
... So weit die Milchmädchenrechnung

vermutl. werden die Menschen , das Humankapital ,
von den Politikern ,den Handlangern des Kapitals ,
alternativlos ,
ausgepresst werden
wie Zitronen

Re: Angstkonsumieren

leider keine milchmaedchenrechnung
ezb versorgt banken mit geld, banken gehen aus dem risoko heraus, scheffeln geld mit dem verkauf von unternehmensanleihen.
dabei zeichnen sich besonders die erste und die rbk aus.
siehe mirko kovats und aktuell alpine

Antworten Antworten Gast: Gottes Adjutant
12.10.2012 13:36
0

Re: Re: Angstkonsumieren


Aber WER kauft schon heutzutage noch Wertpapiere? Vorallem solche von Kovats oder der Alpine? Es sind nur noch institutionelle Anleger die hier mitspielen - und damit wandert das wertlose Geld (Vermögen) im Kreis. Diese Luftkäufe müssen auch fortgesetzt werden. Sobald sich keine (Schein-) käufer mehr fänden, wären die Kurse der Papiere gleich NULL. Man kann auch sagen, dass die Luftgeschäfte einzig und allein der "Kurspflege" dienen.

Antworten Gast: hallllodri
12.10.2012 09:55
2

Re: Angstkonsumieren

aber, aber, :)

der herr möchte ja gar nicht,,
daß das geld abgehoben wird,

er möchte vielleicht ja nur haben, daß es in tolle 'finanzprodukte' der 'ebs' investiert wird.

nur so lassen sich auch wieder anständige gebühren kassieren.

ist doch viel toller, sein geld über gebühren und das beim anleger verbleibende risiko zu inflationieren :)
damit man wenigstens genau weiß, wer schlußendlich was davon hat :)

man muß ja schließlich schauen, daß am ende des jahres was in der bilanz übrigbleibt,
denn wie soll man denn ohne anständigen bonus über die runden kommen...

ich verstehe diese sorgen schon,
wirklich!


Gast: hallllodri
12.10.2012 08:32
3

jö lieb...

mein geld von der erste bank (sparkasse) habe ich schon lange abgezogen, Peter B.,
und ihr werdet auch keines mehr von mir sehen ;-)

Antworten Gast: noch einer
12.10.2012 12:08
0

Re: jö lieb...

meins ist auch schon weg ....

Gast: Eineristimmerderbosek
12.10.2012 06:31
9

Wer fürchtet sich vorm anlageberater?

Er will mit dem Geld der Kunden doch nur spielen

stimmt


leider, nur ist die wirkliche inflation bei 10% und keiner bank in europa darf man geld anvertrauen.

People & Business

AnmeldenAnmelden