Sparbuch: "Sparen ist freiwillige Enteignung"

Acht von zehn Österreichern setzen nach wie vor auf das Sparbuch. Der Vorstand der "Erste Bank" rät kurz vor dem Weltspartag, sich Alternativen zu suchen.

bdquoSparen freiwillige Enteignungldquo
Schließen
bdquoSparen freiwillige Enteignungldquo
Peter Bosek – (c) APA (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Zum ersten Mal, seit sich Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank, erinnern kann, wird es dieses Jahr zum Weltspartag kein eigenes Sparbuchangebot mit „Jubiläumszinsen“ geben. „Eine Zäsur“, sagt Bosek. Für Sparer gibt es wahrlich keinen Grund zum Feiern. Denn die momentan erhältlichen Zinsen dienen abzüglich der Kapitalertragsteuer (Kest) gerade noch der Liquiditätshaltung, nicht der Vermehrung. Und da die Sparzinsen unter der Inflationsrate liegen, wird das angesparte Kapital real sogar weniger statt mehr. Ein Blick auf das AK-Portal „Bankenrechner“ zeigt: Derzeit bieten Banken für ein täglich fälliges Sparkonto zwischen 0,062 und 1,65 Prozent Zinsen. Über der Inflationsrate von derzeit 2,4 Prozent liegen nicht einmal jene Angebote, die Neukunden für die ersten sechs Monate mit über zwei Prozent Zinsen locken.

Bosek bringt es auf den Punkt: „Sparen ist freiwillige Enteignung.“ Die „finanzielle Repression“, also die schleichende Pfändung der Anleger durch Inflation und niedriges Zinsniveau, sei das Mittel zur Entschuldung des Staates. „Ich sehe in den nächsten fünf Jahren keine Entspannung dieser Situation“, sagt Bosek.

 

Zufriedenheit der Sparer steigt

Diese Erkenntnis ist offenbar bei den Österreichern nicht angekommen. Laut einer jährlich von der Erste Bank anlässlich des nahenden Weltspartages (31.Oktober) bei Imas in Auftrag gegebenen Studie haben acht von zehn Österreichern ein Sparbuch. Jeder Zweite ist mit seiner Sparleistung zufrieden bis sehr zufrieden. Damit ist die Zufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte gestiegen. Auf die Frage „Wie wichtig ist Sparen für Sie?“ antworten 39Prozent mit „sehr wichtig“, 31Prozent mit „wichtig“. Nur zehn Prozent halten Sparen für wenig oder gar nicht wichtig. „Die Sparneigung der Österreicher ist seit drei Jahren etwa stabil. Die Welle des Angstsparens, die wir 2009 bemerkt haben, hat sich nicht fortgesetzt“, sagt Bosek.

Die aktuelle Sparquote, also der Anteil des Gesparten am verfügbaren Einkommen, liegt bei 8,4Prozent (Juli 2011 bis Juni 2012) und hält damit das Niveau der letzten Jahre, ist aber deutlich niedriger als vor 2009. Und die Sparleistung kann nicht mehr deutlich gesteigert werden. 170 Euro spart der Österreicher monatlich im Schnitt. Das sind zwar um zwei Euro mehr als 2011. 2010 nahm die Sparleistung im Vergleich zu 2009 aber noch um zehn Euro zu. Als Gründe für diese Abschwächung nennt Bosek einerseits steigende Lebenskosten wie Miete und Energie, andererseits auch die Suche nach alternativen Investmentformen.

 

Bindungsangst wird größer

Generell, das zeigen die Umfragen sowohl der Erste Bank als auch der Bank Austria, setzen Anleger mehr und mehr auf kurzfristige Veranlagungen. Den Menschen sei es wichtig, ihr Geld für ein verändertes Anlageumfeld verfügbar zu haben. „Die Bindungsbereitschaft der meisten Kunden endet bei fünf bis sieben Jahren“, präzisiert Bosek. Das Interesse an Lebensversicherungen sinkt. Die Nachfrage nach Fonds sei dafür stärker geworden: „Da ist dieses Jahr eine Trendwende bemerkbar.“ Die direkte Investitionsbereitschaft in den Wertpapiermarkt sei aber nicht überbordend. Die hohe Volatilität der Kurse, die mittlerweile „Normalität“ sei, schrecke ab.

Laut einer Bank-Austria-Umfrage erfreuen sich klassische Sparprodukte der Gunst von 77Prozent der Anleger und hängen andere Formen ab. Die Anleger schätzen die Verständlichkeit (90Prozent) und die Einlagensicherung (72Prozent).

Was Sie beachten sollten beim... Sparen

Tipp1

Notgroschen.Sparbuchzinsen sind derzeit so niedrig, dass sie nicht ausreichen, um auch nur Inflation und Kapitalertragsteuer hereinzuspielen. Am Sparbuch führt dennoch kein Weg vorbei, wenn es um das Zwischenparken der „eisernen Reserve“ geht, also jenes Geldes, auf das man jederzeit zugreifen kann. Dafür sollte man freilich kurze Laufzeiten wählen, auch wenn die Zinsen hier noch geringer sind.

Tipp2

Einlagensicherung. Die Österreicher schätzen an Sparprodukten die einfache Verständlichkeit und die Einlagensicherung, wie eine Umfrage der Bank Austria zeigt. Diese gilt bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank. „Sicher“ ist aber nur der nominelle Betrag. Wenn die Zinsen jahrelang geringer sind als die Inflation (das dürften sie in den nächsten Jahren sein), schützt die Einlagensicherung nicht vor der Geldentwertung.

Tipp3

Alternativen. Staatsanleihen sicherer Staaten (Deutschland, Österreich) werfen niedrige Zinsen ab, Firmenanleihen bringen etwas mehr. Aktien sind im Vergleich zu Anleihen günstig, doch geht man dabei das Risiko von Kursschwankungen ein. Sicherer fährt man, wenn man das Geld streut, etwa über einen Fonds. Aktien können als „reale“ Werte auch vor Inflation schützen. Das können auch Gold und Immobilien, Letztere sind aber teilweise sehr teuer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

Sparbuch: "Sparen ist freiwillige Enteignung"

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen