Weltspartag: Der Tag des traurigen Sparschweins

30.10.2012 | 18:11 |  ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Wer sich zum Weltspartag am Mittwoch attraktive Angebote sichern will, wird enttäuscht sein. Angesichts einer historischen Niedrigzinsphase haben die Banken kaum etwas zu bieten.

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Wien. Es wirkt fast so, als wäre der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien ihr heuriges Weltspartagsangebot ein bisschen unangenehm. Über mehrere Absätze erklärt sie in einer Mitteilung zunächst, dass der Uniqa-Tower zwei Nächte lang in Schwarz-Gelb erstrahlen wird („Eine Hommage an die fleißige Sparbiene Sumsi“) und dass ihre Mitarbeiter am heutigen Weltspartag neben der Staatsoper gemeinsam frühstücken werden. Weit unten heißt es dann trocken: „Bis 2. November 2012 bietet Raiffeisen in den Filialen ein Sparbuch mit der Laufzeit von 24 Monaten und der Verzinsung von 1,625 Prozent fix an.“

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1,625 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren: Das ist kein großes Geschäft für Sparer. Unter Berücksichtigung der Inflation von zuletzt 2,7 Prozent ergibt sich selbst vor Abzug der Kapitalertragssteuer (25 Prozent) ein klarer Kaufkraftverlust. Bei der Konkurrenz schaut es nicht besser aus: Die Bank Austria zahlt für das „Künstlersparbuch“ 1,1 Prozent über 18 Monate Laufzeit. Als Trost ist auf dem Büchlein Gustav Klimts Gemälde „Nixen“ abgebildet.

 

Erste mit Smartphone-App

Die Bawag hat an einigen Stellen an der Zinsschraube gedreht und zahlt Inhabern eines Girokontos auf einem Kapitalsparbuch nun 1,125 Prozent anstatt 1,0 Prozent für ein Jahr fix. Neukunden, die ein Girokonto eröffnen, erhalten ebenfalls etwas bessere Konditionen bei Sparbüchern.

Die Erste Bank hat heuer komplett darauf verzichtet, mit Zinsprodukten um Einlagen zu werben. Dafür geht sie mit einer Anwendung (App) für Smartphones ins Rennen, die ihren Kunden das Sparen per Knopfdruck ermöglichen soll. Einmal eingeloggt, können dort einzelne Beträge schnell und einfach auf ein Sparkonto der Erste Bank überwiesen werden. Etwa „wenn man z. B. bewusst beim Einkaufen auf etwas verzichtet“, wie das Institut vorschlägt.

Freilich sind die Banken nicht allein daran schuld, dass die Zinsen im absoluten Tief verharren. Schließlich wird der Leitzins von den Notenbanken bewusst niedrig gehalten, um die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen. Und natürlich auch, um den Regierungen den Schuldenabbau zu erleichtern. Viele Länder sparen sich wegen der niedrigen Kupons ihrer Anleihen gerade eine Menge Geld – dazu gehört neben Deutschland auch Österreich.

Ein Blick in die Statistik der Oesterreichischen Nationalbank zeigt jedoch auch, dass die Kreditzinsen seit Jahresbeginn weniger stark gefallen sind als die Sparzinsen. In dieses Horn bläst zum Weltspartag die Arbeiterkammer: „Die Sparzinsen sind zu niedrig“, beschwert sie sich in einer Mitteilung. Die Konsumentenschützer der Arbeitnehmervertretung fordern neben einer Anhebung der Sparzinsen auch einfachere Produkte. Sparbücher dürften kein falsches „Mascherl“ tragen, sondern müssten auch wirklich Sparbücher und Sparkonten sein, „also einfach und überschaubar“. Produktkombinationen aus Sparbuch und Aktienfonds seien keine sicheren Spareinlagen.

 

Das Sparbuch ist unangefochten

Laut AK liegen die Zinsen bei täglich fälligen Sparbüchern derzeit zwischen 0,0625 und 2,1 Prozent, im Schnitt sind es 0,125 Prozent. Etwas mehr können Sparer bei Direktbanken lukrieren. Diese verfügen über kein Filialnetz und haben deswegen geringere Kosten. Im Schnitt zahlen sie 1,3 Prozent, am meisten (2,1 Prozent für Neukunden) gibt es bei Direktanlage.at.

Wer sein Kapital bindet und größere Beträge auf einmal zur Seite legen kann, kann sich höhere Fixzinsen sichern. Hier sind die Unterschiede zwischen den Banken recht groß. Für ein Sparbuch mit einem Jahr Laufzeit gibt es zwischen 0,5 und 1,75 Prozent, am meisten zahlen wiederum die Onlinebanken. Wer auch nur eine Chance haben will, die Inflation zu schlagen, muss sein Geld schon 60 Monate lang binden. Dann zahlt die Autobank zumindest 3,07 Prozent. Je nach dem, wie sich die Teuerung entwickelt, kann es aber auch damit zu einem Kaufkraftverlust kommen.

Von dem miesen Umfeld lassen sich die Österreicher jedoch nicht abhalten und scheffeln ihr Geld weiter aufs Sparbuch. Sowohl im Jahr 2011 als auch im ersten Halbjahr 2012 flossen mehrere Milliarden Euro auf Sparbücher. Bei riskanteren Anlagen greifen die Österreicher höchstens zu Anleihen, Aktien sind eher unbeliebt.

Was Sie beachten sollten bei... Sparprodukten

Tipp 1

Vergleichen. Diese alte Weisheit gilt beim Sparen ganz besonders. Die Konditionen ändern sich sehr oft, weswegen sich Kunden auf den neusten Stand bringen sollten, bevor sie ein Sparkonto eröffnen. Wer auf persönliche Betreuung keinen Wert legt, wird kaum Qualitätsunterschiede bei den Angeboten feststellen. Vergleiche gibt es etwa bei bankenrechner.at und bankkonditionen.at.

Tipp 2

Einlagensicherung. Die österreichische Einlagensicherung haftet für Spareinlagen in Höhe von 100.000 Euro. Voraussetzung ist, dass das Institut auch Mitglied bei der heimischen Einlagensicherung ist. Das ist meistens auch der Fall – unter Umständen kann es sein, dass die eine oder andere Direktbank einer ausländischen Einlagensicherung angehört. Im Zweifel hilft nachfragen.

Tipp 3

Abzüge beachten. Wenn es darum geht, Sparangebote zu bewerten, sollten immer auch die Inflation und die Kapitalertragsteuer berücksichtigt werden. So wird aus einem Zins von drei Prozent schnell ein Angebot, mit dem man unterm Strich verliert. Da reicht es schon, wenn die Inflation über 2,25 Prozent liegt. Zuletzt stiegen die Preise laut Statistik Austria im Jahresvergleich um 2,7 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)

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19 Kommentare
Gast: Ja, Natürlich
31.10.2012 17:20
0 0

würde ich sparen, wenn's mir 8% auf meine täglich fällige Einlage geben würden.

Gell, Bauer!

Antworten Gast: Krenni
31.10.2012 19:15
0 0

Re: würde ich sparen, wenn's mir 8% auf meine täglich fällige Einlage geben würden.

ich kenne da eine Bank in Indonesien, die würde ihnen die 8 % geben ;-)

In Österreich müssens halt mit weniger auskommen. 2 % gibts schon auch, aber dann noch 25 % für Frau Fekter lt.

http://www.sparzinsen-oesterreich.at/sparzinsen/Taeglich-faellig

Aber bringt alles nix, am besten wärs mit dem ersparten was schönes machen, was einem freude bringt. ansonsten renovierens wieder mal einen marmortempel.

Gast: Gast952
31.10.2012 15:02
0 0

Die tatsächliche Inflation war in den letzten Jahren zwischen 3 und 8 Prozent!

Trotz der hohen negativen Realverzinsung der letzten Jahre (hoher jährlicher Vermögensverlust) wird noch die KEST (ist somit eine reine Vermögenssteuer) von den Nominalzinsen abgezogen (kommunistische Enteignung für alle Sparer)!

Trotzdem wollen die kommunistischen Parteien (Grüne, SPÖ) noch eine zusätzliche kommunistische Enteignungssteuer (Vermögenssteuer) einführen!

Sparen ist gut.

Auch wenn das Sparen heute in Vergessenheit geraten ist, man sollte nie vergessen, dass man für sich selbst und die eigene Familie spart.

http://www.start-trading.de/blog/2012/10/31/weltspartag-haben-sie-sich-gedanken-gemacht/

In der Krise ist es immer gut, etwas auf der hohen Kante zu haben. Ganz egal ob es viel oder wenig Zinsen bringt.

Gast: ehschowurscht
31.10.2012 13:00
3 0

Weltspartag?

Kann ned stimmen - heute ist Halloween - da gibts statt Süssem Saures ;-)

Weitermachen reiches (wer eigentlich hm) Österreich!!!

Gast: monetarwissenschaft
31.10.2012 10:07
4 0

Das Volk wählt seine Enteigner...


...Die Gesellschaft wurde schrittweise in ein Geldsystem gezwungen, dessen katastrophale Auswirkungen unverkennbar sind. Das nächste Manöver der "Herren des Geldes" wird die Bargeld-Steuer sein, um die letzte kleine monetäre "Freiheit" des Einzelnen beseitigen zu können. Banken annektieren und kontrollieren nicht nur unser Lebensumfeld, sondern sie konstruieren es. Sie schaffen das politische System unter welcher Fahne auch immer. Ihre Handlungsspielräume sind quasi gesetzlich gedeckt. Bankenfreundliche Paragrafen finden mittels bankenfreundlicher Parlamentarier Einzug in die Gesetzesgebung. Das Kreditgeschäft ist summa sumarum ein Enteignungsmodell. Staatsanleihen zählen zu den übelsten Ausgeburten der Ausbeutungssystematik. Das Volk wählt in Wahrheit seine Enteigner...


Spare in der zeit, dann hast Du in der Not.

Die Bedeutung des Weltspartags wurde doch schon lange ad absurdum geführt. Lächerliche Zinsen, die noch nicht einmal die Inflation ausgleichen und die ständige Aufforderung zum Konsum sind für mich die Hauptgründe.
Wer heute sparen will, bringt sein Geld bestimmt nicht auf die Sparkasse.

Ach, übrigens ist heute Reformationstag, der sich im nächsten Jahr zum 500. mal jährt. Der Reformationstag scheint der Presse aber kein Artikel wert zu sein?

Antworten Gast: Eggnogg
31.10.2012 12:07
1 0

Re: Spare in der zeit, dann hast Du in der Not.

Warum auch? De mortuis nil nisi bene, da bleibt beim Luther nicht viel zu sagen.

Antworten Gast: Der Countdown läuft ...
31.10.2012 09:28
1 0

Bitte, wo denken Sie hin?!? Die Presse ist schließlich katholisch.


Gast: zzz
31.10.2012 08:28
4 0

Geldvernichtungstag

wer soll das verstehen. Die Leutln tragen ihr hart verdientes Geld auf die Bank um am Ende des Tages wieder weniger zurückzubekommen. Bank und Finanzministerin freuen sich.
Die Sparer sind nicht nur die Schafe der Nation, sie haben auch die Banken als Bock aktzeptiert.

Wieso ist der sogenannte "Neffentrick" strafbar und die Abzocke durch Banken und Staat legal?
Wo ist der Unterschied?

als Kind freute ich mich

ich wuchs unter ärmlichen Verhältnissen auf, ich freute mich jedes Jahr auf den heutigen Tag weil man tolle Spielsachen bekam! Heute?? Ok kann man ja als Bestechung auslegen! Oh nein bei diesen viel Geschenken an das Proletaria verliere ich wieviel %te an Provion, nein das kann man nicht zulassen !!

Gast: Das Vorgaukeln von traurigen Säuen ist der Weg mit dem sie uns zum Narren halten, bis sie wieder Cashe zum verspekulieren haben und am Ziel sind und wir am Hund!
31.10.2012 01:19
9 2

Weltspartag: Der Tag des traurigen Sparschweins.....

.....a traurige Sau habe ich noch nie gesehen und a Saustall ist heute sauberer als viele Banken.....man will da jetzt nur den tierliebenden Menschen die Traurigkeit von Säuen suggerieren, damits wieder etwas spenden!
be.es:
eigentlich müsste man es einmal umgekehrt machen...am Weltspartag ALLES ABHEBEN, um zu KONTROLLIEREN ob noch ALLES da ist....das sollten ALLE Menschen auf der Welt machen;-))
Ich sehe schon die Schilder, geschlossen, closed, chiuso, fermé, cerrado....usw.....

6 1

den 'weltspartag'

gibts komischerweise nur in oesterreich, oder ?

Antworten Gast: krenni
31.10.2012 19:13
0 0

Re: den 'weltspartag'

ja, glaub ich auch. in deutschland ist er bisschen bekannt, aber zu feiern gibts dort nix.

Gast: PÖHSE
30.10.2012 20:36
9 0

Früher gab es noch Taschenlampen, und billiges


Spielzeug, heute muß alles für die Boni gespart werden.

So ein Treichl lebt nicht von der Tesi allein !

Gast: Onkel Hans
30.10.2012 20:16
8 1

Tja, Leutln!


Irgendwer muss ja die Schuldenlast der PIIGS finanzieren. 66,6 % wollten das so. Für einen Ederer-Tausender.

Antworten Gast: Lecter
31.10.2012 08:42
1 0

Re: Tja, Leutln!

The number of the beast! Das erklärt alles.

Gast: Der Dank der Rettung
30.10.2012 19:32
17 0

Tag des traurigen Sparschweins

Raiffeisen macht 2012 ca. 1,346 Mrd. Euro und die Erste ca. 630 Millionen Euro Gewinn.

19 0

Re: Tag des traurigen Sparschweins

da kann man schon mal die beleuchtung brennen lassen, mit den mitarbeitern auf kosten der sparer brav essen gehn und die biene sumsi hochleben lassen.

die sitzen am längeren ast, auch wenn sie miese machen schaufeln ihnen die regierungen die millionen hinterher.

sparen ist inzwischen ein falsches wort. man spart ja nicht für sich selbst, da das eingezahlte für einen selbst ja weniger wert wird. man finanziert nur diesen wahnsinn mit...

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