Bausparen: Steuer frisst Prämie

14.11.2012 | 18:14 |   (Die Presse)

Bausparkunden erhalten künftig keinen Bonus mehr vom Staat. Er zieht ihnen über die Kapitalertragsteuer mehr ab, als er Sparern mit der staatlichen Prämie zukommen lässt.

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Wien/Ker. Die gute Nachricht für (potenzielle) Bausparkunden zuerst: Mit einem Fixzinsbausparer bekommt man auch im kommenden Jahr eine jährliche Verzinsung von zwei Prozent. „Wir halten dieses Angebot auf jeden Fall über den Jahreswechsel hinaus aufrecht“, heißt es seitens der sBausparkasse. Darauf könnten sich die Kunden verlassen. Zumindest aus heutiger Sicht ist der Bausparer somit theoretisch eine Alternative zu den lächerlich geringen Sparbuchzinsen, die bei vielen Banken 0,125 Prozent betragen, wenn die Einlage täglich behebbar sein soll.

Aber: Es gibt auch eine schlechte Nachricht für Bausparanleger. Die staatliche Prämie wird im neuen Jahr äußert gering ausfallen. Nämlich maximal 18 Euro oder nur 1,5 Prozent der jährlichen Beitragsleistung von 1200 Euro. Zwar können Bausparer noch mehr einzahlen, darüber hinaus gibt es allerdings keine Förderung mehr. Noch schlimmer: Es rechnet eigentlich niemand ernsthaft damit, dass die Bausparprämie mittelfristig wieder steigen wird. Die Republik muss sparen. Daher wird es über Jahre hinweg nur einen Zuschuss von maximal 18 Euro geben.

Bis zu 18 Euro pro Jahr – das ist wirklich nicht mehr viel. In den vergangenen Jahren gab es bis zu 36 Euro, also doppelt so viel. Da fragt sich der Kunde zu Recht, was die staatliche Prämie noch bringt. Zumindest bringt sie keinen Bonus mehr. Der Staat schießt zwar eine jährliche Prämie zu, er zieht aber auch Kapitalertragsteuer ab. Und wenn die staatliche Prämie in den nächsten Jahren weiterhin gering bleibt, macht sie in Summe weniger aus als die Steuerbelastung.

 

Anlegern bleibt nichts übrig

Ein Beispiel: Der Kunde schließt Anfang Jänner einen Bausparer mit einer fixen jährlichen Verzinsung ab. Er bekommt zwei Prozent pro Jahr plus die Bausparprämie. Davon muss er die Kontoführungsgebühren und die Kapitalertragsteuer abziehen. In den sechs Jahren erhält er bei einer Einzahlung von 1200 Euro jährlich in Summe 108 Euro an staatlicher Förderung (also sechsmal 18 Euro). Aber: Die Kapitalertragsteuer macht nach diesem Zeitraum rund 130 Euro aus. Der Staat steigt also mit einem Plus von über 20 Euro aus. Bisher summierte sich die jährliche Bausparprämie von maximal 36 Euro für die Anleger noch zu einem Gewinn, denn sie wurde nicht gänzlich von der Steuer aufgefressen. Die Prämie war unterm Strich 80 Euro höher als der Steuerabzug.

 

Unter zwei Prozent Nettozins

Das Argument der guten, alten staatlichen Prämie verliert für die Bausparkassen nun klar an Bedeutung. Die aktuelle Förderung von 1,5 Prozent sollte man nämlich auch nur in Relation betrachten. Der Wert bezieht sich auf die laufende Beitragszahlung und nimmt daher jährlich ab. Im sechsten Jahr, in dem die Summe der Einzahlungen 7200 Euro ausmacht, beträgt die staatliche Prämie relativ dazu nur noch 0,25 Prozent. Das lässt sich für Finanzberater dann nicht mehr so gut verkaufen.

Der Fixzinsbausparer, bei dem Anleger jährlich 1200 Euro einzahlen, bietet nach sechs Jahren Laufzeit einen Betrag von rund 7665 Euro (nach Abzug der Kapitalertragsteuer und der Kosten). Das entspricht einer jährlichen effektiven Nettoverzinsung von 1,8 Prozent. Rechnet man eine Inflation von zwei Prozent ein, fällt ein realer Verlust an. Den Bausparkassen bleibt zumindest das Argument, dass Anleger bei Sparbüchern einen noch höheren Verlust in Kauf nehmen müssen. Denn dort dämpft keine staatliche Prämie die Inflation und die Steuer ab. [iStockphoto]

Was Sie beachten sollten bei... Bausparverträgen

Tipp 1

Bausparrendite. Wählt man bei der sBausparkasse einen Bausparvertrag mit einer fixen Verzinsung, erhält man jährlich zwei Prozent Zinsen. Das klingt bei der derzeitigen Marktlage gut. Hinzu kommt eine steuerfreie staatliche Prämie, die maximal 18Euro pro Jahr beträgt, wenn Anleger 1200 jährlich einzahlen. Vom Zinsertrag werden allerdings noch die Kapitalertragsteuer sowie fünf Euro im Jahr für Kontoführungsgebühren abgezogen.

Tipp 2

Staat zieht mehr ab. Die staatliche Prämie wird ab dem Jahr 2013 nur noch maximal 18 Euro jährlich (oder 1,5 Prozent der jährlichen Beiträge von 1200 Euro) ausmachen, und nicht mehr 36 Euro wie in den Jahren zuvor. Damit erhalten Anleger keinen Bonus mehr vom Staat. Denn dieser zieht nach sechs Jahren 130 Euro für die Steuer ab. Die Summe der staatlichen Förderung beträgt dagegen nur noch 108 Euro.

Tipp 3

Reale Rendite für Anleger. Wählt ein Sparer die Variante des Fixzinsbausparers, erleidet er nach sechs Jahren real (also inklusive Prämie und nach Abzug von Steuer, Kosten und Inflation) einen leichten Verlust. Zumindest schneidet der Kunde damit aber besser ab als mit einem Sparbuch. Dort dämpft nämlich keine staatliche Prämie die Kapitalertragsteuer ab. Wiederum ist man bei einem Sparbuch jedoch auch keine sechs Jahre gebunden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2012)

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9 Kommentare

Da bin ich aber wieder motiviert

.. einen so tollen Sparvertrag über 6 Jahre abzuschließen, wo ich der Bank das Geld borge um damit zu spekulieren und dem Staat auch noch einen guten Dienst erweise und brav Steuern zahle.
Irgendwann wird bei das Geld der Banken hoffentlich wieder kapp werden und sie müssen wieder normale Zinsen zahlen (über der Inflationsrate - zuzüglich KEST). Holt euer Geld von den Banken sonst verschwindet es ohnehin.

Wozu Steuern zahlen?

Würde der Staat, das Volk, wie es ihm eigentlich zustände, sein Geld selber aus der Luft schöpfen, und dieses ungerechtfertigte Monopol nicht den Privatbanken überlassen, hätte der Staat keine Schulden und wir bräuchten Alle keine Steuern zu zahlen.

Auf den Punkt gebracht

Ein Bausparvertrag ist nur mehr etwas für die größten Deppen.

Re: Auf den Punkt gebracht

ned wirklich, weil wennst das selbe Geld auf ein Sparbuch legst, zahlst ebenso die KEST, nur bekommst halt KEINE PRÄMIE.

Einfach durchkalkulieren.

Re: Re: Auf den Punkt gebracht

Wer Geld am Sparbuch hat, ist der allergrößte Depp.
Insoferne passt das schon.

Die "Papierzeit" ist vorbei!
Wer das nicht erkennt, wird große Verluste einfahren.

ned jammern

über alte vehikel in neuen zeiten ...

der Herr gibt

der Herr nimmt.....

Re: der Herr gibt

Welcher Herr? Das sind doch Poliiker.

fein, dieser staat österreich ...


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