Ist die Lebensversicherung wirklich "alternativlos"?

12.12.2012 | 16:56 |  Von Alexander Weber (Die Presse)

Die Versicherungsbranche trommelt für die Lebensversicherung, die sie als „alternativlos“ bezeichnet. Das stimmt natürlich nicht, Alternativen gibt es immer. „Die Presse“ gibt einen Überblick.

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„Etwas aus der Mode gekommen“ sei die Lebensversicherung, findet Helmut Siegler, Anlageberater bei der Schoellerbank. Da könnte er recht haben, denn nicht nur bei Verbraucherschützern steht das Produkt in der Kritik. Auch die Kunden werden skeptisch: Die Branche erwartet heuer bei den Prämien ein Minus von 4,4 Prozent.

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Die Allianz fand offenbar, dass es Zeit war für eine Gegenmaßnahme. Am Mittwoch erklärte sie, wegen der Schieflage des staatlichen Pensionssystems gebe es „keine Alternative“ zum Abschluss einer Lebensversicherung. Die Gründe: Wegen der steigenden Lebenserwartung seien im staatlichen Pensionssystem, bei dem die Beitragszahler immer die Pensionisten erhalten, weitere Kürzungen zu erwarten. Außerdem löse die Lebensversicherung viele Probleme auf einmal: Es werde für das Alter vorgesorgt, gleichzeitig aber auch ein Auffangnetz für Hinterbliebene geschaffen und eine gewisse Mindestverzinsung garantiert, so Allianz-Vorstand Manfred Baumgartl.

Dass die Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge hoch ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch ist die Lebensversicherung dafür wirklich so essenziell? „Die Presse“ gibt einen Überblick:

  • Lebensversicherung: Wegen ihres Rundum-Sorglos-Charakters sind Lebensversicherungen ein beliebtes Produkt. Sie sind aber nicht unumstritten, denn die Rendite ist mickrig. Schuld ist einerseits das niedrige Zinsumfeld, das den Versicherern zu schaffen macht, andererseits aber auch die Kosten: Die 3,25 Prozent, die etwa die Allianz ihren Kunden heuer und 2013 auszahlt, beziehen sich nur auf den veranlagten Teil des Geldes. Der Rest (je nach Vertrag zehn bis 20 Prozent der Prämie) wird von Kosten und Gebühren, etwa für den Schutz der Hinterbliebenen (Ablebensversicherung) aufgefressen. Experten raten daher, die Komponenten Sparen und Risikovorsorge voneinander zu trennen.
  • Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge: Dieses Vorsorgemodell wurde von Finanzminister Karl-Heinz Grasser eingeführt. Momentan kämpft es mit mehreren Problemen: Erstens kürzte die Regierung die Förderung im Zuge des Sparpakets um die Hälfte. Statt 8,5 gibt es heuer nur noch 4,25 Prozent der einbezahlten Beträge. Zweitens gingen viele Verträge wegen der hohen Aktienquote während der Finanzkrise auf Talfahrt und wurden „ausgestoppt“. Das Kapital wurde in Anleihen umgeschichtet, was dazu führte, dass viele Fonds den Aufschwung der Aktien seit 2009 verpassten. Fazit: Ein gut gemeintes Produkt, das schlecht umgesetzt wurde. Siegler von der Schoellerbank verweist lediglich auf die Befreiung von der Kapitalertragsteuer, die „nicht zu vernachlässigen“ sei.
  • Fondssparpläne: Im Rahmen von Fondssparplänen haben Anleger die Möglichkeit, regelmäßig Geld in einen oder mehrere Investmentfonds einzuzahlen. Das bietet einen Kostenvorteil, etwa gegenüber der fondsgebundenen Lebensversicherung. Außerdem kann sich der Anleger aussuchen, wo und wie er investieren möchte. So kann man in jungen Jahren mit einer hohen Aktienquote investieren und später, wenn der Pensionsantritt näher rückt, das Risiko reduzieren. Diese Variante verlangt mehr Beschäftigung mit der Geldanlage, vor allem, wenn man den Sparplan über eine Direktbank abschließt (womit man meist Ausgabeaufschläge spart). Wer dabei in Indexfonds (ETFs) investiert, reduziert die Kosten noch mehr. Langfristig ist die Eliminierung von Gebühren einer der sichersten Wege, die Erträge der Geldanlage zu erhöhen.
  • Eigenes Portfolio: Die aufwendigste, wahrscheinlich aber auch ertragreichste Form, für das Alter vorzusorgen, ist der Aufbau eines eigenen Portfolios. Dies setzt freilich wirtschaftliches Grundwissen voraus. Dafür genießt der Anleger hier die größte Freiheit, kann ganz nach Geschmack in Fonds, Einzelaktien, Edelmetalle oder Immobilien investieren. Diese Variante empfiehlt sich am ehesten für Liebhaber und Kenner, die sich auch gerne mit ihrem Geld beschäftigen. Ein Vorteil ist wiederum, dass die Gebühren im Vergleich niedrig sind.

Was Sie beachten sollten bei . . . der Altersvorsorge
Tipp 1

Absichern. Als „dritte Säule“ ist das private Sparen ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Allerdings sollte sich auch niemand verrückt machen lassen: Wer sein erstes Geld verdient, sollte sich zunächst gegen existenzbedrohende Risken absichern. Das Geld, das neben einem Notgroschen übrig bleibt, kann investiert werden.

Tipp 2

Lebensversicherung. Die Lebensversicherung bietet eine lebenslange Absicherung gegen zu wenig Geld in der Pension und einen Schutz für die Familie. Dieses Paket kostet aber: Die Rendite ist niedrig, was sich angesichts des niedrigen Zinsniveaus vorerst nicht ändern wird. Und die Kosten sind intransparent.

Tipp 3

Alternativen. Die Lebensversicherung ist nicht so alternativlos, wie die Versicherungswirtschaft behauptet. Es gibt zum Beispiel Sparpläne, die deutlich niedrigere Kosten aufweisen und über die man auch in Investmentfonds investieren kann. Das gibt dem Kunden auch größere Freiheit darüber, wo er investiert.

Tipp 4

Kosten. Gerade in einer Zeit niedriger Zinsen gilt: Einer der sichersten Wege, Erträge dauerhaft zu sichern, ist die Eliminierung von Kosten. Wenn ich von den drei Prozent, die mein Fonds erwirtschaftet, zwei Prozent an den Manager abgeben muss, kann ich damit nicht einmal mehr die Inflation schlagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2012)

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11 Kommentare

Auslaufmodell

Für mich handelt es sich bei der Lebensversicherung um ein Auslaufmodell, weil die ZInsen immer niedriger ausfallen. Da gibt es für Anleger nicht mehr viel zu holen. http://www.lebensversicherungtest.com/

3 0

wenn diese Versprechen nur stimmen würden,

aber meine Lebensversicherung hat noch ein jahr vor Auszahlung eine Rendite versprochen, die derart weit verfehlt wurde, dass ich gerade eine klitekleines bisschen mehr erhalten habe als in 35 Jahren eingezahlt.
Abgesehen davon, es gibt nur ein Umlegunsverfahren, denn war hilft die beste verspochene redite, wenn sie mangels Jungen niemand einlöst.
Auch das sogenannte Kapitalverfahren ist ein Umlegeverfahren, mit höherem Risiko und noch höheren Spesen.

3 0

Wie toll alle Spekulationen sind

Ist ja am Beispiel der Bundesländer aktuell zu erkennen.
Lieber das Geld daheim im Strumpf als bei der Bank,da ist es im Fall des Falles wenigstens jederzeit greifbar.
Den auch Bankomaten könnten eben einfach funktionslos werden und Filialen geschlossen sein.
Nichts Neues war alles schon da in der Vergangenheit.

2 1

@Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge

prinzipiell gut aber

1. sollte die Foerderung nicht ueber Praemien, sondern ueber STEUERbeguestigung beim Einzahlen gehen;

2. sollte so ein System einen viel groesseren Anteil der Altersversorgug ausmachen und eine breite Palette an teilnehmenden Instititutionen und flexiblen Produkten anbieten, darunter selbstverwaltetes Portfolio

3. ein politisches Umfeld in dem der Staat im Nachhinein die Konditionen fuer private Investition in Altersversorgung verschlechtert ist untragbar, Budgetprobleme koennen da keine Ausrede sein.

Dummheit ist grenzenlos

Bei privaten lebensversicherungen zahlen auch die jungen die beiträge für die alten.

wenn die wirtschaft in zwanzig jahren kracht gehen auch die lebensversicherer pleite und muessen - erraten - vom staat gerettet werden!

dazu sind die verwaltungskosten im privaten vorsorgesektor um ein vielfaches höher!!!

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Re: "wenn die wirtschaft in zwanzig jahren kracht "

ist ja süss!
in 20 Jahren?!?!?!

ich habe keine Ahnung, wann es soweit ist, aber 20 Jahre dauert das sicher nicht mehr.
Wahrscheinlich auch keine 20 Monate.

"alternativlos"? ja, aber nur für die Versicherung

Ein reales Bsp von mir. Vor 12 Jahre ein LV mit Wüstenrot, 'versprochen' 6 bis 8%, pro Jahr. Geworden ist 1,9% pro Jahr. Abzüglich 4% Versicherungssteuer und 3% Bearbeitungsgebühr macht die Polizze gerade 18%, aber für die gesamte Laufzeit von 12 Jahre. D.h. weniger 1,5% Netto pro Jahr. Hätte ich in eine Wohnbauanleihe investiert, mit damals üblicher Verzinsung von 4,25% wovon 4%Kest-Frei. Ohne Risiko hätte ich 60% Verzinsung von 12 Jahre, 300% mehr als eine Lebensversicherung. Ich meine "alternativlos"? ja, aber nur für die Versicherungswirtschaft. Für Leute die Mitdenken, rate ich definitiv von einer LV ab.

Re: "alternativlos"? ja, aber nur für die Versicherung

Die Inflation (egal ob nominell oder real) scheint in ihrem Beispiel nicht enthalten zu sein.


Re: Re: "alternativlos"? ja, aber nur für die Versicherung

Naja, mit Inflation bin ich eindeutig im Minus. Deshalb alternativlos ist definitiv für die Versicherungswirtschaft. Da sie 3% sofort einkassiert, dann das Geld in den Topf einwirft, wo drin ein Portfolio bereits definiert ist. Soviel zu Arbeitsleistung einer Versicherung. Es wundert mich nicht, dass man die Versicherungswirtschaft nachsagt: Geschützter Bereich mit Überbelegung von Angestellten und alle weit unterbeschäftigt.

Re: "alternativlos"? ja, aber nur für die Versicherung

beim investieren oder glücksspiel gibts kein "hätte" - die mähhs (schafe) sind am besten beraten,wenn sie eine klassische lebensversicherung oder einen bausparvertag abschließen.
leider hat die geldbrache bemerkt,daß durch den grundinstinkt "gier und dummheit" viel ertrag zu holen ist.
und so wird weiterhin abgezockt - mähhh!!

lebensversicherungen muessen gesetzliche zu einem grossteil in anleihen investieren (bevorzugt von staaten, die diese gesetze machen)

alles was man noch braucht ist zahlungswillige dumme kunden

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