Ist die Lebensversicherung wirklich "alternativlos"?

Die Versicherungsbranche trommelt für die Lebensversicherung, die sie als „alternativlos“ bezeichnet. Das stimmt natürlich nicht, Alternativen gibt es immer. „Die Presse“ gibt einen Überblick.

Sorglos im Alter, nur mit Lebensversicherung?
Schließen
Sorglos im Alter, nur mit Lebensversicherung?
Sorglos im Alter, nur mit Lebensversicherung? – Clemens Fabry

„Etwas aus der Mode gekommen“ sei die Lebensversicherung, findet Helmut Siegler, Anlageberater bei der Schoellerbank. Da könnte er recht haben, denn nicht nur bei Verbraucherschützern steht das Produkt in der Kritik. Auch die Kunden werden skeptisch: Die Branche erwartet heuer bei den Prämien ein Minus von 4,4 Prozent.

Die Allianz fand offenbar, dass es Zeit war für eine Gegenmaßnahme. Am Mittwoch erklärte sie, wegen der Schieflage des staatlichen Pensionssystems gebe es „keine Alternative“ zum Abschluss einer Lebensversicherung. Die Gründe: Wegen der steigenden Lebenserwartung seien im staatlichen Pensionssystem, bei dem die Beitragszahler immer die Pensionisten erhalten, weitere Kürzungen zu erwarten. Außerdem löse die Lebensversicherung viele Probleme auf einmal: Es werde für das Alter vorgesorgt, gleichzeitig aber auch ein Auffangnetz für Hinterbliebene geschaffen und eine gewisse Mindestverzinsung garantiert, so Allianz-Vorstand Manfred Baumgartl.

Dass die Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge hoch ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch ist die Lebensversicherung dafür wirklich so essenziell? „Die Presse“ gibt einen Überblick:

  • Lebensversicherung: Wegen ihres Rundum-Sorglos-Charakters sind Lebensversicherungen ein beliebtes Produkt. Sie sind aber nicht unumstritten, denn die Rendite ist mickrig. Schuld ist einerseits das niedrige Zinsumfeld, das den Versicherern zu schaffen macht, andererseits aber auch die Kosten: Die 3,25 Prozent, die etwa die Allianz ihren Kunden heuer und 2013 auszahlt, beziehen sich nur auf den veranlagten Teil des Geldes. Der Rest (je nach Vertrag zehn bis 20 Prozent der Prämie) wird von Kosten und Gebühren, etwa für den Schutz der Hinterbliebenen (Ablebensversicherung) aufgefressen. Experten raten daher, die Komponenten Sparen und Risikovorsorge voneinander zu trennen.
  • Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge: Dieses Vorsorgemodell wurde von Finanzminister Karl-Heinz Grasser eingeführt. Momentan kämpft es mit mehreren Problemen: Erstens kürzte die Regierung die Förderung im Zuge des Sparpakets um die Hälfte. Statt 8,5 gibt es heuer nur noch 4,25 Prozent der einbezahlten Beträge. Zweitens gingen viele Verträge wegen der hohen Aktienquote während der Finanzkrise auf Talfahrt und wurden „ausgestoppt“. Das Kapital wurde in Anleihen umgeschichtet, was dazu führte, dass viele Fonds den Aufschwung der Aktien seit 2009 verpassten. Fazit: Ein gut gemeintes Produkt, das schlecht umgesetzt wurde. Siegler von der Schoellerbank verweist lediglich auf die Befreiung von der Kapitalertragsteuer, die „nicht zu vernachlässigen“ sei.
  • Fondssparpläne: Im Rahmen von Fondssparplänen haben Anleger die Möglichkeit, regelmäßig Geld in einen oder mehrere Investmentfonds einzuzahlen. Das bietet einen Kostenvorteil, etwa gegenüber der fondsgebundenen Lebensversicherung. Außerdem kann sich der Anleger aussuchen, wo und wie er investieren möchte. So kann man in jungen Jahren mit einer hohen Aktienquote investieren und später, wenn der Pensionsantritt näher rückt, das Risiko reduzieren. Diese Variante verlangt mehr Beschäftigung mit der Geldanlage, vor allem, wenn man den Sparplan über eine Direktbank abschließt (womit man meist Ausgabeaufschläge spart). Wer dabei in Indexfonds (ETFs) investiert, reduziert die Kosten noch mehr. Langfristig ist die Eliminierung von Gebühren einer der sichersten Wege, die Erträge der Geldanlage zu erhöhen.
  • Eigenes Portfolio: Die aufwendigste, wahrscheinlich aber auch ertragreichste Form, für das Alter vorzusorgen, ist der Aufbau eines eigenen Portfolios. Dies setzt freilich wirtschaftliches Grundwissen voraus. Dafür genießt der Anleger hier die größte Freiheit, kann ganz nach Geschmack in Fonds, Einzelaktien, Edelmetalle oder Immobilien investieren. Diese Variante empfiehlt sich am ehesten für Liebhaber und Kenner, die sich auch gerne mit ihrem Geld beschäftigen. Ein Vorteil ist wiederum, dass die Gebühren im Vergleich niedrig sind.

Was Sie beachten sollten bei . . . der Altersvorsorge

Tipp 1

Absichern. Als „dritte Säule“ ist das private Sparen ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Allerdings sollte sich auch niemand verrückt machen lassen: Wer sein erstes Geld verdient, sollte sich zunächst gegen existenzbedrohende Risken absichern. Das Geld, das neben einem Notgroschen übrig bleibt, kann investiert werden.

Tipp 2

Lebensversicherung. Die Lebensversicherung bietet eine lebenslange Absicherung gegen zu wenig Geld in der Pension und einen Schutz für die Familie. Dieses Paket kostet aber: Die Rendite ist niedrig, was sich angesichts des niedrigen Zinsniveaus vorerst nicht ändern wird. Und die Kosten sind intransparent.

Tipp 3

Alternativen. Die Lebensversicherung ist nicht so alternativlos, wie die Versicherungswirtschaft behauptet. Es gibt zum Beispiel Sparpläne, die deutlich niedrigere Kosten aufweisen und über die man auch in Investmentfonds investieren kann. Das gibt dem Kunden auch größere Freiheit darüber, wo er investiert.

Tipp 4

Kosten. Gerade in einer Zeit niedriger Zinsen gilt: Einer der sichersten Wege, Erträge dauerhaft zu sichern, ist die Eliminierung von Kosten. Wenn ich von den drei Prozent, die mein Fonds erwirtschaftet, zwei Prozent an den Manager abgeben muss, kann ich damit nicht einmal mehr die Inflation schlagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2012)

Kommentar zu Artikel:

Ist die Lebensversicherung wirklich "alternativlos"?

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen