Die Enteignung der Sparer hat begonnen

14.01.2013 | 10:10 |   (Die Presse)

Die traditionellen, relativ risikoarmen Geldanlagen der Österreicher sind Vermögensvernichtungsinstrumente geworden. "Die Presse" steuert mit Tipps dagegen.

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Wien/Ju. Um 30 Prozent sind die Aktienkurse im Vorjahr in Österreich und Deutschland gestiegen. Die meisten Landsleute haben aber nichts davon: Nur 13 Prozent der Österreicher haben Teile ihres Vermögens in Aktien oder Fonds investiert. Der Großteil der Spargroschen liegt auf Sparbüchern – und wird dort schnell kleiner. Denn die Enteignung der Sparer durch negative Realzinsen hat längst begonnen. Und sie wird sich heuer und in den kommenden Jahren fortsetzen.

3,75 Prozent Zinsen müsste eine Geldanlage bei der zuletzt registrierten Inflationsrate von 2,8 Prozent bringen, um nach Abzug der Kapitalertragsteuer das angelegte Vermögen real zu erhalten. Erst darüber beginnt die echte Verzinsung. Wahrscheinlich liegt die Grenze noch deutlich höher, denn die offizielle Inflationsrate gibt die Preissteigerungen, denen Konsumenten ausgesetzt sind, nur unvollkommen wieder.

3,75 Prozent ist aber ein Wert, der mit traditionellen Anlageformen schon lange nicht mehr erreichbar ist. Täglich fällige Spareinlagen werden gerade noch mit 0,05 bis 1,5 Prozent verzinst. Selbst wer sein Geld auf dem Sparbuch fünf Jahre lang bindet, bekommt dafür nur mickrige 0,5 bis 2,5 Prozent. Auch die Rendite für zehnjährige österreichische Bundesanleihen ist unter zwei Prozent gefallen, mit weiter sinkender Tendenz.

Blanke Vermögensvernichtung

Verluste, wohin man blickt. Denn selbstverständlich lässt sich auch mit Lebensversicherungen, die großflächig in Staatsanleihen investieren, nichts mehr verdienen. Kurz gesagt: Die traditionellen, relativ risikoarmen Geldanlagen der Österreicher sind Vermögensvernichtungsinstrumente geworden.

"Finanzielle Repression“ nennen Fachleute diese Form der kalten Enteignung – und sie ist politisch durchaus gewollt. Die Staatsschulden sind nämlich in allen wichtigen Industrieregionen – Europa, USA, Japan – außer Kontrolle geraten und haben einen Stand erreicht, der sich durch bloße Einsparungen nicht mehr ausreichend korrigieren lässt.

Schulden müssen gesenkt werden

Alle Maßnahmen, die zu einer deutlichen Staatsschuldenreduzierung in überschaubarer Zeit taugen, haben brachialen Charakter. Sie werden aber unterschiedlich wahrgenommen. Am schnellsten ginge es durch eine direkte Enteignung von Vermögenden. Die renommierte Boston Consulting Group hat dazu im Vorjahr den Vorschlag gemacht, auf alle Geldvermögen jenseits von 100.000 Euro eine 25-prozentige Zwangsabgabe zu verfügen – und diese zur Tilgung von Staatsschulden heranzuziehen. Das würde aber wohl erhebliche Widerstände in der Bevölkerung auslösen.

Einfacher ist es schon, die Inflation eine Zeit lang galoppieren zu lassen. Das hat denselben Effekt wie eine Zwangsabgabe, weil es auf der einen Seite Vermögen und auf der anderen Schulden entwertet und damit real abbaut. Inflation, einmal von der Leine gelassen, ist aber schwer zu beherrschen und kann in zerstörerischer Hyperinflation enden.

Eine dritte Methode ist, Zinsen über längere Zeit künstlich unter die (moderate) Inflationsrate zu drücken. Das ist der Weg, für den sich offenbar die USA und die EU entschieden haben. Er ist der "sanfteste" Weg, Schulden zu entwerten, weil ihn die Menschen nicht gleich bemerken.

Die "Welt am Sonntag" hat das kürzlich so formuliert: "Die Sparer geben Jahr für Jahr ein Stück von ihrem Wohlstand ab. Sie akzeptieren eine solche Enteignung nicht nur, sie sind auch noch zufrieden damit." Denn nominell steigt das Geldvermögen ja weiter, man bekommt nur weniger dafür. Das ist eine Situation, auf die wir uns für längere Zeit einstellen müssen. Die Eurozinsen werden heuer nämlich wohl eher fallen als steigen. Jeder, der ein wenig zur Seite legen kann, ist davon betroffen – und gerät in eine Art "Veranlagungsnotstand": Es wird immer schwieriger, Anlageinstrumente zu finden, die das Vermögen erhalten.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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213 Kommentare
 
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jetzt erst recht!!!

Falsch
Schulden müssen durch "Strukturverstärkende Massnahmen" zwangsweise steigen, nur SO bekommen wir die Krise in den Griff. Geld überall an die Armen und Arbeitslosen verteilen, dass ist das Gebot der Stunde!
Und Arbeitsplätze schafft der Staat! Überall, und wenn es Steinzähler in Schotterwerken sind, egal, sie haben eine Einkünfte. Zahlen? Wer? Der Bürger natürlich, diese frechen Abcasher werden wir schon noch dran kriegen! Die Kosten des Hochwassers? Die Reichen enteignen, jetzt erst recht!
Freundschaft, Genossen, ihr Charly Murx, Löwelstrasse
Zyn off!

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Wissen die Leser überhaupt, was Geld ist???

Geld ist die Bestätigung, für geleistete geistige oder manuelle Arbeit. Für diese Leistungsscheine, Geld genannt, ist man berechtigt, frei wählbahre Güter am Warenmarkt zu kaufen.
Wenn man Geld aus den Kreislauf der Wirtschaft entzieht, entsteht Arbeitslosigkeit.
Als Unternehmer, will ich Geld für meine Waren,und nicht gezwungen sein, mir Geld von der Bank zu borgen, denn das verteuert den Preis für meine Waren.
Es ist frei sich Güter jeder Art zu sparen, aber Geld sparen schadet der gesammten Wirtschaft.
Ich spreche aus über dreißig Jahren Betriebserfahrung.
Leider wird das falsche Gelddenken von Generation zu Generation weitergegeben.

d

13 0

investieren?

was langfristig zählt? ich investiere mein Geld in die Ausbildung meiner Kinder und versuche sie mit viel Liebe zu verantwortungsvollenMenschen zu erziehen. auf Fonds möchte ich mich nicht verlassen müssen.

Start zur Rallye!

Aktien sind nun wieder das sichere Ertragsinstrument, doch nur für jene, die schon im Sommer eingekauft haben - bei einem ATX unter 2000. Man kann jetzt schon noch in Aktien investieren, doch bei einem ATX von 3000 würde ich aussteigen, da wird das Risiko eines Crashs bereits wieder sehr hoch.

Start zur Rallye!


die echte

inflationsrate liegt bei ca. 9%. habe den warenkorb der statistik austria in eine tabellenkalkulation gelegt und die für den tägliche bedarf notwendigen produkte angeklickt. wichtig waren für mich 102 der gesamt 400 produkte. entschuldung des staates über unser geld und pensionsvorsorge, danke

Re: die echte

Das ist vielleicht Ihre Inflationsrate bei den 102 Produkten die für Sie wichtig sind.
Die offizielle Inflationsrate wird schon stimmen, ist aber natürlich ein Durchschnitt für alle.

der Warenkorb ist getuerkt

Die Dinge des taeglichen Bedarfes sind untergewichtet und unnoetige Sachen wie Elektronik uebergewichtet.

Re: der Warenkorb ist getuerkt

Ich bin sicher, dass die Warenkorb-Berechnung nicht davon ausgeht, dass man wöchentlich ein Handy und einen Fernseher kauft.

Persönlich stelle ich kaum eine Inflation fest. Wir haben eine 5-Personen-Haushalt und gerade Lebensmittel, die da einen nicht geringen Anteil ausmachen, sind in den letzten 20 Jahren recht billig geblieben.

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Re: Re: der Warenkorb ist getuerkt

Völlig richtig !

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/preise/verbraucherpreisindex_vpi_hvpi/faqs/index.html#index5

Wie kommt die Gewichtung der Güter und DL im Warenkorb zustande?

Die wichtigste Datengrundlage ist die Konsumerhebung, die alle Verbrauchsausgaben der Haushalte detailliert erfasst und aus der hervorgeht, wofür und in welchem Ausmaß die Haushalte ihr Geld ausgeben. Dort wo die Konsumerhebung nicht detailliert genug ist, werden sonstige Datenquellen (z.B. Tourismusstatistik, Umsatzstatistiken, etc.) verwendet um die detaillierten Gewichte festzulegen.

1 2

Re: die echte

Der Warenkorb der Statistik Austria enthält aber nicht 400 Produkte, sondern 792 Güter und Dienstleistungen!

Hinweis

Man kann entweder nichts tun (denn das Geld auf das sparbuch tragen ist nichtstun) oder man muss sich halt etwas ueberlegen. Die loesung steht im ersten satz des artikels.... Da muss man nicht spekulieren (was auch immer das sein soll). Mit einer klassischen dollar-cost-average strategie und investieren in die breitesten indezes habe ich jeweils mehr als 10% return gemacht in den letzten 5 jahren. Die strategie steht in jedem investment buch im ersten kapitel.

Re: Hinweis

kann ich nur bestätigen, auf Breite Indices, 5-10%!!
Nach einem Bullenmarkt nach fast 5 Jahren wird es aber lustig ...

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Das ist schon seit Jahren so, dass man Sparer schädigt

und niemanden, keinen "Experten", Politiker und Journalisten hat das interessiert, weil das eine Frage der normalen Österreicher ist. Ebeneso interessierte sie die ständige Kürzung der ASVG-Renten nicht.
Aber durch die Kalte Progression steigt die Lohnsteuer auch für Normalverdiener ständig unverhältnismässig an.
Was mich für die nächsten Wahlen interessiert: Welche Partei interessiert das.

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Gold

Alan Greenspan:die einzige Möglichkeit sich vor der Enteignung durch Inflation zu schützen ist Gold !
wenn der es nicht weiß , wer dann..
war schließlich einer der Väter des jetzigen Situation

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Re: Gold

Gute Idee !!!
Dann kann Sie jeder Einbrecher enteignen!

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Re: Re: Gold

Ein Einbrecher KANN einen enteignen, wenn man es nicht gut versteckt hat.

Der Staat WIRD einen GANZ SICHER enteignen bei allem, was "sichtbar" ist (Immos, "Wertpapiere", ...)


Re: Re: Gold

Nicht wenn er vorher durch Blei zum Gold muß.

Indirekt sind davon auch die "Nichtsparer" betroffen...


....das Geld wird vorallem in Immobilien gesteckt und es ist für einen "normalen" Haushalt beinahe unmöglich
Wohnungseigentum zu schaffen.

Dass sich diese Entwicklung auch auf die Miethöhe auswirkt, ist logische Konsequenz.

Unabhängig davon zahlen Nicht-Österreicher ja jeden Preis und beschleunigen diesen Trend.


Re: Indirekt sind davon auch die "Nichtsparer" betroffen...

Diejenigen, die diese überhöhten Wohnungspreise kassieren, das dürften aber großteils Österreicher sein.

Umverteilung von arm zu reich

Negative Realzinsen könnten auch zu einer Umsatzsteigerung und folglich zu gesteigerter Produktion führen .
Durch die Verarmung großer Teile der Bevölkerung findet der Produktionszuwachs nur noch im sehr kleinen Hochpreissegment statt .
Die "großen" Gelder werden in Spekulation , wie der Rohstoff und Immobilienspekulation verwendet .
Durch höhere Rohstoffpreise und höhere Mieten hat der Großteil der Bevölkerung weniger Geld für Konsumgüter . Die Wirtschaft bricht weiter ein .
Nur die Banken ,die Tempel der Gegenwart ,
sind too big to fail .
(Und für Aufrüstung und Überwachung
scheinen auch unbegrenzte Geldmittel vorhanden)

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Re: Umverteilung von arm zu reich

Eine "Umverteilung von arm zu reich" gibt es nicht!

Sehr wohl gibt es eine Umverteilung von "Fleissig" zu "Reich"!

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besser 5% durch Repression verlieren, als 30% durch Spekulation

Da ist schon was dran.
Wenn Hedge Funds Manager Schwierigkeiten haben, politische Märkte mit manipulierten Preisen zu schlagen, wie sollte es dem kleinen Mann, Frau gelingen? Wer aber jedes Jahr die 5% herschenkt, hat schon verloren.

Die Mehrheit liegt immer falsch. Fast alle suchen heute nur "Sicherheit". Wenn alle in eine Richtung gehen, ist es Zeit umzukehren.
Also ran an die Front, nicht mit vollem sondern mit dosiertem Risiko.



Re: besser 5% durch Repression verlieren, als 30% durch Spekulation

Da kann was nicht stimmen. Nach Linken Meinungen "verdienen die Reichen unverschämte Vermögenszuwächse" durch Spekulation. Und jetzt auf einmal kann man bei Hedge Funds verlieren? Wieso denn, wenn die Paddeizentralen vorher was ganz anderes sagen, und die von Norbert&Laura sind immer richtig? Versteh ich nicht! Denn "Risiko" bei Kapitalveranlagungen gibt es nicht, das ist doch nur eine Ausrede der Reichen!!!

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Was wirklich zu tun ist!

1. Die bank "enteignen": das ganze ersparte von der Bank abheben!

2. In substanzorientierte vermögenswerte investieren: grundstücke, gold, silber...

Fazit: wenn das viele machen, haben banken weniger macht, da sie unser geld nicht mehr "gratis" zur verfügung haben!

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Re: Was wirklich zu tun ist!

Gute Strategie, für ungefähr eine Woche, also nicht sonderlich weitsichtig. Wenn Sie einen "bankrun" für klug und richtig halten um die Banken zu entmachten, dann bringen Sie die KMU'S in diesem Land endgültig um, weil sie damit die Finanzierung lahm legen. Und wie sich die Spirale dann weiter dreht, können Sie sich ausmalen, am Ende steigt die Arbeitslosigkeit.

Entmachten können sie die Banken nur durch Regulierungen ala Basel und selbst diese führen zu einem mittelfristigen Rückgang des BIP (lt. IHS Studie z.B.), aber kontrolliert.

 
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