Gold: Pures Eigentum statt gefährlicher Spekulation

17.02.2013 | 18:22 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Nur wer Gold in physischer Form kauft, kann die Vorteile des Metalls genießen und sich zurücklehnen, während an den Börsen Panik herrscht. Wer aber glaubt, dass Papier "so gut wie Gold" ist, könnte ein böses Erwachen erleben.

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Wien. Der Goldkauf ist eine zeitlos simple Angelegenheit. Wer ein bisschen Geld (überschüssige Kaufkraft) besitzt, kauft sich eine hübsch glänzende Münze (oder einen Barren), sperrt sie weg und erfreut sich des Lebens. Das ist der Inbegriff des Sparens: die Speicherung von Vermögen für die spätere Verwendung. Warum Gold sich dafür eignet? Nun, weil es sich immer geeignet hat. Weil man weder ein Ökonomiestudium noch einen Taschenrechner oder einen Bankberater braucht, um Gold zu verstehen– in Wahrheit muss man dafür nicht einmal lesen oder schreiben können. Und weil es überall auf der Welt mit einem Lächeln akzeptiert wird. Wer ein anderes Asset kennt, das auf eine ähnliche, jahrtausendealte Geschichte als praktisch unzerstörbarer Wertspeicher verweisen kann, soll bitte vortreten. Niemand? Okay.

Der Mensch ist ein Sparer, kein Investor. Es geht ihm in der Regel nicht um die wundersame Vermehrung von Vermögen durch Zinsen, Rendite und allerlei Firlefanz. Der Sparer ist schon mit der einigermaßen sicheren Speicherung seines Vermögens zufrieden – für spätere Zeiten, für harte vielleicht. Das ist die Perspektive, die Oma und Opa haben, wenn sie von Gold erzählen. Sie haben in der Regel miterlebt, dass das glänzende Metall König in der viel gepriesenen „Realwirtschaft“ ist, wo echte Dinge den Besitzer wechseln und nicht nur Bits und Bytes.

Droht ein „Default“ der Comex?

Aber wegen eben dieser Bits und Bytes (zu denen am Ende des Tages auch Währungen wie Dollar oder Euro gehören) ist die Goldwelt heute ein wenig komplizierter als vor 1000, 100 oder 10 Jahren. Heute haben wir es tatsächlich mit zwei Goldmärkten zu tun: mit dem physischen Markt, wo Münzen und Barren die Besitzer wechseln, und mit dem Papiermarkt, wo Terminkontrakte und Ähnliches gehandelt werden.

Auf diesem Papiermarkt wird im wahrsten Sinne des Wortes mit „Derivaten“ gehandelt– mit Papieren also, die ihren Wert (theoretisch) aus dem Metall beziehen, für das sie stehen. Verträge, in denen eine Partei der Gegenpartei zusichert, so und so viel Gold an einem bestimmten Tag zu einem bestimmten Preis zu liefern. Die Comex in New York ist so eine Papierbörse. Der Milliardär und Goldinvestor Eric Sprott hat erst kürzlich vor einem „Default“, einem Bankrott dieser Börse gewarnt. Er war nicht der Erste.

Aber was bedeuten diese Warnungen? Wie kann eine Börse, ein Handelsplatz bankrottgehen? Und was bedeutet das für Goldanleger? Nun, an diesen Papiermärkten wird nicht „mit“ Gold spekuliert – sondern „auf“ Gold beziehungsweise den Goldpreis. Heißt: Der allergrößte Teil der Transaktionen wird in Dollars oder Euros abgewickelt, physisches Gold wechselt kaum den Besitzer. Die Marktteilnehmer sind keine Sparer, sondern an kurzfristigen und messbaren Gewinnen interessiert. Sparer, die sich von ihren Beratern zum Verkauf von Goldmünzen und dem Erwerb von „schlaueren“ Papierprodukten überreden haben lassen, könnten ein böses Erwachen erleben. Ebenso Investoren in Goldfonds.

Papiermarkt mit Achillesferse

Hier kommt der Clou: An der Comex und anderen Terminbörsen wird weit mehr Gold gehandelt, als überhaupt existiert. Man kann sich diese Terminkontrakte auch als Papierwährung vorstellen, die (angeblich) mit Gold gedeckt ist. Solange nur ein paar Investoren auf der physischen Auslieferung bestehen, ist die Welt in Ordnung. Aber wehe, es kommt zu einer Panik, einem „Bank Run“. Dann geht das physische Gold schnell aus – und diejenigen, die sich in Sachen Gold auf die Lieferung einer Gegenpartei verlassen haben, schauen durch die Finger. Sie werden gezwungen, sich in Cash auszahlen zu lassen – und stehen ohne Gold da.

Das ist die Achillesferse des Papiergoldmarktes. Und das ist auch, was Eric Sprott meint, wenn er vor einem „Default“ der Comex warnt, der auch Besitzer von physischem Gold durchrütteln würde. Denn weil an den Terminmärkten so viel mehr Gold gehandelt wird, als existiert, sind sie auch maßgeblich für den Goldpreis verantwortlich. Der aktuelle Goldbullenmarkt seit 2001 ist in diesem Sinne ein „Papierbulle“. Sollte es zu einem Panikabverkauf solcher Derivate kommen (wie zum Teil 2008 geschehen), dann werden wir einen sinkenden Goldpreis sehen. Im ärgsten Fall einen regelrechten Kollaps. Aber Vorsicht! Der Triumph der Goldskeptiker wird nur von kurzer Dauer sein. Entscheidend ist in diesem Fall die Frage: Und was kostet physisches Gold jetzt? Die Antwort: Im Falle eines plötzlichen Kollapses des Papierpreises verschwindet das physische Gold vom Markt. Der Mehrheit der physischen Investoren (Asiaten, Arabern und inflationsbewussten Deutschen) ist der Preis nämlich insofern egal, als dass sie fallende Kurse höchstens zum Nachkaufen verwenden– sicherlich aber nicht in Panik geraten und den Markt mit ihrem Metall fluten.

Gold – und ein bisschen mehr Gold

Das ist der Unterschied zwischen einem Papiergoldinvestor und einem Goldanleger: Zweiterer kauft Gold nicht, um durch einen steigenden Preis Euros zu erwirtschaften. Er kauft Gold – und dann kauft er ein bisschen mehr Gold. Weil das glänzende Metall pures Eigentum verkörpert, nicht die gefährliche Spekulation auf die Vertrauenswürdigkeit einer Gegenpartei.

Ein solcher Goldbesitzer checkt den Goldpreis nur, um das Auf und Ab der Währungen zu sehen. Er weiß, dass Gold schon vor dem Dollar und dem Euro da war, und versteht die Besessenheit der „Investoren“ vom „Goldpreis“ gar nicht so recht. Dasselbe gilt für die anderen großen Käufer (und Halter) von physischem Gold: die Zentralbanken. Deswegen verhält der physische Markt sich auch anders als der Papiermarkt. Wenn der Papiermarkt austrocknet, ist das ein negatives Zeichen, weil es nur nachfrageseitig geschehen kann. Das Angebot an „Papiergold“ ist ja theoretisch unbegrenzt.

Trocknet aber der physische Markt aus, wird kein physisches Gold mehr verkauft, ist das ein „bullishes“ Signal: Die Halter des Metalls sind nicht bereit, zum aktuellen Preis zu verkaufen – also muss ein neuer (höherer) Preis gefunden werden. Im Falle einer Panik, in der die Papiermärkte wegen Vertrauensverlustes in die Gegenparteien austrocknen und der physische Markt gleichzeitig von so viel Geld überschwemmt wird, dass er einfach stehen bleibt, werden diejenigen als „Sieger“ übrig bleiben, die schon zuvor physisches Gold gekauft und beiseitegelegt haben.

Aus welchem Grund sie das getan haben, ist dann im Prinzip egal. Ob sie nun den Unterschied zwischen Papier- und physischem Markt verstehen. Ob sie einfach ihre Bankberater und deren „schlaue“ Fonds nicht leiden können. Oder ob sie nur Gold gekauft haben, weil es so schön glänzt.

Auf einen Blick

Es gibt zwei Goldmärkte: die Terminbörsen, an denen auf den Goldpreis gewettet, aber kaum mit Gold gehandelt wird. Und den physischen Markt, bevölkert vor allem von Asiaten, Arabern, Deutschen und Zentralbankern. Der Papiermarkt hat eine Achillesferse: Es wird dort mehr Gold gehandelt, als eigentlich existiert. Solange ein Großteil der Kontrakte in Cash ausgezahlt wird, ist das kein Problem. Aber wenn zu viele Investoren gleichzeitig nach physischem Gold verlangen, könnte das den Markt sprengen. Und die Investoren werden merken, dass Papierderivate nie „so gut wie Gold“ sein können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2013)

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113 Kommentare
 
12 3

:)

ups ein f zuviel beim schaf.verspekuliert :)

Nicht ohne Grund ...

... hat der OGH festgestellt, daß ein Investment in Gold als hohes Risiko eingestuft werden muß. Das sagt schon alles.

bitte

nicht NUR Gold kaufen!
und besser man kauft Dinge die man direkt selbst brauchen kann zB Brennstoffe!

gold ist genauso spekulativ


Re: gold ist genauso spekulativ

hallo du dummes schaff

määähhhh

Alles hat seine Zeit.

Das Papiergeldsystem hat seine zeit gehabt.

Jetzt sind bald die Edelmetalle wieder daran ihre Geldfunktion auszuüben.

14

Re: gold ist genauso spekulativ

stimmt,es ist spekulativ keines zu besitzen

Re: gold ist genauso spekulativ

" Der Reichtum wächst eine Zeit lang mit Zinseszinsen, aber weil er eine materielle Dimension hat, stößt sein Wachstum früher oder später an Grenzen." von Daly welcher die Arbeiten von Nobelpreisträger Soddy beschreibt. Quelle: Sacred Economics von Eisenstein

Re: Re: gold ist genauso spekulativ

verstehe nicht. sorry.

Re: Re: Re: gold ist genauso spekulativ

schaf

määähhhhh


es gibt nur eine Möglichkeit...

Werte zu bewahren.
Und die lautet: Sachwerte!
Dazu zählen Gold &Silber, Grund und Boden aber auch Aktien. Und so sollte man sein Geld veranlagen.

Momentan darf man auch noch im Forexhandel ordentlich "wildern" und sich so viel wie möglich aus dem täglichen 4 Bill. Dollar Markt krallen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen. Denn der Zusammenbruch der Währungen wird über kurz od. lang kommen.

Noch ein Wort zum heruntergespielten Währungskrieg: der tobt seit Wochen in ungeahnten Dimensionen.
Und man weiß: es wird gerüstet zum letzten Gefecht!

Wertanlage Gold - es überdauert alle Krisen souverän


Jeder,der die Möglichkeit hat Gold zu kaufen,
sollte davon Gebrauch machen.
Alle ungedeckten Fiatwährungen sind früher oder
später zum Scheitern verurteilt.
Hohlköpfe investieren in Lebensversicherungen,
Pensionsvorsorgen usw.
Edelmetall behält die Kaufkraft ,meiner Ansicht
nach, die beste Vorsorge die es gibt.

Re: Wertanlage Gold - es überdauert alle Krisen souverän

Holköpfe würde ich vielleicht nicht sagen. Ich würde sagen als Durchnittsverdiener soll man sich breit aufstellen und nicht blind sein ganzes Geld in eine Anlage stecken, sei es nun ein Sparbuch, eine Lebensversicherung, ein Haus oder auch Gold.

Gold ist keine Anlage

Gold ist keine Anlage. Erwarte ich nicht von einer Anlage, dass sie etwas für mich tut? Sie soll Zinsen abwerfen (Sparbuch). Sie soll Rendite abwerfen (Lebensversicherung). Sie soll Einkommen generieren (Immobilie, nicht selbst genutzt).
Physisches Gold soll all das nicht. Physisches Gold ist ehemaliges Geld, das dem Geldkreislauf entzogen wurde: und nunmehr stll und ruhig als Wertspeicher dient. Außerhalb der Gefahr der Wertminderung, denen bislang noch jedes Geld ausgesetzt war.
Auch eine Lebensversicherung ist in diesem Sinn nur Geld: Sie ist das Versprechen auf Geld. Was, wenn zum Zeitpunkt der Auszahlung dieses Geld keinen oder einen sehr viel geringeren Wert besitzt?
Dito das Sparbuch: Es ist ein Vertrag auf Geld. "Ich zahle ein, Ihr zahlt mir zurück." Was? Geld. Eventuell stark entwertet.
Richtig: Man hat lange Zeit versucht, Gold in die Ecke zu drängen. Ihm den Wert, den es eigentlich besitzt, abzusprechen. Oder seinen Wert mit billigem Finanzplunder überdeckt (siehe den Originalartikel).
Doch das ist zum Scheitern verurteilt. Und im Gegensatz zu früheren misslungenen Versuchen, Gold einzukerkern – all die vielen goldgestützten Währungen! Wo sind sie hin? –, wird diesmal der Kollaps des Pseudogoldes einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen im Gedächtnis der Menschheit. Es wird viele Generationen dauern, bis jemand aus Gold, diesem ehrwürdigen, jahrtausendalten Wertspeicher, wieder die billige Finanznutte machen kann, die es derzeit als Gold-Future noch ist.

Re: Gold ist keine Anlage


Guter Kommentar.

Ein kluger Mann hat geschrieben:
Die Inflation ist eine zähe Masse -wenn sie zu fließen beginnt ist sie nicht mehr zu stoppen.
Übrigens : vor ein paar Tage war ein kleiner Artikel in einer Zeitung.
Die Volksbank verliert 1,2 Mrd in Rumänien.
In Schilling wäre sie sofort pleite gewesen.
Da sieht man wie aufgebläht der Finanzapparat ist.

Re: Re: Wertanlage Gold - es überdauert alle Krisen souverän


Im Prinzip haben Sie recht.
Trotzdem sind in der heutigen Zeit
,,normale,, Sparformen nicht mehr
sicher.
Ich kenne viele Leute , wo sogar der
eigene Makler davon abgeraten hat noch
weiter in die Pensionsvorsorge zu
zahlen.
Sicher kann man auch mit Edelmetall
kurzfristig 20-30% verlieren.
Langfristig kann man seine Kaufkraft
mit Edelmetall erhalten.

wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

des gesamten Goldes gesetzlich gezwungen hat?

Solange es Staaten gibt, werden sie auch ihre Bürger in den Krieg hetzen.

Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

Nun, Sie könnten googlen. Oder die Wikipedia-Suche bemühen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Goldverbot

Aber: Was ist damit gewonnen?

Lassen Sie es mich mit einem Beispiel versuchen. Sie werden verstehen, worauf ich hinaus will:

Ein Pferdeliebhaber trägt sich mit dem Gedanken, ein Pferdefuhrwerk zu erstehen. Nun kommen die Bedenkenträger und weisen ihn darauf hin, wie oft in den vergangenen Jahrhunderten Pferdefuhrwerke zusammengebrochen, ausgeraubt, überfallen worden sind.

Welchen Stellenwert messen wir dieser warnenden und in sich sicher korrekten Information zu?
Richtig. Keinen sehr großen. Warum? Weil wir heute in einer gänzlich anderen Zeit leben! Feste Straßen, andere Formen der Kriminalität, andere Technik und Handwerkskunst. (Und vielleicht auch andere Pferde, LOL.)

Ähnlich »das« Goldverbot. Wenn es das gab, dann
- nie in einer globalisierten Handels- und Verkehrswelt (die gibt es erst seit kurzem);
- meist zu Zeiten, als Goldmünzen Währung waren;
- nie in einer Zeit voll digitalisierten Zahlungsverkehrs (den gibt es erst seit kurzem) und, vor allem anderen,
- nie in einer Zeit, als es nur noch EINE Reservewährung, nur noch EINE Referenzwährung und beides WELTWEIT gegeben hatte: denn das gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten! (Wobei in den 90er Jahren der Euro hinzugekommen ist.)
Also ganz andere Voraussetzungen. Unter denen eine "confiscation of gold fofoa" (googlen!) ausgeschlossen ist. Der Himmel, sagt Asterix, kann einem natürlich immer auf den Kopf fallen …

Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

wieder so ein dummes schaf.

Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

Wie kann man jemanden zur Herausgabe von etwas zwingen, von dem man nicht mal weiss, dass es da ist? Das ist der Vorteil von physischem Besitz gegenüber von reinen Schuldverschreibungen...

Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

sie haben recht, das gab es schon mal, aber....
die Dummen haben ihr ganzes Gold vergraben und sind dafür hingerichtet worden.
die Gescheiten haben den größten Teil vergraben und einen kleinen Teil abgeliefert.

Ähnliches Anwendungssystem bei der heutigen Steuerpolitik.... (ohne Hinrichtung halt!)

Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

nur weil es ein entsprechendes gesetzt gibt, ist man deswegen noch lange nicht zu irgendetwas gezwungen...

Re: Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

und wies damals war pro person im haushalt 5 unzen gold.ist aber egal weil heutzutage 99 prozent kein gold/silber mehr besitzen.

Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

auf wikipedia

Re: Re: wo erfahre ich, wie oft bereits ein Staat alle "seine" Bürger zur Abgabe

Meine Frage war 125% rhetorisch

 
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