Sparer-"Enteignung" in Österreich, hohe Zinsen im Süden

In Deutschland und Österreich ist Sparen ein Verlustgeschäft. Völlig anders ist die Lage in den kriselnden Ländern Italien, Spanien und Griechenland.

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Symbolbild – (c) FABRY Clemens

Wien. Wer in Österreich sein Geld auf ein Sparbuch legt, ist nicht zu beneiden. Der durchschnittliche Jahreszinssatz für neu gebundene Sparbücher liegt bei 1,04 Prozent pro Jahr. Dies geht aus einer Statistik hervor, die am Montag von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) veröffentlicht worden ist. Bei Direktbanken und Instituten mit einem ausländischen Eigentümer (wie Vakifbank, Denizbank und ING Diba) gibt es höhere Zinsen. Berücksichtigt man die Inflationsrate und die Kapitalertragsteuer, ist Sparen ein Verlustgeschäft.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt dafür, dass Sparer gerade in den wohlhabenden Ländern enteignet werden. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Zinssätze für Sparkonten in Österreich und in Deutschland dürften auch in den nächsten Jahren auf einem niedrigen Niveau bleiben oder weiter sinken. Die Sparer nehmen die Enteignung hierzulande ohne Proteste hin.

Nord-Süd-Gefälle wird größer

Je länger die Krise dauert, desto größer wird in Europa das Nord-Süd-Gefälle bei den Zinssätzen. In Deutschland liegt der durchschnittliche Jahreszinssatz für gebundene Sparbücher bei 1,01 Prozent, in Österreich muss man sich mit 1,04 Prozent zufriedengeben.

Anders ist die Lage in den südeuropäischen Krisenländern. In Spanien locken die Banken mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 2,83 Prozent, in Italien sind es 2,7 Prozent. In Griechenland und in Zypern erhielt man zuletzt über vier Prozent (siehe Grafik).

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Denn für die Finanzinstitute in Südeuropa wird es schwieriger, ihre Kunden zu halten. Daher sind sie gezwungen, ihre Zinsen anzuheben. Doch je höher die Rendite, desto größer ist das Risiko. Nach der Zypern-Rettungsaktion ist eine weitere Kapitalflucht aus Südeuropa wahrscheinlich. Denn bei den führenden Banken in Zypern werden alle Guthaben von über 100.000 Euro eingefroren und mit einer Sondersteuer von rund 30Prozent belegt. Betroffen davon sind vor allem ausländische Kunden. Ursprünglich war auch eine Abgabe für kleine Bankguthaben vorgesehen. Nach massiven Protesten wurde dieser Plan aber nicht umgesetzt.

Zwar versichern die EU-Finanzminister, dass Zypern ein Sonderfall sei. Doch es ist nicht anzunehmen, dass es in Italien und Spanien nach der Zypern-Rettung viele Kunden geben wird, die mehr als 100.000 Euro bei einer Bank liegen haben werden. In allen EU-Ländern gilt die Regel, dass Einlagen nur bis zu 100.000 Euro pro Person und Institut über die Einlagensicherung abgesichert sind. Bei einem Bankrott von mehreren Großbanken reicht aber auch die Einlagensicherung nicht aus.

Banken zahlen EZB-Hilfe zurück

In Deutschland und Österreich können es sich die Banken leisten, die Sparzinsen niedrig zu halten. Denn das Finanzsystem gilt in beiden Ländern als relativ sicher. Laut OeNB-Statistik ist im Vorjahr das Einlagenvolumen bei den heimischen Banken um 3,7 Milliarden Euro auf 215 Milliarden Euro gestiegen. Zehn Milliarden Euro stammen von EU-Bürgern.

Österreichs Banken sind wieder so liquide, dass sie bereits 7,7Milliarden Euro der 15,7 Milliarden Euro an Finanzspritzen, die sie 2012 von der EZB erhalten haben, zurückzahlen konnten.

Die EZB stellte das Geld für drei Jahre zur Verfügung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2013)

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