Sparer-"Enteignung" in Österreich, hohe Zinsen im Süden

25.03.2013 | 18:13 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

In Deutschland und Österreich ist Sparen ein Verlustgeschäft. Völlig anders ist die Lage in den kriselnden Ländern Italien, Spanien und Griechenland.

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Wien. Wer in Österreich sein Geld auf ein Sparbuch legt, ist nicht zu beneiden. Der durchschnittliche Jahreszinssatz für neu gebundene Sparbücher liegt bei 1,04 Prozent pro Jahr. Dies geht aus einer Statistik hervor, die am Montag von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) veröffentlicht worden ist. Bei Direktbanken und Instituten mit einem ausländischen Eigentümer (wie Vakifbank, Denizbank und ING Diba) gibt es höhere Zinsen. Berücksichtigt man die Inflationsrate und die Kapitalertragsteuer, ist Sparen ein Verlustgeschäft.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt dafür, dass Sparer gerade in den wohlhabenden Ländern enteignet werden. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Zinssätze für Sparkonten in Österreich und in Deutschland dürften auch in den nächsten Jahren auf einem niedrigen Niveau bleiben oder weiter sinken. Die Sparer nehmen die Enteignung hierzulande ohne Proteste hin.

Nord-Süd-Gefälle wird größer

Je länger die Krise dauert, desto größer wird in Europa das Nord-Süd-Gefälle bei den Zinssätzen. In Deutschland liegt der durchschnittliche Jahreszinssatz für gebundene Sparbücher bei 1,01 Prozent, in Österreich muss man sich mit 1,04 Prozent zufriedengeben.

Anders ist die Lage in den südeuropäischen Krisenländern. In Spanien locken die Banken mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 2,83 Prozent, in Italien sind es 2,7 Prozent. In Griechenland und in Zypern erhielt man zuletzt über vier Prozent (siehe Grafik).

Denn für die Finanzinstitute in Südeuropa wird es schwieriger, ihre Kunden zu halten. Daher sind sie gezwungen, ihre Zinsen anzuheben. Doch je höher die Rendite, desto größer ist das Risiko. Nach der Zypern-Rettungsaktion ist eine weitere Kapitalflucht aus Südeuropa wahrscheinlich. Denn bei den führenden Banken in Zypern werden alle Guthaben von über 100.000 Euro eingefroren und mit einer Sondersteuer von rund 30Prozent belegt. Betroffen davon sind vor allem ausländische Kunden. Ursprünglich war auch eine Abgabe für kleine Bankguthaben vorgesehen. Nach massiven Protesten wurde dieser Plan aber nicht umgesetzt.

Zwar versichern die EU-Finanzminister, dass Zypern ein Sonderfall sei. Doch es ist nicht anzunehmen, dass es in Italien und Spanien nach der Zypern-Rettung viele Kunden geben wird, die mehr als 100.000 Euro bei einer Bank liegen haben werden. In allen EU-Ländern gilt die Regel, dass Einlagen nur bis zu 100.000 Euro pro Person und Institut über die Einlagensicherung abgesichert sind. Bei einem Bankrott von mehreren Großbanken reicht aber auch die Einlagensicherung nicht aus.

Banken zahlen EZB-Hilfe zurück

In Deutschland und Österreich können es sich die Banken leisten, die Sparzinsen niedrig zu halten. Denn das Finanzsystem gilt in beiden Ländern als relativ sicher. Laut OeNB-Statistik ist im Vorjahr das Einlagenvolumen bei den heimischen Banken um 3,7 Milliarden Euro auf 215 Milliarden Euro gestiegen. Zehn Milliarden Euro stammen von EU-Bürgern.

Österreichs Banken sind wieder so liquide, dass sie bereits 7,7Milliarden Euro der 15,7 Milliarden Euro an Finanzspritzen, die sie 2012 von der EZB erhalten haben, zurückzahlen konnten.

Die EZB stellte das Geld für drei Jahre zur Verfügung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2013)

 
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75 Kommentare
 
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radiomeister
04.04.2013 17:55
0

Banken zahlen EZB-Hilfe zurück

övag aber nicht gell!

strela301
29.03.2013 16:51
0

Niedrige Zinsen...

Es liegt mir fern, die offenkundigen Fakten weder zu beschönigen noch zu leugnen, aber als positiven Nebeneffekt würde ich sehr wohl anführen, dass die Kreditzinsen derzeit auch seeeehr niedrig sind und damit eine grosse Anzahl von Kreditnehmern stützen.

Es ist derzeit viel besser, niedrigverzinste Kredite zu bedienen (z.b. für einen vorhergegangenen Immobilienkauf) als Geldbestände am Konto oder Sparbuch zu haben,die aufgrund der bekannten Problematik ständig an Realwert verlieren. Wer verfügbare Guthaben hat, die er anlegen möchte,ist im Ausland sicher besser bedient, zumindest wenn man Augen und Ohren offen hält und im Gefahrenfall vorbeugend schnell reagiert, d.h. abhebt oder überweist bevor es brennt.

Antworten strela301
04.04.2013 09:07
0

Re: Niedrige Zinsen...

Ich muss mich leider korrigieren, die niedrigen Kreditzinsen betreffen wohl nur mehr Altverträge. Derzeit steigen selbst die Zinsen für grundbücherlich gesicherte Hypothekarkredite auf Werte, für die noch vor zwei Jahren keine Kunden hätten gefunden werden können. Leider........

Jack Marburg
27.03.2013 13:58
2

Schilling wieder einführen...

...Ostbanken und Politbanken zurechtstutzen.

BEVOR ES ZU SPÄT IST!


Antworten oliva2
28.03.2013 10:22
3

Re: Schilling wieder einführen...

ES IST SCHON ZU SPÄT!

Die breite Masse hat es nur noch nicht realisiert.

Lisa L
27.03.2013 09:23
4

bis alle verarmt sind

Österreichs Regierung und die EU sind erst zufrieden wenn wir alle verarmt sind.

Mafiajaeger
27.03.2013 00:10
1

Schweinerei

Liebe Presse sie sprechen von ENTEIGNUNG bei Sparzinsen unter Inflationsrate - wohlgemerkt wir reden von leistungslosem wertzuwachs!!!

Liebe Presse zeigen Sie uns die Schlagzeile in der Sie bei einer Lohnerhöhung unter der Inflationsrate laut ENTWGNUNG schreien!!!

Liebe Presse - ihr seids nichts anderes als eine rechtsliberale Manipulationswerkstatt - leider wahr.

zutrag
26.03.2013 23:26
6

am besten das euro-geld

verjubeln und in saus und braus leben als den politikern zu schenken.

Antworten Grüner_Kacktus
27.03.2013 11:31
3

Re: am besten das euro-geld

Dann zahlen Sie dabei massenhaft steuern. Somit schaden Sie die Politiker dabei nicht wirklich. Wenn Sie dies tun wollen, dann kaufen Sie nur das Notwendigste und legen die Überschüsse steuerfrei in Gold an.

Füchslein
26.03.2013 17:46
19

Negative Kapitalertragsteuer

Witzig ist es, dass man nach einem Jahr inflationsbereinigt weniger herausbekommt, als man eingezahlt hat, trotzdem muss man eine sogenannte "Kapitalertragsteuer" bezahlen. Eigentliche müsste es eine negative Kapitalertragssteuer für Sparbücher geben.

Antworten rabatzmacher
27.03.2013 13:32
0

Re: Negative Kapitalertragsteuer

Ich fände es fair, wenn nur auf jenen Teil der Erträge (egal ob auf das Sparbuch oder auf Aktien, Anleihen,...) der über der Inflationsrate liegt KESt bezahlt werden muss.

Antworten Mafiajaeger
27.03.2013 00:11
2

Re: Negative Kapitalertragsteuer

Ach ja und was ist mit löhnen???

wie oft liegen diese unter der inflationsrte???

BAGAGE!

Antworten Antworten Murray
29.03.2013 08:59
0

Re: Re: Negative Kapitalertragsteuer

Sie meinen Lohnsteigerungen, nicht Löhne, und diese liegen meist über der Inflationsrate.

Polis Tyrol
26.03.2013 17:17
3

In der Schweiz sparen!

Dort sind die Zinsen zwar noch niedriger, dafür herrscht aber Deflation.

Atenza
26.03.2013 15:25
2

Die Finanzminister brauchen nicht mehr zu versichern oder

beschwichtigen oder beschönigen. Warum keine Nationalwährungen mehr? Schlimmer kann es kaum werden.
Vor was fürchten? In wenigen Jahren gibt es wieder Zahlungsunfähigkeiten. Und dann? Retten wir wieder?

Antworten Silverager
30.03.2013 21:43
0

Re: Die Finanzminister brauchen nicht mehr zu versichern oder

Keine Sorgen, auf die nächste "Rettung" der Friedens- und Wohlstandswährung namens Euro werden Sie nicht Jahre warten müssen. Slowenien steht auf der "Rettungs"-Matte, dann Italien, dann Luxembourg, dann Frankreich usw. usw.

Antworten insigma
26.03.2013 16:27
1

Re: Die Finanzminister brauchen nicht mehr zu versichern oder

na sicher. und bis dahin wärs ned schlecht in einer bank zu arbeiten, oberes management. da rollt der rubel nach wie vor.

Bricop
26.03.2013 13:19
16

Mittelstand in D

hat schon bisher für 70 % gesorgt, jetzt noch die armen Länder finanzieren: stoppt den Wahnsinn.

Reinhard FUCHS
26.03.2013 12:03
13

Solange Nationalbanken das Gelddruckmonopol haben, wird es Enteignung durch Inflation geben !


Auch Kriege werden mit der Druckerpresse finanziert. Irakkrieg ca. 2 Bio $. Ohne Druckerpresse wäre der 2. Weltkrieg nach 4 Wochen AUS gewesen.

Hayek hatte wenig Hoffnung für unsere Ökonmie, solange Banken & Zentralbanken das Geldwertschöpfungsmonopol haben.

Doch wos kümat des an Faynachtsmann oder an Gewerkschofta ??

Wortmann
26.03.2013 11:32
23

SPARER SIND FREIWILD

Einlagensicherung gilt ab sofort nur für Damenslips.

retired
26.03.2013 11:16
9

Es wird zu viel Geld gedruckt, sowohl in Europa als auch in den USA.....


sagt frank stronach, und erläutert seine befürchtungen zum euro:

"Am Ende steht eine Währungsreform, bei der man alles verliert"

Das Team Frank Stronach setzt in Euro-Fragen auf die Beratung durch den renommierten Wirtschaftsprofessor, Autor und Euro-Kritiker Wilhelm Hankel und Thomas Bachheimer, dem Leiter des Euro-Expertenrats im Team Frank Stronach.

Antworten insigma
26.03.2013 16:28
2

Re: Es wird zu viel Geld gedruckt, sowohl in Europa als auch in den USA.....

so what? wählt sronach, er hat berater, die den untergang des euro vorhersagen können? tolles programm, echt!

Antworten Antworten Grüner_Kacktus
27.03.2013 09:01
1

Re: Re: Es wird zu viel Geld gedruckt, sowohl in Europa als auch in den USA.....

Nein, weil er Berater hat, die wissen wie man aus dem Schlamassel wieder herauskommt und vor allem die wissen wie das FIAT Geldsystem funktioniert. Im Gegensatz zu Fekter die Millionen an Pseudo Berater verschenkt.

Antworten Martinius Maximus
26.03.2013 14:28
0

Re: Es wird zu viel Geld gedruckt, sowohl in Europa als auch in den USA.....

Und wieder geht die hohle "retired" Stronach Wahlwerbung weiter...*Kopfschüttel*

Ulmu
26.03.2013 09:27
16

Die Banken sind ein Krebsgeschwür in unserem Wirtschaftssystem

Ich verachte sie!
Früher gab es 3 % Zinsen für Spareinlagen und 6 % kostete ein Kredit. Von dieser Differenz konnten die Banken gut leben. Kontoführungsgebühren, Überweisungsgebühren, Bareinzahlungsgebühren, etc. etc. - das gab es alles nicht.
Ich sehe es heute am Arbeitsplatz wenn wir Geld von einem Kunden ausserhalb des EU-Raums erhalten. Von 100.000 Euro, die der Kunde überweist, schluckt 500 Euro die österr. Bank. Normale Überweisung - kein Akkreditiv wohlgemerkt!
Mein Geld überlasse ich ganz bewusst nur mehr jenen Direktbanken, die gerade die besten Zinsen bezahlen. Ist zwar auch nicht viel mehr, aber die fette Mafia in ihren Glaspalästen unterstütze ich ganz bewusst nicht mehr!

Antworten Mahalanobis
26.03.2013 13:18
4

Re: Die Banken sind ein Krebsgeschwür in unserem Wirtschaftssystem

Sie dürften den Irrglauben aufsitzen, dass Banken prächtig verdienen. Vielleicht werfen Sie einmal einen Blick in Geschäftsberichte oder auf Aktienkurse von Banken. Oder überlegen sich, ob in einem Umfeld, wo Personal abgebaut wird, die verbleibende (gut ausgebildete und hart arbeitende) Truppe mit fetten Boni überschüttet wird (bedenken Sie, dass eine Bank zig tausende Mitarbeiter hat, und nicht nur ein paar gute verdienende Vorstände)

Vielleicht hätte Österreich schon viel früher teurer werden müssen, hätte man nicht den Versuch gestartet, das unprofitable Heimatgeschäft mit scheinbar (?) profitableren Ostgeschäft querzusubventionieren.

 
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