Den Sparbuchzinsen entfliehen?

Anleihen. Angesichts niedriger Zinsen erscheinen Unternehmensanleihen als attraktive Alternative. Zumindest, wenn man die Renditen mit jenen auf dem Sparbuch vergleicht. Doch Sicherheit kostet auch hier Geld.

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THEMENBILD: SPARBUCH – APA/HELMUT FOHRINGER

Wien/Ker. Es hat ja auch etwas Gutes, dass die Zinsen derzeit so extrem niedrig sind. Die Unternehmen können sich von Anlegern relativ günstig Geld borgen. Sie bieten Anleihen mit halbwegs attraktiven Zinssätzen an – und schon werden sich genügend Investoren finden, die ihnen diese Schuldpapiere abnehmen.

Der Grund dafür ist, dass die (risikolose) Alternative für Anleger eher gering ist. Denn wenn sie das Geld auf ein Sparbuch legen, erleiden sie reale Verluste, weil der Staat (über die Steuer) und die Inflation die Zinsgewinne aufzehren.

Anleger haben zumindest die Chance, mit Unternehmensanleihen höhere Zinsen einzufahren. Die günstige (Zins-)Lage wird auch der heimische Flugzeugausstatter FACC auszunutzen versuchen: Die Firma bringt eine Anleihe auf den Markt, die einen jährlichen Zins von rund vier Prozent abwirft und eine Laufzeit von sieben Jahren hat (ISIN: AT0000A10J83). „Auch private Kleinanleger haben auf jeden Fall die Chance, Anleihen zu kaufen“, heißt es aus dem Unternehmen. Schließlich seien die Anleihen in 500 Euro gestückelt. Bleibt dann nur noch offen, ob diese privaten Kleinanleger auch tatsächlich von einem solchen Investment (real) profitieren.

Der Anleger muss zunächst einen Kaufpreis von 100,75 Prozent berappen. Seine Rendite wird dadurch etwas nach unten gedrückt. Außerdem fallen Spesen an, etwa jährliche Depotgebühren für die Bank. Und: Der Staat langt auch zu. Er zieht nämlich jedes Jahr ein Viertel des Zinsgewinns ab (Kapitalertragsteuer). Was bleibt am Schluss dann noch übrig? In den sieben Jahren wird der Anleger jährlich rund 2,5 Prozent Rendite machen (Sparzinsen aus der Wiederveranlagung der jährlichen Kupons sind berücksichtigt, Anm.). Damit kann man zumindest die Inflationsrate abdecken und sein Geld vor einem Kaufkraftverlust schützen. Sofern das Unternehmen solvent bleibt und seine Schulden bedienen kann.

Strabag-Anleihe ist teuer

Ein Vergleich: Für eine (bestehende) Anleihe des Baukonzerns und ATX-Riesen Strabag mit siebenjähriger Restlaufzeit kassiert der Kunde jährlich einen Kupon von drei Prozent (ISIN: AT0000A109Z8). Die Anleihe ist aber relativ teuer. Das drückt die Rendite. Nach Abzug aller Kosten und Steuern erzielt der Anleger – wenn es gut geht – eine jährliche Rendite von gerade einmal 1,5 Prozent. Wenn man eine jährliche Inflation von zwei Prozent annimmt, häuft er mit dieser Anleihe bis 2020 einen realen Verlust von über drei Prozent an. Man könnte es auch anders formulieren: Die Sicherheit von Strabag, einem der größten Baukonzerne Europas, kostet den Anleger Geld und bringt ihm keine Rendite.

Kaufkraftverlust mit Sicherheit

Noch krasser wäre der Verlust bei einer heimischen Staatsanleihe, die noch sieben Jahre läuft (ISIN: AT0000386115). Die wirft einen attraktiven Jahreszins von 3,9 Prozent ab. Gar nicht attraktiv ist der Kaufpreis. Der liegt bei rund 117Prozent des Nennwerts. Das heißt, man muss jetzt 3500 Euro für diese Anleihen bezahlen, um nach sieben Jahren nur 3000 Euro getilgt zu bekommen. Die Rendite ist dementsprechend mager. Der Gewinn macht weniger als 0,5 Prozent jährlich aus. Das ist der Wert vor Abzug der Inflation. Bei einer Jahresinflation von zwei Prozent erleidet der Anleger mit der Staatsanleihe aber einen Verlust von über elf Prozent in sieben Jahren.

Im Vergleich zur FACC-Anleihe ist die Rendite freilich lächerlich. Der Staat Österreich gilt aber als sicherer Schuldner, auch wenn das Land nicht mehr von allen Ratingagenturen mit der Bestnote bewertet wird. Dennoch: Die Anleihe ist deutlich sicherer als die eines relativ kleinen Unternehmens, das der volatilen Luftfahrtbranche ausgesetzt ist.

Was Sie beachten sollten bei... Unternehmensanleihen

Tipp 1

Kosten fressen Rendite. Ein Beispiel: Der Flugzeugzulieferer FACC begibt aktuell eine Anleihe. Mit einem Kupon von rund vier Prozent scheint sie auf den ersten Blick recht attraktiv. Doch wenn man die Anleihe sieben Jahre lang hält, erzielt man „nur“ eine jährliche Nettorendite von rund 2,5Prozent (nach Abzug von Kosten und Steuern). Damit hat man dennoch gute Chancen, die jährliche Inflationsrate abzudecken und das Geld vor einem Kaufkraftverlust zu schützen.

Tipp 2

Risiko. Wer Unternehmensanleihen kauft, nimmt ein Risiko auf sich. Solange eine Firma solvent ist und ihre Zinsen sowie am Ende der Laufzeit auch ihre Anleihenschulden tilgt, muss man sich keine Sorgen machen. Aber sobald eine Firma pleitegeht, wird sie auch ihre Anleihen nicht mehr bedienen können. Im schlimmsten Fall sehen Gläubiger einen Teil oder ihr gesamtes eingesetztes Kapital nicht mehr wieder.

Tipp 3

Staatsanleihen. Im Vergleich zu Unternehmensanleihen muss sich ein Anleger bei sicheren Staaten weniger Sorgen machen. Für diese Sicherheit lässt der Gläubiger aber auch ordentliche Rendite liegen. Kauft ein Anleger heute eine siebenjährige österreichische Staatsanleihe, erleidet er bis zum Jahr 2020 einen realen Verlust von über elf Prozent. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls gering.

Tipp 4

Große Konzerne. Anleihen von großen ATX-Unternehmen gelten als relativ sicher. Zum Beispiel jene eines der größten Baukonzerne Europas, der Strabag. Wenn der Anleger aber heute eine Strabag-Anleihe mit einer Restlaufzeit bis zum Jahr 2020 kauft, wird er auch hier einen realen Verlust (nach Abzug der Inflation) erleiden. Anleger sollten sich also genau überlegen, welchem Unternehmen sie ihr Geld leihen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2013)

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