Sparbücher bringen kleine Verluste

18.06.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

Die Sparzinsen sind zuletzt stark zurückgegangen. Gut für die Sparer, dass auch die Inflation abnimmt. Was bleibt beim Sparbuch am Ende übrig?

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Wien/Ker. Wien/Ker. Der Berater in der Raiffeisenbank im vierten Bezirk hat eine schlechte Nachricht parat: Mit den Zinsen schaue es derzeit nicht gut aus, sagt er. Nicht nur die Raiffeisen in Wien reduzierte zuletzt ihre Sparzinsen, sondern fast alle anderen Banken auch. Die gute Nachricht: Auch die Inflation geht zurück. Schneiden die geringeren Sparzinsen dann doch nicht so schlecht ab?

Darf man den Statistikern glauben, wird die Inflation in den nächsten zwölf Monaten hierzulande bei etwas über zwei Prozent liegen. Für die folgenden Berechnungen wird daher angenommen, dass die Jahresinflation 2,2 Prozent ausmacht. „Die Presse“ rechnet nach.

Kleine Verluste bei Direktbanken

Bei der Denzel-Bank gibt es für ein einjähriges Sparbuch noch 2,5 Prozent. Mehr gibt es hierzulande derzeit nicht an Nominalzinsen. Legt man 5000 Euro auf das Sparbuch, bleibt nach einem Jahr ein Zinsertrag von 125 Euro, nach Abzug der Kapitalertragssteuer bleiben rund 94 Euro übrig.

Sollte die Inflation in der Zwischenzeit tatsächlich um 2,2 Prozent steigen, ist der Ertrag futsch. Mehr als futsch. Denn dann steigt der Sparer mit einem geringfügigen realen Verlust von 0,3 Prozent aus. Sein Geld hat in diesem einem Jahr– geringfügig, aber doch– an Kaufkraft verloren.

Bei den anderen Geldinstituten sind die Verluste noch höher. Die Direktbanken Vakifbank und Denizbank (Töchter türkischer Institute) haben in den vergangenen Jahren die höchsten Zinsen auf Spareinlagen geboten. Aber auch sie mussten in den vergangenen Wochen die Zinsen reduzieren. Bei der Vakifbank bekommt man für ein Sparbuch mit einjähriger Bindung nur mehr 2,25 Prozent Zinsen.

Legt man hier die 5000 Euro drauf, macht man nach Abzug der Steuer und unter Berücksichtigung der Inflation einen realen Verlust von etwas mehr als 25 Euro. Die Kaufkraft des Geldes hat um 0,5 Prozent abgenommen.

Die Denizbank bietet derzeit einen nominellen Sparzinssatz von 2,125 Prozent. Der Sparer erleidet damit einen Kaufkraftverlust von 0,6 Prozent. Wie schaut es hingegen bei den „großen“ Banken aus? Wenn man zu einer Raiffeisenbank in Wien geht, bekommt man für ein einjähriges Sparbuch nicht mehr 1,75 Prozent wie vor einigen Wochen.

Nein, es gibt um 0,5 Prozentpunkte weniger, also 1,25 Prozent. Wenn der Sparer hier wieder 5000 Euro anlegt, steht in einem Jahr ein Kaufkraftverlust von über 60 Euro oder umgerechnet 1,25 Prozent zu Buche.

Einige Banken zahlen Prämien

Ein wenig besser sieht es beim Kapitalsparbuch der Volksbank aus. Das bietet 1,5 Prozent. Nach einem Jahr liegt der reale Verlust „nur“ bei knapp einem Prozent. Der Zinssatz beim „KapitalSparbuch 12 Monate“ der Bank Austria liegt überhaupt nur bei einem Prozent.

Mit anderen Worten: Das Geld verliert nach einem Jahr um knapp 1,4 Prozent an realem Wert.

Nicht nur bei den Zinsen von Sparbüchern mit fixen Bindungen geht es bergab, sondern auch beim Tagesgeld.

Ein interessantes Angebot gibt es allerdings bei der Ing-Diba. Für die ersten sechs Monate bei diesem täglich fälligen Sparbuch gibt es einen fixen Zinssatz von 2,25 Prozent. Und wenn man mehr als 2500 Euro einlegt, gibt es für Neukunden eine Bonuszahlung von 20 Euro. Ein Beispiel: Der Sparer legt heute 5000 Euro auf dieses Sparbuch. Er hat die Möglichkeit, das Geld jeden Tag wieder abzuheben. In diesem Fall lässt er es aber für ein halbes Jahr auf dem Sparbuch liegen. Er macht damit einen kleinen realen Gewinn von etwa 0,2 Prozent (unter der Annahme, dass die Jahresinflation in den nächsten sechs Monaten bei 2,2 Prozent liegt). Für ein täglich fälliges Sparbuch ist das nicht schlecht.

Zinsen können weiter fallen

Vor allem im Vergleich zu den Mitbewerbern. Bei der Denizbank bekommt man für täglich fälliges Geld 1,875 Prozent.

Aber: Dieser Zinssatz ist variabel. Er kann in den nächsten Wochen nach unten gehen. Wir nehmen an, er bleibt für ein halbes Jahr auf dem gleichen Niveau.

Der Sparer fährt hier ein reales Minus von 0,4 Prozent ein. Das ist aber nur für ein halbes Jahr berechnet.

Lässt er das Geld ein Jahr liegen, macht er bei gleichem Zinssatz einen realen Verlust von 0,8 Prozent.

Was Sie beachten sollten bei... den aktuellen Sparzinsen

Tipp 1

Filialbanken. Die Zinsen für Sparbücher mit einjähriger Bindung sind deutlich zurückgegangen. Beispiel Raiffeisenbank in Wien: Die hat den Zinssatz von 1,75 gleich auf 1,25 Prozent gestutzt. Zieht man die Kapitalertragsteuer ab und berücksichtigt man die Inflation, erleidet der Sparer einen realen Verlust von knapp 1,25 Prozent.

Tipp 2

Direktbanken. Bessere Konditionen gibt es bei den Direktbanken, obwohl auch deren Zinssätze in den vergangenen Wochen reduziert wurden. Bei der Denzel-Bank gibt es immerhin noch 2,5 Prozent für einjährige Sparbücher. Der Sparer erleidet nach einem Jahr hier nur einen geringfügigen Kaufkraftverlust (nach Steuer und Inflation) von 0,3 Prozent.

Tipp 3

Sicherheit. Einige Direktbanken auf dem heimischen Markt haben klingende Namen, etwa die türkischstämmige Vakifbank oder die Denizbank. Die (Klein-)Sparer müssen sich hier trotzdem nicht mehr Sorgen machen also sonst. Denn auch bei diesen Banken gilt die Einlagensicherung. Damit sind Sparguthaben von bis zu 100.000 Euro gesichert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2012)

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14 Kommentare

Man könnte auch

die Kest abschaffen, wenn die Zinsen kleiner sind als die Inflation. Aber das wird der Staat sicher nicht tun. Somit bleibt es ein Wunschdenken, aber gerecht wäre das schon.

Gast: MH
19.06.2012 06:56
4 0

Alles Lug u. Trug.

Diese kürzlich aktuell veröffentlichte Inflationsrate von 2,1 % ist ein Hohn u. abseits jeder Realität u. eine grobe Täuschung von Konsumenten u. Arbeitnehmern, von Pensionisten u. Sozialleistungsbeziehern sowie von Sparern.

In Wahrheit haben sich schon längst mit zu niedrigen Inflationsraten (tatsächlich 3x höher) Gaunermethoden breit gemacht, mit denen in Zeiten größter Finanz- u. Wirtschaftskrise schleichend u. bequem, effektiv Schuldenabbau finanziert wird. Den Manipulatoren sei gesagt, dass sie damit bewusst Diebstahl bei den kleinen Einkommensbeziehern betreiben. Wenn das Volk ständig für dumm verkauft wird, darf es dann niemanden wundern, wenn es eines Tages Rache nehmen wird.

Es ist höchste Zeit, dass die Sparzinsen an die Inflation (wie etwa bei den jährlichen Lohnerhöhungen) gekoppelt werden - besser noch per Automatismus.
Es ist längst überfällig, dass die offensichtlich korrupten Statistikartelle wegen des dringenden Tatverdachtes der Korruption u. Komplizenschaft als Handlanger von Politik u. Wirtschaft bei der OLAF geklagt und anschließend, gründlich reformiert u. reguliert werden.

Es ist längst überfällig, dass der unzeitgemäße, mit Lug u. Trug behaftete Kraut-und-Rüben-Mega-Warenkorb zertrümmert u. in mehreren transparenten u. überschaubaren Untergruppen aufgeteilt wird, wie z.B. je einen Index für Lebensmittel, für Wohnen u. Mieten, für Energie, für Elektro- u. Haushaltsgeräte u.d.gl.

Gast: EFF EFF
19.06.2012 01:45
0 0

Sparen unter der 3 Millionen Euro Armutsgrenze lohnt sich nicht.

Die Rechnung im Artikel ist natürlich falsch wie immer, wenn es um Bankeunlagen geht. Abgezogen werden noch die Preisaufschläge auf Waren aller Art in Höhe der Kreditzinsen plus Gebühren und Transaktionskosten und Zinseszinsen für die Kredite, die mit der Spareinlage getätigt werden und das wegen der einlagewirksamen, multiplikativen Giralgeldschöpfung nach der elektronischen Digitalisierung bis zu 50 mal. Dämmert es jetzt, warum Banken so wahnsinnige Gewinne machen und es andererseits den spanischen Banken mit schrumpfenden Einlagen so schlecht geht? Falls es zu einem Bankrun kommt, kann von der Bankenseite aus das 50fache an Kreditvolumen nicht bedient werden.

inflationsberechnung

jaja, der VPI-einkaufswarenkorb....

ich kaufe monatlich computer, fernseher...

tomaten und käse allerdings sehr selten, fast jährlich...

Gast: Hans im Glück
18.06.2012 22:13
4 0

Sparbücher, Versicherungen, Bausparer...

alles nur Papier.

Der VPI, dieser Index der sich formen lässt wie Plastilin zeigt der Kundschaft nur was man sie sehen lassen will.

Die Inflation, die Steigerung der Geldmenge ist viel höher so zwischen 7 und 10%. Die aber auf lange Sicht, auf die Jahre Verteilt. Sollte es zur Flucht aus dem EUR kommen, dann kommen die EUR aus allen Poren der Finanzindustrie heraus und wir werden vor einem Zunami stehen, genannt Hyperinflation.

Es kann jederzeit soweit sein.
Kündigt ja keine Verträge. Ihr könntet nämlich mal auf der Gewinnerseite stehen.

3 0

Komisch, die 'Presse',....


....sie berichtet am Sonntag in einem ausgezeichneten Artikel über die Berechnungsmethoden der Inflation, dass diese wohl ein großer, organisierter Betrug sei und in Wahrheit viel höher als veröffentlicht, und heute wird mit diesen erlogenen Zahlen eine Berechnung durchgeführt.

Entweder bleiben wir bei der Wahrheit (die Inflation beträgt zumindest annähernd 10%), oder wir biegen uns nach dem Wind.

Gast: iona
18.06.2012 21:54
0 0

diese steuern sind eine frechheit.

ich finde sparbuchzinsen sollten für die kleinen beträge steuerfrei sein. z.b. bis 500 euro zinsertrag im jahr. oder wenigstens 300.
diese summe gilt ja sogar bei arbeitseinkommen als geringfügig und ist steuerfrei. soweit ich weiß.

so anständig könnte man doch sein für die leute mit wenig geld, die sich über jahre mit mühe jeden euro vom mund absparen damit sie sich irgendwann wieder ein auto oder neue fenster kaufen können.

0 0

Re: diese steuern sind eine frechheit.

Ja, das wäre wohl auch leicht machbar. Als die KEst eingeführt wurde, gab es noch anonyme Sparbücher. Da daher nicht festgestellt werden konnte, wieviel jeder an Zinsen bekommt, wurde das generell auf alle Zinsen gemacht. So wurde damals argumentiert.

Heute wäre es wohl leicht möglich einen Freibetrag einzuführen, da es sowieso keine anonymen Sparbücher mehr gibt.

ja

es gibt Zeiten, da muss man entweder sehr viel Geld haben oder keines um gut auszusteigen. Bin ich froh, dass ich nicht spare.

ING-Diba neppt doch ihre Kunden!

Gute Angebote stets nur auf 6 Monate beschränken und immer nur für Neukunden. Ich als langjähriger Altkunde habe meine Geld längst abgezogen.

Kundenbindung sieht anders aus.

Gast: fj14
18.06.2012 20:55
8 0

Sparbuch, ein Produkt für Dummköpfe

wir haben real eine Inflation von ca. 10%
die Kaufkraft des Euro ist seit Einführung um 60 bis 70% gesunken.

ein richtiges Kaufkraftvernichtungsprodukt

Antworten Gast: sgsdg
18.06.2012 21:18
0 4

Re: Sparbuch, ein Produkt für Dummköpfe

Erleuchten sie uns - wir sind für alternative Vorschläge offen.

3 0

Re: Re: Sparbuch, ein Produkt für Dummköpfe

Gold, Grund, Wasser, Clopapier, Waffen und einen Holz-Backofen.

Re: Re: Re: Sparbuch, ein Produkt für Dummköpfe

wie wahr, wie wahr !

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