Sparbücher bringen kleine Verluste

Die Sparzinsen sind zuletzt stark zurückgegangen. Gut für die Sparer, dass auch die Inflation abnimmt. Was bleibt beim Sparbuch am Ende übrig?

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(c) Erwin Wodicka

Wien/Ker. Wien/Ker. Der Berater in der Raiffeisenbank im vierten Bezirk hat eine schlechte Nachricht parat: Mit den Zinsen schaue es derzeit nicht gut aus, sagt er. Nicht nur die Raiffeisen in Wien reduzierte zuletzt ihre Sparzinsen, sondern fast alle anderen Banken auch. Die gute Nachricht: Auch die Inflation geht zurück. Schneiden die geringeren Sparzinsen dann doch nicht so schlecht ab?

Darf man den Statistikern glauben, wird die Inflation in den nächsten zwölf Monaten hierzulande bei etwas über zwei Prozent liegen. Für die folgenden Berechnungen wird daher angenommen, dass die Jahresinflation 2,2 Prozent ausmacht. „Die Presse“ rechnet nach.

Kleine Verluste bei Direktbanken

Bei der Denzel-Bank gibt es für ein einjähriges Sparbuch noch 2,5 Prozent. Mehr gibt es hierzulande derzeit nicht an Nominalzinsen. Legt man 5000 Euro auf das Sparbuch, bleibt nach einem Jahr ein Zinsertrag von 125 Euro, nach Abzug der Kapitalertragssteuer bleiben rund 94 Euro übrig.

Sollte die Inflation in der Zwischenzeit tatsächlich um 2,2 Prozent steigen, ist der Ertrag futsch. Mehr als futsch. Denn dann steigt der Sparer mit einem geringfügigen realen Verlust von 0,3 Prozent aus. Sein Geld hat in diesem einem Jahr– geringfügig, aber doch– an Kaufkraft verloren.

Bei den anderen Geldinstituten sind die Verluste noch höher. Die Direktbanken Vakifbank und Denizbank (Töchter türkischer Institute) haben in den vergangenen Jahren die höchsten Zinsen auf Spareinlagen geboten. Aber auch sie mussten in den vergangenen Wochen die Zinsen reduzieren. Bei der Vakifbank bekommt man für ein Sparbuch mit einjähriger Bindung nur mehr 2,25 Prozent Zinsen.

Legt man hier die 5000 Euro drauf, macht man nach Abzug der Steuer und unter Berücksichtigung der Inflation einen realen Verlust von etwas mehr als 25 Euro. Die Kaufkraft des Geldes hat um 0,5 Prozent abgenommen.

Die Denizbank bietet derzeit einen nominellen Sparzinssatz von 2,125 Prozent. Der Sparer erleidet damit einen Kaufkraftverlust von 0,6 Prozent. Wie schaut es hingegen bei den „großen“ Banken aus? Wenn man zu einer Raiffeisenbank in Wien geht, bekommt man für ein einjähriges Sparbuch nicht mehr 1,75 Prozent wie vor einigen Wochen.

Nein, es gibt um 0,5 Prozentpunkte weniger, also 1,25 Prozent. Wenn der Sparer hier wieder 5000 Euro anlegt, steht in einem Jahr ein Kaufkraftverlust von über 60 Euro oder umgerechnet 1,25 Prozent zu Buche.

Einige Banken zahlen Prämien

Ein wenig besser sieht es beim Kapitalsparbuch der Volksbank aus. Das bietet 1,5 Prozent. Nach einem Jahr liegt der reale Verlust „nur“ bei knapp einem Prozent. Der Zinssatz beim „KapitalSparbuch 12 Monate“ der Bank Austria liegt überhaupt nur bei einem Prozent.

Mit anderen Worten: Das Geld verliert nach einem Jahr um knapp 1,4 Prozent an realem Wert.

Nicht nur bei den Zinsen von Sparbüchern mit fixen Bindungen geht es bergab, sondern auch beim Tagesgeld.

Ein interessantes Angebot gibt es allerdings bei der Ing-Diba. Für die ersten sechs Monate bei diesem täglich fälligen Sparbuch gibt es einen fixen Zinssatz von 2,25 Prozent. Und wenn man mehr als 2500 Euro einlegt, gibt es für Neukunden eine Bonuszahlung von 20 Euro. Ein Beispiel: Der Sparer legt heute 5000 Euro auf dieses Sparbuch. Er hat die Möglichkeit, das Geld jeden Tag wieder abzuheben. In diesem Fall lässt er es aber für ein halbes Jahr auf dem Sparbuch liegen. Er macht damit einen kleinen realen Gewinn von etwa 0,2 Prozent (unter der Annahme, dass die Jahresinflation in den nächsten sechs Monaten bei 2,2 Prozent liegt). Für ein täglich fälliges Sparbuch ist das nicht schlecht.

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Zinsen können weiter fallen

Vor allem im Vergleich zu den Mitbewerbern. Bei der Denizbank bekommt man für täglich fälliges Geld 1,875 Prozent.

Aber: Dieser Zinssatz ist variabel. Er kann in den nächsten Wochen nach unten gehen. Wir nehmen an, er bleibt für ein halbes Jahr auf dem gleichen Niveau.

Der Sparer fährt hier ein reales Minus von 0,4 Prozent ein. Das ist aber nur für ein halbes Jahr berechnet.

Lässt er das Geld ein Jahr liegen, macht er bei gleichem Zinssatz einen realen Verlust von 0,8 Prozent.

Was Sie beachten sollten bei... den aktuellen Sparzinsen

Tipp 1

Filialbanken. Die Zinsen für Sparbücher mit einjähriger Bindung sind deutlich zurückgegangen. Beispiel Raiffeisenbank in Wien: Die hat den Zinssatz von 1,75 gleich auf 1,25 Prozent gestutzt. Zieht man die Kapitalertragsteuer ab und berücksichtigt man die Inflation, erleidet der Sparer einen realen Verlust von knapp 1,25 Prozent.

Tipp 2

Direktbanken. Bessere Konditionen gibt es bei den Direktbanken, obwohl auch deren Zinssätze in den vergangenen Wochen reduziert wurden. Bei der Denzel-Bank gibt es immerhin noch 2,5 Prozent für einjährige Sparbücher. Der Sparer erleidet nach einem Jahr hier nur einen geringfügigen Kaufkraftverlust (nach Steuer und Inflation) von 0,3 Prozent.

Tipp 3

Sicherheit. Einige Direktbanken auf dem heimischen Markt haben klingende Namen, etwa die türkischstämmige Vakifbank oder die Denizbank. Die (Klein-)Sparer müssen sich hier trotzdem nicht mehr Sorgen machen also sonst. Denn auch bei diesen Banken gilt die Einlagensicherung. Damit sind Sparguthaben von bis zu 100.000 Euro gesichert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2012)

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